Kerem Aktürkoglu: „Wir sind nicht nur hierhergekommen, um teilzunehmen, wir wollen erfolgreich sein“
Die heiße Vorbereitungsphase im US-Bundesstaat Arizona läuft auf Hochtouren, und die Ambitionen innerhalb der Auswahl könnten kaum größer sein. In einer offiziellen Medien-Pressekonferenz vor den versammelten Journalisten bezog türkische Nationalspieler Kerem Aktürkoglu unmissverständlich Stellung zum bevorstehenden globalen Großereignis. Nach einer langwierigen Durststrecke von über zwei Jahrzehnten meldet sich das Land im Konzert der ganz Großen zurück. Der 27-jährige Offensivakteur, der seine jüngste Verletzung glücklicherweise vollständig überstanden hat, sprach offen über die enorme Erwartungshaltung in der Heimat, seine neue taktische Rolle unter dem Nationaltrainer sowie die tiefe Verbundenheit innerhalb der Mannschaft.
Der Offensivakteur zeigte sich sichtlich erleichtert über seinen Fitnesszustand und lobte die Bedingungen vor Ort in den höchsten Tönen. Wie der Angreifer im Gespräch mit den Medienvertretern auf der Pressekonferenz betonte, laufe der aktuelle Vorbereitungsprozess abseits seiner überstandenen Blessuren absolut hervorragend. Man spüre im gesamten Betreuer- und Spielerstab die historische Dimension der kommenden Wochen. „Wir haben auch außerhalb des Feldes ein schönen Prozess im Trainingslager. Wir sind uns bewusst, da wir nach 24 Jahren an der Weltmeisterschaft teilnehmen, was unser Land von uns erwartet. Wir bereiten uns optimal auf das Turnier vor. Ich hoffe, dass wir alle ein großartiges Turnier für unser Land spielen“, erklärte der Profi mit glänzenden Augen. Als gefestigtes Kollektiv besitze man nun die einmalige Gelegenheit, die Landesfarben auf der größtmöglichen Bühne würdig zu repräsentieren. Die Vorfreude im Camp sei riesig, und die Mannschaft brenne regelrecht darauf, dass der Ball endlich rollt.

Der Kindheitstraum von 2002 und die Kraft von 85 Millionen Fans
Die emotionale Triebfeder für das Turnier liegt für den Leistungsträger tief in seiner eigenen Jugend verwurzelt. Als kleiner Junge erlebte er die legendären Auftritte der Generation rund um die Jahrtausendwende, die bis heute als Maßstab gelten. Viele jüngere Menschen im Land könnten sich an die damaligen historischen Partien verständlicherweise kaum noch aus eigener Erfahrung erinnern, weshalb es nun an der Zeit sei, eine völlig neue Ära zu prägen. Allein das Erreichen der Endrunde dürfe für eine stolze Fußballnation unter normalen Umständen keineswegs das Ende der Fahnenstange sein. Nach den vielversprechenden Auftritten bei der vergangenen Europameisterschaft habe die Mannschaft ein klares spielerisches Profil entwickelt, das von enormem Charakter und unbändigem Willen zeugt. Dank einer konstant starken Formkurve in den vergangenen Monaten reise man mit breiter Brust in die Vereinigten Staaten.
Dabei spiele es für den Erfolg überhaupt keine Rolle, welche elf Akteure letztendlich beim Anpfiff auf dem Rasen stehen. Der Zusammenhalt der gesamten Nation stehe über individuellen Eitelkeiten. „Wer auch immer spielt, wird die Unterstützung von 85 Millionen Fans hinter sich spüren. Ob ich es bin oder jemand anderes, das spielt keine Rolle, wir werden auf das Feld gehen, um bis zum Ende für unser Land zu kämpfen. Ich hoffe, dass uns das gelingt. Wir zeigen es der ganzen Welt“, so die kämpferische Ansage des Angreifers. Die bedingungslose Rückendeckung der treuen Anhänger im Rücken werde der Truppe in den entscheidenden Momenten die nötigen Prozentpunkte verleihen, um über sich hinauszuwachsen.

Flügelstürmer im Zentrum: Die taktische Metamorphose unter Montella
Ein besonders spannender Aspekt der aktuellen Ausrichtung ist die veränderte Positionierung des Fenerbahce-Profis. Während er den Großteil seiner Karriere auf der Außenbahn verbrachte und dort mit seiner Schnelligkeit für Furore sorgte, sieht seine Rolle im Nationaldress mittlerweile grundlegend anders aus. Seit der Amtsübernahme des italienischen Chefcoaches agiert er vermehrt im vordersten Angriffszentrum – ein Experiment, das sich als echter Glücksgriff erwiesen hat. Der Spieler selbst sieht in dieser Umstellung einen großen persönlichen und mannschaftlichen Mehrwert.
Er fühle sich in der vordersten Frontlinie pudelwohl und genieße das Vertrauen des Trainerstabs. „Normalerweise bin ich ein Flügelspieler. Ich komme im Sturm zum Einsatz, seitdem ich in der Nationalmannschaft unter Montella spiele. Darüber habe ich nichts zu beanstanden. Ich fühle mich sehr gut. Ich denke, das Team ist auch positiv eingestellt. Meine Position spielt keine Rolle, ich spiele, wo immer ich spielen soll. Ich fühle mich gut und wohl als Sturmspitze“, gab der Angreifer zu Protokoll. Das oberste Ziel sei es, dem Team mit Toren und Vorlagen zu helfen, wobei die eigene Positionierung sekundär sei, solange das Gesamtergebnis stimme.

Die Magie von Kosovo und eine gewachsene Kabinen-Synergie
Angesprochen auf seinen wichtigen Treffer im Qualifikationsspiel gegen den Kosovo erinnerte sich der Profi an eine amüsante Anekdote mit seinem Teamkollegen. In jener spielentscheidenden Sekunde sei er sich unsicher bezüglich einer möglichen Abseitsstellung gewesen, weshalb es direkt nach dem Tor zu einer kurzen Diskussion auf dem Platz kam. Er habe den Ball im Kampf um den Raum noch leicht touchiert, doch viel wichtiger als der persönliche Torerfolg sei das übergeordnete Ziel der WM-Teilnahme gewesen. Für Offensivkräfte sei es zwar immer ein schönes Gefühl, sich in die Torschützenliste einzutragen, doch der kollektive Erfolg stehe unumstößlich über allem.
Die aktuelle Harmonie innerhalb der Kabine beschrieb der Star als außergewöhnlich gut. Er sei nun bereits seit sechs Jahren Teil der Nationalmannschaft, doch insbesondere in den vergangenen zwei bis drei Jahren habe sich eine tiefgreifende, echte Freundschaft zwischen den Akteuren entwickelt, die er in dieser Form selten erlebt habe. Früher habe man als kleines Kind beim Kicken auf der Straße genau von diesen Momenten geträumt, im Nationaltrikot Großes zu erreichen. Dass dieser Traum nun Realität wird, erfülle alle mit Stolz, doch die bloße Teilnahme an der Endrunde dürfe den Ansprüchen des Landes einfach nicht genügen.
Klimatische Härteproteste und die Gewöhnung an Arizona
Die extremen äußeren Bedingungen im Südwesten der USA wurden im Vorfeld der Weltmeisterschaft in den Medien heiß diskutiert. Die drückende Hitze stellt die Athleten vor enorme physische Herausforderungen, doch Aktürkoglu wiegelte jegliche Alibis im Keim ab. Die klimatischen Voraussetzungen seien schließlich für jede teilnehmende Mannschaft exakt identisch. Zudem besitze er gemeinsam mit seinem Vereinskollegen bereits wertvolle Vorerfahrungen aus der jüngeren Vergangenheit.

Durch die letztjährige Teilnahme an der FIFA Klub-Weltmeisterschaft mit seinem Klub Benfica Lissabon habe man gemeinsam mit Mitspieler Orkun Kökcü bereits ähnliche Strapazen erfolgreich gemeistert. Auch wenn der aktuelle Trainingsort noch ein Stück wärmer als Miami sei, schätze man sich glücklich, dass alle drei Gruppenspiele in den kühleren Abendstunden angesetzt sind. Aus diesem Grund absolviere das Team die intensiven Einheiten strategisch in den Abendstunden, weshalb man sich bestens an die aktuellen Bedingungen gewöhnt habe.
Australien im Visier: Akribische Detailarbeit vor dem Gruppenauftakt
Dass die Mannschaft das Turnier mit einer fundamentalen Ernsthaftigkeit angeht, zeigt sich auch in der Vorbereitung auf den ersten Gruppengegner. Die taktischen Analysen für das wichtige Auftaktmatch gegen die australische Nationalmannschaft haben bereits begonnen. Man wolle von der ersten Sekunde an hellwach sein, um mit einem Erfolgserlebnis in die Gruppenphase zu starten und das harte Training der vergangenen Wochen in Zählbares umzumünzen.
Der Fokus liege darauf, den maximalen Ertrag aus der intensiven Vorbereitungsphase herauszuholen. „Wir sind nicht nur hierher gekommen, um mitzumachen, wir wollen Erfolg haben. Dafür haben wir ein geschäftiges Arbeitstempo. Ich hoffe, dass wir den Preis auf eine gute Art und Weise bekommen“, unterstrich der Offensivakteur die Marschroute. Lobende Worte fand er zudem für Toptalent Kenan Yildiz, dessen enorme fußballerische Qualität und Bedeutung für das Team unbestritten seien. Man brauche jeden einzelnen Spieler und dessen individuelle Stärken. Das Team sei jung, voller Potenzial und der Konkurrenzkampf so intensiv, dass es für den Trainer eine harte Aufgabe sein wird, die finale Startaufstellung zu benennen.
Das Benfica-Duo und der emotionale Showdown gegen die USA
Ein großer Pluspunkt im Gefüge der Nationalmannschaft ist das blinde Verständnis zwischen Aktürkoglu und Mittelfeldregisseur Orkun Kökcü. Beide blicken auf eine extrem kräftezehrende, aber gleichermaßen hocherfolgreiche Saison bei ihrem portugiesischen Spitzenverein Benfica zurück. Diese eingespielte Achse soll nun auch auf Nationalmannschaftsebene für Furore sorgen und die Erfolgsgeschichte der Europameisterschaft nahtlos fortführen. Die tiefe persönliche Wertschätzung für seinen kongenialen Partner hob der Stürmer nochmals explizit hervor.

Neben dem sportlichen Fokus zeigten sich die Spieler auch von den hervorragenden Hotel- und Trainingsanlagen in Arizona begeistert. Das anstehende Duell mit dem WM-Gastgeber, den USA, wirft bereits seine Schatten voraus. Zwar konnte man das vergangene Aufeinandertreffen in einem dramatischen Match knapp für sich entscheiden, doch als Turniersgastgeber werden die Amerikaner vor heimischer Kulisse ein völlig anderes Gesicht zeigen. Die türkische Auswahl zeichne sich von jeher dadurch aus, dass sie mit enormen Emotionen agiere, was auf dem Platz zu einer besonderen Stärke werden könne. Man wolle diesen hochemotionalen Kampf unbedingt gewinnen. Da die internationale Konkurrenz nach den jüngsten Erfolgen deutlich vorsichtiger agiere, sei man zu einem unangenehmen, hochgefährlichen Gegner gereift.
Das Geheimnis des Erfolgs: Die Video-Sitzungen von Vincenzo Montella
Zum Abschluss gewahrte der Angreifer einen tiefen Einblick in die tägliche Arbeitsweise des Trainerstabs rund um Chefcoach Vincenzo Montella. Der Italiener habe vom ersten Tag an eine extrem positive Aura in die Mannschaft eingebracht, was sich unmittelbar in den Leistungen auf dem Spielfeld widerspiegele und die Menschen in der Heimat glücklich mache. Der Schlüssel zu diesem Erfolg liege in einer geradezu peniblen Vorbereitung auf jeden einzelnen Kontrahenten.
Der taktische Ansatz des Fußballlehrers basiert auf maximaler Informationsdichte und akribischer Videoanalyse. „Der Trainer hat gerne viele Meetings. Da es sehr detailliert ist, analysiert er die Wettbewerber extrem. Manchmal langweilen wir uns als Fußballer, aber wir sind damit zufrieden. Wir haben alle Informationen über den Konkurrenten, dem wir auf dem Feld gegenüberstehen. Ich denke, es hat eine positive Wirkung auf uns“, verriet Aktürkoglu mit einem Schmunzeln. Dank dieser akribischen Detailarbeit gehe kein Spieler unvorbereitet in ein Match, was dem Team ein enormes Gefühl der Sicherheit für die bevorstehenden WM-Schlachten verleihe.


