Auf einer denkwürdigen Pressekonferenz hat Besiktas-Fußballdirektor Önder Özen die Bücher im spektakulären Transferpoker um Superstar Mohamed Salah vorerst geschlossen. Der Funktionär gab detaillierte Einblicke in die Drei-Phasen-Strategie der Schwarz-Weißen, sprach offen über gescheiterte Verhandlungen mit der Agence des Ägypters, zeigte großes Interesse an Dusan Vlahovic und kündigte zudem einen radikalen Kaderumbruch an. Nach den bereits getätigten Verpflichtungen von Kassoum Outtara, Leandro Trossard, Ilhan Fakili und Salih Özcan sei die erste Phase der Kaderplanung erfolgreich abgeschlossen worden.
Drei Gespräche geführt: Die Akte Mohamed Salah liegt vorerst auf Eis
Die Verpflichtung von Mohamed Salah war als globaler Coup eingeplant, bei dem der Klub im Vorfeld umfangreiche Machbarkeitsstudien bezüglich Trikotverkäufen und Auslandsvermarktung durchführte. Wie die Führungsebene bestätigt, kam es zu insgesamt drei direkten Gesprächsrunden. „Zweimal habe ich persönlich mit ihm gesprochen, um ihm unser Projekt und das Interesse zu erklären, das ihm hier entgegengebracht werden würde. Einmal hat unser Trainer Italiano mit ihm über taktische Themen gesprochen. Diese Phase verlief sehr reibungslos“, enthüllte Özen.
Ab dem 21. Juli gerieten die Verhandlungen jedoch komplett ins Stocken. „Sowohl der Informationsfluss wurde langsamer als auch auf finanzieller Seite kamen Forderungen auf, die den gesamten Prozess in eine Sackgasse führen konnten. Ich kann mir vorstellen, dass Salah möglicherweise gar nichts von dem weiß, was danach passiert ist. Ab dem Zeitpunkt, an dem es um die finanziellen Angelegenheiten ging, verlangsamte sich der Transferprozess.“

Der Fußballdirektor stellte unmissverständlich klar, dass der Verein seine Prinzipien nicht für populistische Entscheidungen opfern werde. „Ich denke, unser Präsident hat sich beim Salah-Transfer vom Verhandlungstisch erhoben, anstatt eine populistische Entscheidung zu treffen und dabei die Prinzipien des Vereins mit Füßen treten zu lassen. Dafür möchte ich ihm danken. Die Akte Salah liegt für uns vorerst auf Eis. Das Angebot von Besiktas liegt auf dem Tisch. Darüber hinaus wird es von uns kein weiteres Angebot geben. Wir haben beschlossen, uns von dem Punkt, an dem wir die Verhandlungen gestoppt haben, keinen Millimeter mehr zu bewegen.“ Sollte der Starspieler das Angebot nicht rechtzeitig annehmen, sei das Fenster rasch geschlossen, da der Klub nicht unbegrenzt warten könne.
Möglichkeit bei Dušan Vlahovic: Wiedervereinigung mit Trainer Italiano?
In den Fokus der Istanbuler rückt stattdessen ein anderer klangvoller Name: Der derzeit ablösefreie Serbe Dusan Vlahovic. Obwohl der Angreifer tendenziell einen Verbleib in den Top-5-Ligen Europas anstrebt, hofft Besiktas auf den Faktor Cheftrainer Italiano. „Sollte sich bei Vlahovic eine Gelegenheit ergeben, würden wir diese gerne nutzen. Er ist ein ehemaliger Spieler unseres Trainers und hat seine beste Phase beziehungsweise seine stärkste Saison unter ihm erlebt. In dieser Zeit erzielte er in 20 Spielen 21 Tore. Unser Trainer spricht gelegentlich mit ihm. Vlahovic besitzt großen Respekt und große Sympathie für ihn. Sicherlich besteht bei ihm auch der Wunsch, noch einmal mit ihm zusammenzuarbeiten“, erklärte Özen hoffnungsvoll zur Personalie des Stürmers.

Weitere Transferziele und scharfe Kritik an der Fan-Kultur
Für die verbleibenden Transferphasen bis zum 4. September plant die Klubführung noch gezielte Verstärkungen. Gesucht werden ein Spieler für den rechten Flügel, ein laufstarker Box-to-Box-Mittelfeldspieler, ein Verteidiger, ein U23-Talent sowie ein neuer Mittelstürmer. Zugleich nahm Önder Özen den eigenen Anhang in die Pflicht und nahm den heftig kritisierten Junior Olaitan in Schutz: „Was mit Olaitan gemacht wird, halte ich nicht für richtig. Wir müssen diese Kultur des öffentlichen Fertigmachens beenden. Sowohl im Training als auch in den Spielen gibt er sein Bestes.“
Zudem mahnte der Sportdirektor zur Besonnenheit auf dem Transfermarkt. „Suchen wir unsere Stars nicht außerhalb des Vereins. Der beste Mittelfeldspieler der Türkei trägt das Trikot von Besiktas. Er trägt die Nummer 10 und die Kapitänsbinde am Arm. Einen solchen Star haben wir bereits. Wir haben auch Trossard, Salih und den Torhüter der deutschen Nationalmannschaft, Nübel. Beşiktaş hat Stars – und weitere werden kommen. Der größte Star von Besiktas soll aber die Art und Weise sein, wie diese Mannschaft Fußball spielt“, betonte der Funktionär.
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Zahlreiche Abgänge stehen bevor – Klares Statement zur Ausländerregel
Neben potenziellen Neuzugängen kündigte die sportliche Leitung auch eine rigorose Kaderausdünnung an. Die Profis Jean Onana, Elan Ricardo und Joao Mario trainieren derzeit bereits getrennt von der Mannschaft. Auch mit Felix Uduokhai wird nicht mehr geplant: „Uduokhai haben wir mitgeteilt, dass wir nicht mit ihm weitermachen werden. Er hat diese Situation sehr professionell und besnommen aufgenommen. Es gibt Interessenten aus der Bundesliga.“ Zudem stehe Amir Hadziahmetovic vor einem Abgang, während Innenverteidiger Leo Pereira auf der Beobachtungsliste steht. Für Wilfred Ndidi liege zwar Interesse aus Saudi-Arabien vor, ein schriftliches Angebot fehle aber noch.
Abschließend erteilte Önder Özen jeglichen Diskussionen über eine Aufweichung der Ausländerregelung eine Absage: „Die Ausländerregel wurde bereits im vergangenen Jahr bekannt gegeben. Es ergibt für mich überhaupt keinen Sinn, über bestehende Regeln zu spekulieren. Man kann nicht gegen eine Regel protestieren, nur weil man selbst ein Problem mit seinen Verträgen hat. Alles andere wäre falsch und würde zu einem unfairen Wettbewerb führen. Auch wir sind Hüter dieser Regel.“



1 Kommentar
Von einem Söldner zum nächsten 😂