Aziz Yildirim droht Saran-Führung auf Finanz-Kongress: „Ich werde euch nicht entlasten“
Auf der ordentlichen Finanz-Generalversammlung des Fenerbahce Sportklubs in der Ülker Spor ve Etkinlik Salonu ist es zu scharfen Auseinandersetzungen über die finanzielle Lage des Klubs gekommen. Fenerbahce-Präsident Aziz Yildirim übte heftige Kritik an den Mitgliedern der vorherigen Vereinsführung unter Sadettin Saran. Im Zentrum seiner Vorwürfe standen nicht beglichene Transferraten sowie der unzureichende Schutz des klubeigenen Vermögens. „Wir werden den Auftakt zum wichtigsten Finanzkongress in der Geschichte von Fenerbahce machen. Jeder wird alles erfahren. Wir werden es nicht aus den Medien erfahren, sondern hier. Was habe ich gesagt? ‚Nach einem Jahr werde ich aufhören.‘ Ich möchte mich mit diesen Dingen nicht beschäftigen. Weil ich davon überzeugt bin, richtig gehandelt zu haben, habe ich weder vor einer Entlastungsabstimmung noch vor Gerichten oder irgendetwas anderem Angst. Ich habe keinerlei Zweifel. Nach einem Jahr werde ich als Meister aufhören. Ich werde uns zum Meister machen“, erklärte Aziz Yildirim direkt zu Beginn seiner Ansprache.
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Der Präsident verwies auf den sportlichen Erfolg in Europa und betonte das gemeinsame Erreichen der Ziele mit dem Trainerteam und Oguz Cetin. Anschließend wandte er sich direkt an die vorherige Führungsriege: „Kommen wir zu Herrn Sadettin und seiner Vereinsführung: Ihr habt das Geld ausgegeben. Ali Koc hat En-Nesyri für 19 Millionen Euro gekauft. Von seiner Ablösesumme waren weitere 6 Millionen Euro noch nicht bezahlt. Im April wird eine Rate fällig, und ihr habt sie nicht bezahlt. Am 15. Juni kommt ein Schreiben der UEFA. Meine Kollegen haben es mir gebracht und gesagt, dass wir das bezahlen müssen. Also bezahlen wir es. Ich werde erklären, wie viel Geld in den Verein geflossen ist. Ihr zahlt nicht, und dann kommt die Strafe. Die erste Rate habe ich bezahlt, die zweite haben wir ebenfalls unterschrieben und abgeschickt. Als diese Vereinsführung zahlen wir 6 Millionen Euro. Wofür ihr dieses Geld ausgegeben habt, das sollt ihr erklären.“ Ergänzend erwähnte Aziz Yildirim den Verkauf von Sidiki Cherif für 25 Millionen Euro dank der Kontakte von Hasan Cetinkaya, Cihan Kamer und Oguz Cetin.

Scharfe Rüge wegen Fenerbahce-Universität und Grundstücken
Besonders scharf verurteilte Aziz Yildirim die Situation rund um die Fenerbahce-Universität, deren Vertrag mit Medicana um weitere zehn Jahre verlängert worden war. „Die Universität gehört nicht mehr Fenerbahce, sondern Medicana. Ihr habt geschwiegen, ihr habt euch schuldig gemacht und den Vertrag um weitere zehn Jahre verlängert? Hier wird sich am Eigentum von Fenerbahce vergriffen. Wo wir sind, kann das niemand tun. Bei Fenerbahce respektieren wir jeden, der etwas Gutes tut. Aber ihr als Vereinsführung tragt die Schuld. Deshalb werde ich euch nicht entlasten. Auch bei der Aktiengesellschaft werde ich das nicht tun. Verteidigt die Rechte von Fenerbahce. Kommt hierher und sagt: ‚Das ist falsch‘, dann korrigieren wir es gemeinsam. Das Eigentum von Fenerbahce ist aus der Hand gegeben worden, Fenerbahce ist nicht mehr Eigentümer seines Besitzes. Warum habt ihr für 400.000 Euro um weitere zehn Jahre verlängert?“, kritisierte der Klubchef und gab bekannt, dass sich derzeit 77 Millionen Euro in der Vereinskasse befinden, ehe er das frühere Vorstandsmitglied Ilker Alkun für weitere Erläuterungen auf die Bühne bat.

Sinneswandel bei Entlastung im Sinne der Einheit
Trotz der anfänglichen Drohung kam es im weiteren Verlauf der Generalversammlung zu einer Wendung bezüglich der Entlastung für den Zeitraum vom 1. März 2026 bis zum 31. Mai 2026. Aziz Yildirim trat erneut ans Pult und warb überraschend für ein Einlenken: „Auch auf der vergangenen Generalversammlung habe ich gesagt, dass jeder entlastet werden sollte und dass in unserem Verein mit Blick auf die Zukunft kein negatives Bild entstehen sollte. Heute Morgen haben sie mich wütend gemacht, aber jetzt denke ich wieder genauso. Um Einheit und Zusammenhalt zu gewährleisten, werde ich für die Entlastung stimmen. Ich bitte auch euch darum. Wegen Kante werden sie die Zahlung übernehmen. Wegen der Universität werden sie kommen und gemeinsam mit uns daran arbeiten.“ Unter der Leitung von Sekip Mosturoglu, dem Vorsitzenden des Hohen Rats, stimmte die Versammlung schließlich mit Stimmenmehrheit für die Entlastung des Vorstandes sowie des Kontrollausschusses.

Vizepräsident Baris Göktürk schlägt Finanz-Alarm
Einen detaillierten Einblick in die finanzielle Schieflage gab im Anschluss Vizepräsident Baris Göktürk, der vor drastisch steigenden Verbindlichkeiten warnte. „Wir sprechen über die Phase mit den größten Vermögensverlusten in der Geschichte von Fenerbahce. Es wird gesagt, dass die Finanzschulden beglichen wurden, aber die Gesamtverschuldung ist nicht gesunken. Am 21. September 2025 waren die Schulden auf 592 Millionen Euro gestiegen. Obwohl der Verein jährliche Einnahmen von 457 Millionen Euro erzielt, wurden innerhalb eines Jahres 611 Millionen Euro ausgegeben. Die Saison 2025/26 war die Saison mit den höchsten Ausgaben in der Geschichte von Fenerbahce. Es besteht ein Defizit von rund 180 Millionen Euro“, bezifferte der Vizepräsident die Entwicklungen.
Baris Göktürk legte offen, dass wertvolle Grundstücke in Atasehir und Kayisdagi veräußert wurden und trotz der Einnahmen von 132 Millionen Euro aus Immobilien und Kapitalerhöhung Gesamtschulden von 524 Millionen Euro hinterlassen worden seien. Zudem seien Einnahmen aus Stadionnamensrechten und Trikotdeals mit Adidas in Höhe von 32 Millionen Euro sowie Vorschüsse von Privatbanken und Ticketpartner Passo vorzeitig aufgebraucht worden. „Aus der unserem Vorstand übergebenen Aufstellung geht hervor, dass die höchsten Ausgaben in der Geschichte von Fenerbahce getätigt wurden, zwei wertvolle Grundstücke verloren gingen und die Kapitalerhöhung mit dem höchsten Volumen durchgeführt wurde. Aziz Yildirim hat in der schwierigsten Phase Verantwortung übernommen, sein Amt angetreten und versucht nun, den Verein wieder auf Kurs zu bringen“, unterstrich der Vizepräsident.

Ilker Alkun kontert: „Schulden wachsen seit 25 Jahren wie ein Schneeball“
Das frühere Vorstandsmitglied Ilker Alkun wies die Alleinschuldzuweisung energisch zurück und erinnerte an die historische Verschuldung unter früheren Führungen. „Unser Präsident kommt hierher und erweckt gegenüber einer Vereinsführung, die neun Monate im Amt war, den Eindruck, als trügen die vorherigen Vereinsführungen keinerlei Verantwortung. Als hätte er selbst in den 20 Jahren, in denen er Fenerbahce geführt hat, keinerlei Verantwortung dafür getragen, dass die Schulden, die er bei 31 Millionen Euro übernommen hatte, auf 612 Millionen Euro gestiegen sind. Wie praktisch, dass man Sadettin Saran und sein Team gefunden hat: ‚Schlagt auf den Sündenbock ein, schieben wir ihnen alles in die Schuhe, damit wir alle reingewaschen werden.‘ Genau diese Wahrnehmung wird erzeugt“, hielt Ilker Alkun dagegen.

Er verwies darauf, dass allein innerhalb von zwei Jahren 79 Millionen Euro an Zinsbelastungen aufgelaufen seien und die Altlasten über 25 Jahre angewachsen seien. Zudem verdeutlichte er die Haltung bezüglich ausstehender Personalien und Transfers: „Bezüglich Kante war uns eine Vollmacht erteilt worden. Ertan Torunogullari hat alles Notwendige getan, um Kante zu verkaufen. Oguz Cetin ist kein einziges Mal ans Telefon gegangen. Heute können Sie Kante nicht verkaufen. Wir wurden für zwei Jahre gewählt, konnten unsere Amtszeit jedoch nicht zu Ende führen. Wir sind nicht hierhergekommen, um zu streiten, sondern um von unserem Recht auf Erwiderung Gebrauch zu machen. Wir haben den Verein nicht 27 Jahre lang geführt. Bei allen richtigen Maßnahmen werden wir diese Vereinsführung unterstützen. Versuchen Sie nicht, einer für zwei Jahre gewählten Vereinsführung die Rechnung für die vergangenen 27 Jahre zu präsentieren.“ Im Anschluss an die Debatte wurde der Haushaltsentwurf für den Zeitraum vom 1. Juni 2026 bis zum 31. Mai 2027 von der Generalversammlung mit Stimmenmehrheit angenommen.



