Nach dem Einzug in die Playoff-Runde der UEFA Europa League zeigt sich Besiktas-Cheftrainer Vincenzo Italiano zwar hochzufrieden mit der defensiven Stabilität seiner Mannschaft, fordert im Angriff jedoch eine deutlich höhere Kaltschnäuzigkeit. Die Schwarz-Weißen setzten sich im Rückspiel der dritten Qualifikationsrunde im heimischen Tüpras-Stadion wie bereits im Hinspiel mit 1:0 gegen den tschechischen Klub Hradec Kralove durch. Wie aus den offiziellen Datenerhebungen von Opta hervorgeht, feierte der italienische Übungsleiter damit einen historischen Einstand: Vincenzo Italiano ist der erste Trainer in der Geschichte von Besiktas, der seine ersten vier Europapokalspiele allesamt gewinnen konnte. In den bisherigen Duellen gab es Siege gegen FC Midtjylland (1:0 und 2:0) sowie zwei 1:0-Erfolge gegen Hradec Kralove.
Offensiver Drang für Amir Murillo und Sorgen bei der Chancenverwertung
Auf der Pressekonferenz nach dem Match erläuterte der Coach die taktischen Aufgaben seines Rechtsverteidigers Amir Murillo, dem er bewusst große Freiheiten einräumt: „Murillo ist ein Spieler, der in der Offensive viele Freiheiten hat. Natürlich erfüllt er die Aufgaben, die ein Rechtsverteidiger erfüllen muss. Aber wenn sich vor ihm Räume ergeben, möchte ich, dass er weiter nach vorne geht und bis zur Grundlinie durchläuft. Ich möchte, dass er den Ball nach innen spielt. Ich möchte sogar, dass er selbst Läufe in den Strafraum macht. Wenn wir den Ball haben, erwarte ich diese Dinge von ihm. Natürlich muss er als Rechtsverteidiger auch verteidigen. Aber ich bin mit dem, was er bislang gemacht hat, zufrieden. Mir gefällt das.“
Trotz der Spielkontrolle sieht der 48-jährige Cheftrainer jedoch Handlungsbedarf im Torabschluss. „Wir haben in vier Spielen sehr viele Torschüsse abgegeben. Allerdings ist unsere Quote bei den Schüssen aufs Tor nicht besonders hoch. Bei unserer Chancenverwertung haben wir einige Probleme, aber wir erspielen uns sehr viele Möglichkeiten. Ich denke, darin sind wir uns einig. Wir müssen unsere Chancen einfach etwas besser verwerten. Wenn wir weiterhin so häufig vor das gegnerische Tor kommen, denke ich, dass wir noch bessere Leistungen zeigen werden. Wir werden gemeinsam daran arbeiten, noch gefährlicher und konsequenter im Abschluss zu werden“, betonte Italiano. Zudem mahnte er an, dass ein 1:0 ein sehr gefährlicher Spielstand sei und die Mannschaft nachlegen müsse.

Hoffnungen auf Dusan Vlahovic und den Rhythmus in Europa
Große Stücke hält der Trainer auf den namhaften Neuzugang Dusan Vlahovic, der dem Sturmzentrum mehr Durchschlagskraft verleihen soll: „Wir müssen einen noch stärkere Mannschaftsinstinkt und eine bessere Chancenverwertung entwickeln. Dafür müssen wir einfach nur arbeiten. Eigentlich ist es so einfach. Ein sehr wichtiger Stürmer ist zu uns gestoßen. Natürlich spreche ich von Vlahovic. Er ist ein sehr junger und torgefährlicher Spieler und meiner Meinung nach jemand, der uns enorm verstärken kann. Gleichzeitig glaube ich, dass er auch die anderen Offensivspieler der Mannschaft auf ein höheres Niveau bringen und ihnen dabei helfen kann, sich weiterzuentwickeln.“
Mit Blick auf die Kaderbreite und die verbleibende Wechselperiode erklärte Italiano: „Die Transferperiode ist lang. Wir haben noch Tage und Wochen vor uns. Natürlich erledigt auch der Klub derzeit seine Arbeit. Die Verantwortlichen beobachten und sehen alles. Der Klub macht hier seine Arbeit gut. Gleichzeitig stehen wir jetzt in den Play-offs. Was bedeutet das? Wir sind in dieser Saison offiziell in Europa vertreten und hoffen, dass wir in der Europa League weitermachen können, dem derzeit höchstmöglichen Wettbewerb für uns. Das wäre eine großartige Sache für uns. Denn in diesem Fall können bei dem Rhythmus mit Spielen am Donnerstag und Sonntag alle meine Spieler zum Einsatz kommen. Bei diesem Rhythmus und diesem Tempo brauchen wir jedoch eine gute und qualitativ starke Mannschaft.“

Lob für den defensiven Mannschaftsgeist und Bekenntnis zu Besiktas
Dass die Schwarz-Weißen in vier Pflichtspielen noch keinen einzigen Gegentreffer hinnehmen mussten, führt der Cheftrainer auf die geschlossene Arbeit des gesamten Kollektivs zurück: „Ich bin mit den Abwehrspielern sehr zufrieden, weil sie wirklich diesen Willen haben, kein Gegentor zu kassieren, und das macht mich unglaublich glücklich. Sie tun alles, was sie können, um den Ball zu erobern. Sie werfen sich in die Bälle und unsere Defensive spielt wirklich mit einem kämpferischen Geist. Deshalb möchte ich ihnen gratulieren. Wir verteidigen als Mannschaft gut und als Team möchte niemand ein Gegentor kassieren. Wir haben noch kein Gegentor kassiert, weil bei uns nicht nur der Torhüter oder die Innenverteidiger arbeiten, sondern die gesamte Mannschaft bis hin zum Mittelstürmer. Im Moment sind wir noch nicht perfekt, aber ich denke, dass wir auf dem richtigen Weg sind.“
Zum Abschluss drückte der Trainer seine Verbundenheit mit dem Istanbuler Traditionsklub aus und schwärmte von den Gegebenheiten vor Ort: „Hier herrscht eine großartige Atmosphäre. Die Menschen, die hier arbeiten, geben 100 Prozent und tun alles für den Klub. Der Verein an sich ist ohnehin unglaublich. Über das Stadion braucht man gar keine Worte zu verlieren. Man kann es nicht mit Worten beschreiben. Auch meine Spieler hören mir sehr aufmerksam zu und versuchen, das umzusetzen, was ich ihnen sage. Ich hoffe, dass das so bleibt, und ich möchte lange hierbleiben und gute Arbeit leisten.“

