Ambitionierte Ansage vor Marseille-Kracher: Vincenzo Italiano nennt Top-8 als Europa-League-Ziel
Vor dem mit Spannung erwarteten Auftaktmatch am ersten Spieltag der UEFA Europa League am heutigen Donnerstagabend um 21:00 Uhr (MEZ) empfängt Besiktas vor heimischer Kulisse im Tüpras Stadyumu den französischen Spitzenklub Olympique Marseille (zur Vorschau). Auf der Pressekonferenz im Trainingszentrum BJK Nevzat Demir Tesisleri äußerte sich Cheftrainer Vincenzo Italiano gewohnt gewillt und hob die Bedeutung des ersten Dells auf europäischer Bühne hervor. Der 48 Jahre alte Übungsleiter betonte, dass seine Mannschaft im Vergleich zu den vergangenen Wochen noch einmal eine Schippe drauflegen müsse, um gegen den hochkarätigen Kontrahenten zu bestehen.
„Wir müssen noch besser sein als in den vergangenen Spielen. Denn morgen spielen wir gegen eine wertvolle, gute und qualitativ starke Mannschaft, die über Europapokal-Erfahrung verfügt. Gleichzeitig haben sie einen sehr guten und sehr erfahrenen Trainer. Morgen wird es für uns schwierig. Deshalb müssen wir unser Bestes geben. Europa ist wirklich schwierig. Besonders unsere Gruppe ist sehr schwer. Wir müssen genauso weitermachen wie bisher. Wir müssen uns weiterentwickeln und in diesem Spiel noch besser sein als zuvor. Unser Spiel mit dem Ball muss gut sein. Wir dürfen dem Gegner keine Räume lassen“, forderte der Coach gewohnt akribisch. Wie aus seinen Ausführungen hervorging, blicke die gesamte Mannschaft fokussiert auf die richtungsweisende Partie, in der am Ende drei enorm wertvolle Punkte auf dem Spiel stünden.
Direktqualifikation im Visier und Personalsorgen um Leandro Trossard
Hinsichtlich der sportlichen Ambitionen in der neuen Ligaphase steckte der Cheftrainer klare Ziele für den weiteren Turnierverlauf ab. „Wir haben sehr hart dafür gearbeitet, in diese Liga zu kommen. Wir haben drei schwierige Runden überstanden. Jetzt liegen acht Spiele vor uns. In diesen acht Spielen müssen wir unser Bestes geben. Denn wir wollen die Gruppenphase überstehen. Hier zu sein, ist für uns ein Privileg. Wir müssen wie Besiktas auftreten. Wir müssen unsere Fans glücklich machen. Wir dürfen niemals aufgeben“, gab der Italiener zu Protokoll. Er verdeutlichte das exakte Anforderungsprofil: „Unser Ziel ist es, gute Ergebnisse zu erzielen und die Gruppenphase entweder unter den ersten Acht oder unter den ersten Vier abzuschließen. Wir wollen als Besiktas gute Arbeit leisten. Besiktas muss in jedem Wettbewerb und bei jedem Turnier, an dem der Klub nimmt, sein Bestes geben.“
Allerdings muss die Mannschaft beim Vorhaben, einen erfolgreichen Start hinzulegen, einen bitteren personellen Dämpfer verkraften. Leandro Trossard, der an einer Sehnenverletzung laboriert, verpasst das Aufeinandertreffen gegen den Ligue-1-Vertreter. „Deshalb ist er nicht zu 100 Prozent bereit. Aus diesem Grund wird er nicht bei uns sein, aber ich hoffe, dass er rechtzeitig für das Spiel gegen Amed Sportif Faaliyetler fit wird. Denn vor der Länderspielpause steht uns ein sehr schwieriges Auswärtsspiel bevor, und dass er nicht dabei sein kann, ist für uns ein großer Verlust. Deshalb sind wir traurig“, klärte Italiano auf. Zugleich stellte der Coach sein Team auf die kommenden Wochen ein, in denen man sich an einen Rhythmus von drei Partien pro Woche gewöhnen müsse, um das wahre Gesicht des Kaders zu zeigen.

Lobeshymne auf Amir Murillo und die Besiktas-Anhänger
Besondere Worte fand der Übungsleiter für seinen Defensivakteur Amir Murillo, der einst selbst das Trikot der Südfranzosen trug und im Januar zu den Schwarz-Weißen gewechselt war. Der Coach lobte den panamaischen Nationalspieler als erfahrenen, reifen und professionellen Profi, der sich nach seiner Teilnahme an der Weltmeisterschaft als unverzichtbare Stütze erwiesen habe. Bezüglich des Gegners zollte er Respekt, schätzte das Aufeinandertreffen jedoch unabhängig von der Liga-Form der Gäste ein: „Was Marseille betrifft: Die Liga ist eine Sache, Europa eine andere. Europa ist eine völlig andere Welt. Die Geschichten dort sind ganz anders. Marseille hat einen sehr bedeutenden und wichtigen Trainer. Sie haben einen Trainer, der bereits Erfahrung in Europa gesammelt hat und weiß, wie seine Mannschaft spielen und was sie tun muss. Sie haben auf jeder Position sehr talentierte Spieler. Marseille ist eine Mannschaft, die in Europa immer respektiert wird.“
Darüber hinaus schwärmte der Coach von der Kulisse auf den Rängen, die er als essenziellen Faktor ansieht. „Unsere Fans leben wirklich mit großer Liebe und sind diesen Farben leidenschaftlich verbunden. Wir wissen eigentlich, wie sie morgen sein werden. Wir wollen sie glücklich machen. Und um sie glücklich zu machen, müssen wir bis zum Ende arbeiten. Wir müssen kämpfen, unsere Stärke zeigen und ein gutes Ergebnis erzielen“, so der Trainer emotional. Er schloss seine Hommage mit den Worten: „Die Fans verdienen das Beste. Sie verdienen eine Mannschaft, die läuft, schwitzt und kämpft. Denn jedes Mal, wenn ich das Spielfeld betrete, bekomme ich eine Gänsehaut. Ich würde nicht lügen, wenn ich sage, dass sie unser zwölfter Mann sind.“

Amir Murillo kontert Harit-Aussage und blickt auf Marseille-Abschied zurück
Ebenfalls auf dem Podium im BJK Nevzat Demir Tesisleri vertrat Amir Murillo die Mannschaft und reagierte auf die Stichelei seines Ex-Teamkollegen Amine Harit, der behauptet hatte, die Atmosphäre in Marseille sei besser als in der Türkei. „Das ist seine persönliche Meinung. Aus seiner Sicht kann er damit recht haben, denn schließlich spielt er in diesem Stadion und ist Spieler dieses Klubs. Ich habe dort ebenfalls gespielt. Der einzige Unterschied besteht darin, dass das Stadion von Marseille etwas größer ist, aber die Leidenschaft und die Atmosphäre sind in beiden Stadien großartig“, konterte der 30 Jahre alte Außenverteidiger souverän.
Der Abwehrspieler, für den das Aufeinandertreffen eine besondere Note besitzt, blickte mit Vorfreude auf das Duell gegen die alte Liebe und ordnete den Ausgang nüchtern ein. „Bei einer Weltmeisterschaft zu spielen, ist etwas Besonderes. Denn jedes Kind träumt davon, bei einer Weltmeisterschaft zu spielen. Auch mein Land hatte zuvor noch nie an einer Weltmeisterschaft teilgenommen. Ich hatte zum ersten Mal die Chance, unser Land bei einer Weltmeisterschaft zu vertreten. Deshalb war das für mich wirklich etwas, das mich mit Stolz erfüllt hat. Aber gleichzeitig ist es für mich auch eine Ehre, Besiktas in Europa und dieses Land zu vertreten. Das ist wirklich ein Privileg. Wir haben bis jetzt sehr hart dafür gekämpft, in Europa dabei zu sein, und mehrere Runden überstanden. Auch morgen wollen wir ein gutes, positives Ergebnis erzielen. Wir wollen glücklich vom Platz gehen“, so der Ex-Marseille-Profi. Zu den Gründen für seinen Abgang aus Südfrankreich fand er klare Worte: „Ich denke, dass es am Ende ein Problem gab. Eigentlich hatte dieses Problem nichts mit dem Klub zu tun, sondern es gab ein Problem mit dem Trainer. Das war seine persönliche Entscheidung. Deshalb musste ich gehen.“

