Offener Einblick bei Besiktas: Vincenzo Italiano spricht über Transferabsagen und die Kulisse in der Türkei
Besiktas-Cheftrainer Vincenzo Italiano hat sich in einem ausführlichen Gespräch mit den Medien zu seiner bisherigen Amtszeit und den Hintergründen der vergangenen Transferperiode geäußert. Der italienische Übungsleiter blickte dabei auf bewegte Wochen am Bosporus zurück und nannte konkret Namen von Spielern, von deren Verpflichtung die Schwarz-Weißen letztlich Abstand genommen haben. Wie Corriere dello Sport berichtet, zieht der Coach ein durchweg emotionales Zwischenfazit und zeigt sich von der Dynamik im türkischen Fußball tief beeindruckt.
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Atmosphäre wie in den 80er-Jahren und Hexenkessel Amedspor
Besonders die Stimmung auf den Rängen der türkischen Stadien hat es dem Übungsleiter angetan. Vincenzo Italiano schwärmte im Interview ausführlich über die Kulisse vor Ort: „Die Atmosphäre in der Türkei ist außergewöhnlich. Die Stadien sind neu, sehr groß und voller Leidenschaft. Das erinnert mich an den Fußball der 80er- und 90er-Jahre in Italien, als die Menschen die ganze Woche auf das Spiel am Wochenende gewartet haben. Und das gilt nicht nur für die Fans der großen Vereine, sondern überall.“
Einen bleibenden Eindruck hinterließ dabei vor allem das Auswärtsspiel beim Aufsteiger Amed Sportif Faaliyetler. „Als wir zuletzt beim Aufsteiger Amed zu Gast waren, waren dort 40.000 ‚Tiere‘ – und das meine ich nicht abwertend. Ein beeindruckender Hexenkessel“, betonte der Trainer rückblickend. Der Italiener gab ehrlich zu, dass die Entwicklung von Besiktas bereits ein Niveau erreicht habe, das ihn selbst überrascht habe: „Selbst ich hatte das nicht erwartet.“

Klartext zu Transfers: Vlahovic-Kontakt, Lucumi-Absage und Poku-Wunsch
Auch die Vorgänge auf dem Transfermarkt beleuchtete der Coach im Detail. Insbesondere die Verpflichtung von Dusan Vlahovic war von langer Hand vorbereitet. Vincenzo Italiano enthüllte den genauen Ablauf des Dialogs mit dem serbischen Stürmerstar: „An dem Tag, an dem ich meine Arbeit bei Besiktas aufgenommen habe, habe ich mit ihm gesprochen. Zu diesem Zeitpunkt stand er kurz vor einem Abschied von Juventus. Er hatte zahlreiche Kontakte zu bedeutenden Vereinen. Er sagte mir, dass wir erneut miteinander sprechen würden, falls diese Gespräche zu keinem Ergebnis führen sollten. Auch der Verein war mit mir darin einig, dass wir versuchen sollten, ihn zu verpflichten.“

Gleichzeitig stellte der Cheftrainer klar, dass er bei Kaderentscheidungen eigene Prioritäten setzte. Während die Vereinsführung ihm Alieu Njie vorschlug, forderte er selbst die Verpflichtung von Ernest Poku: „Er ist ein sehr talentierter Spieler. Bei Juventus war er etwas ins Abseits geraten, und wir haben diese Gelegenheit genutzt. Er kann auf vielen Positionen im Mittelfeld spielen. Neulich Abend hat er mich überrascht und ein großartiges Spiel gemacht.“
Einen weiteren Wunschtransfer konnte die Klubführung hingegen nicht realisieren. Vincenzo Italiano erklärte offen, dass er während der Sommer-Transferperiode auch den kolumbianischen Innenverteidiger Jhon Lucumi im Kader haben wollte. Aufgrund der eingegangenen Angebote habe man von diesem Transfer jedoch letztlich Abstand genommen.

Vergleich mit De Rossi, Lob für Fakili und Sicht auf die Ausländerregelung
Taktisch hob der Trainer die Bedeutung von Salih Özcan hervor. Der Mittelfeldakteur erfülle eine ganz spezielle Rolle im System von Besiktas: „Wenn er spielt, ähnelt das System einem 4-3-3, weil er ein Spieler ist, der sich in die Abwehrreihe fallen lässt. Wie damals De Rossi bei der Roma.“ Lobende Worte fand der Coach zudem für Nachwuchstalent Ilhan Fakili, mit dessen Entwicklung er sehr zufrieden sei.
Mit Blick auf die Schiedsrichterdiskussionen in der Trendyol Süper Lig zeigte sich der Italiener erstaunt über die Schärfe der Debatten. Er kenne nicht alle Details der Hintergründe, sehe aber, dass die Vereine in der Türkei eine sehr harte Haltung gegenüber den Unparteiischen einnehmen. Er verwies darauf, dass man schließlich bereits Anthony Taylor verpflichtet habe, um die Schiedsrichter zu koordinieren.
Abschließend äußerte sich Vincenzo Italiano positiv zur Ausländerregelung im türkischen Fußball. Der Zwang zur Förderung einheimischer Akteure trage maßgeblich zur Entwicklung der Talente bei: „Wenn man verpflichtet ist, einen bestimmten Teil des Kaders mit jungen und einheimischen Spielern zu besetzen, beschleunigt sich auch die Entwicklung der einheimischen Spieler.“



