Die türkische Frauen-Volleyballnationalmannschaft hat sich zum zweiten Mal in der Geschichte den Titel in der FIVB Volleyball Nations League gesichert. Im hochklassigen Finale setzte sich das Team in einer dramatischen Partie mit 3:1 gegen Brasilien durch und krönte sich erneut zum Champion. Seit Einführung des Wettbewerbs im Jahr 2018 standen die „Sultaninnen des Netzes“ damit zum achten Mal in Folge in der Finalrunde. Unmittelbar nach dem Turnierende wurde die FIVB-Weltrangliste aktualisiert, in der die Türkinnen mit 388,35 Punkten weiterhin den dritten Platz hinter Spitzenreiter Italien (461,17 Punkte) und dem Finalgegner Brasilien (403,61 Punkte) behaupten. Die Plätze vier und fünf belegen die USA (363,57 Punkte) sowie Polen (338,37 Punkte). Neben dem Pokal spülte der Turniersieg auch ordentlich Geld in die Kassen: Für den Titel kassierte der Verband eine Prämie von einer Million US-Dollar, wozu sich weitere 85.500 US-Dollar für die neun Vorrundensiege sowie 12.750 US-Dollar für die drei Vorrundenniederlagen gesellten.
Daniele Santarelli kontert Kritik: „Braucht etwas mehr Ausgewogenheit“
Trotz des überragenden Erfolgs nutzte Cheftrainer Daniele Santarelli die Pressekonferenz nach dem Endspiel für eine emotionale und deutliche Ansage an seine Kritiker, die seine Rotationsentscheidungen in den ersten Turnierwochen bemängelt hatten. Wie der TV-Sender TRT Spor berichtet, forderte der Italiener mehr Respekt für die Leistung seines Teams ein.
„Eigentlich wollte ich das nicht sagen, aber ich habe das Gefühl, dass die Menschen sehr viel über mich, meine Entscheidungen und das, meyne Arbeit sprechen. Ich denke, dass meine Arbeit wirklich sehr schwierig ist. Ich versuche immer, die bestmögliche Entscheidung zu treffen. Manchmal treffe ich die richtige Entscheidung, manchmal kann ich auch eine falsche Entscheidung treffen. Aber ich versuche immer, das Beste für die Mannschaft und die Spielerinnen zu tun“, erklärte der Nationaltrainer mit Nachdruck. Der Coach verwies auf die positive Entwicklung im Turnierverlauf gegen Teams wie Kanada und betonte: „Am Ende haben wir eine weitere Goldmedaille gewonnen. Das ist ein riesiger Erfolg für den türkischen Volleyball. Wir halten uns kontinuierlich an der Spitze.“
Der beste Live-Sport an einem Ort – nur auf DAZN
Der Übungsleiter ging detailliert auf das Geschäft eines Cheftrainers ein und verteidigte seine ständigen Wechsel. „In der ersten Woche habe ich die Spielerinnen rotieren lassen und alle haben mich kritisiert. Aber ich bin mit meinen Entscheidungen sehr zufrieden. Für einen Trainer ist es völlig normal, hinter einer Spielerin zu stehen. Wenn sich diese Spielerin wieder fängt und anschließend sehr gut spielt, sagen alle: ‚Der Trainer hat hervorragende Arbeit geleistet.‘ Wenn sie sich aber nicht fängt, heißt es plötzlich: ‚Warum hat der Trainer sie nicht ausgewechselt?‘ Dann bin ich der Schuldige. Kritisieren ist immer einfach“, so Daniele Santarelli. Als Beispiel nannte er die Außenangreiferin Ilkin Aydin, die nach einem schwachen ersten Satz noch eine überragende Partie zeigte.
Abschließend fand der Erfolgs-Coach emotionale Worte für sein Wahlheimatland: „Ich liebe die Türkei wirklich sehr. Aber manchmal ist es wirklich sehr schwierig, die Türkei zu verstehen. Ich liebe dieses Land wirklich sehr, aber manchmal braucht es etwas mehr Ausgewogenheit. Denn das, was wir hier gemeinsam mit den Spielerinnen leisten, ist wirklich etwas Besonderes. Seit vier Jahren erreichen wir außergewöhnliche Dinge. Die Ergebnisse liegen auf dem Tisch. Zwei VNL-Titel und eine Europameisterschaft – all das steht fest. Die Ergebnisse sprechen für sich.“

MVP Melissa Vargas kassiert Zusatzprämie und blickt auf die EM
Überragende Akteurin des Finals war Ausnahmespielerin Melissa Vargas, die mit 33 Punkten im Endspiel glänzte. Die Angreiferin wurde folgerichtig zur wertvollsten Spielerin (MVP) des Turniers gewählt und erhielt hierfür ein persönliches Preisgeld von 30.000 US-Dollar. Trotz des Erfolgs richtete der Superstar den Blick sofort wieder nach vorne.
„Was soll ich sagen? Es war ein großes Spiel. Ich möchte mich bei unseren Fans für ihre Unterstützung herzlich bedanken. Auch bei der Europameisterschaft werden wir alles geben“, versprach Melissa Vargas. Auch Neuzugang Sinead Jack-Kisal, die ihren ersten großen Titel mit der Auswahl feierte, schwärmte: „Es ist ein unglaubliches Gefühl. Wir sind sehr glücklich, dass wir nicht nur für uns selbst, sondern für unser Land und unsere Mitbürger gewonnen haben. Ihr unterstützt uns unglaublich. Heute sind wir sehr, sehr glücklich.“

Gizem Örge beißt auf die Zähne – Baladın verliert die Stimme
Die defensive Stütze der Mannschaft, Libera Gizem Örge, offenbarte nach dem Spiel, dass sie den Sieg trotz gesundheitlicher Probleme errungen hatte. „Es war ein sehr schwieriges Spiel. Wir gratulieren auch Brasilien. Es war ein großartiges Finale. Ich habe trotz starker Schmerzen im Knie gespielt, aber ich möchte allen danken, die sich für diese Mannschaft eingesetzt haben. Wir haben bis zum Ende gekämpft. Wir wollten diesen Pokal noch einmal mit nach Hause nehmen und haben es geschafft“, stellte die Abwehrspezialistin erleichtert fest.
Auch Mittelblockerin Zehra Günes betonte die immense Nervenbelastung: „Es war ein Spiel mit enormer Anspannung. Es war sehr schwierig, weil Brasilien eine sehr gute Mannschaft ist. Wir wussten, dass wir bis zum letzten Ball kämpfen müssen. Ich vermisse meine Familie sehr. Aber jetzt kehren wir mit der Goldmedaille um den Hals in unser Land zurück – und ich glaube, mehr gibt es eigentlich nicht zu sagen.“ Nach drei bis vier Tagen Heimaturlaub beginne bereits wieder die Vorbereitung auf die Europameisterschaft.
Ebenfalls glücklich zeigte sich Außenangreiferin Hande Baladin, die gestand, ihre Stimme beim Feiern komplett verloren zu haben: „Fehler passieren natürlich. Aber um auf diesem Niveau spielen zu können, ist es wichtig, nach solchen Fehlern wieder zurück ins Spiel zu finden. Ich bin unglaublich glücklich und stolz. Ich möchte der Mannschaft danken. Wir haben niemals aufgegeben, waren in jedem Moment präsent und haben auf dem Feld gestrahlt.“ Die Angreiferin hob hervor, dass sich die gesamte Mannschaft von Tag zu Tag in der Finalrunde gesteigert habe.



1 Kommentar
2023 haben die „Sultaninnen des Netzes“ nach dem Gewinn des VNL-Titels auch die EM gewonnen und Platz 1 in der Weltrangliste erobert. Wir sind ready für den nächsten Run!🇹🇷🧿💪🏻🏐