Krimi in Istanbul: Die „Sultans of the Net“ verteidigen den EM-Titel gegen Italien
Die türkische Frauen-Volleyballnationalmannschaft hat bei der CEV Trendyol Europameisterschaft 2026 ihren Titel erfolgreich verteidigt. Im Finale in der stimmungsvollen Sinan Erdem Sporthalle in Istanbul setzte sich die Auswahl von Cheftrainer Daniele Santarelli in einem Fünf-Satz-Krimi mit 3:2 (16:25, 25:22, 12:25, 25:21, 15:10) gegen Italien durch. Die Türkei ist damit nach dem historischen Ersttriumph von 2023 zum zweiten Mal in Folge Europameister. Neben dem Pokalsieg sicherte sich die Mannschaft durch die Goldmedaille zugleich das direkte Ticket für die Olympischen Spiele 2028 in Los Angeles. Jugend- und Sportminister Osman Askin Bak verfolgte den Triumph vor Ort gemeinsam mit dem Gouverneur von Istanbul, Davut Gül, und dem Verbandspräsidenten Mehmet Akif Üstündag.

Dramatischer Spielverlauf und fabelhaftes Comeback
Die Italienerinnen um Cheftrainer Julio Velasco dominierten den ersten Satz nach Belieben und sicherten sich den Durchgang dank starker Attacken von Paola Ogechi Egonu und Ekaterina Antropova deutlich mit 25:16. Im zweiten Abschnitt schlug die Türkei jedoch zurück: Nach einem Rückstand glichen die Gastgeberinnen durch Melissa Vargas zum 15:15 aus, ehe ein Block von Zehra Günes die Führung brachte und den Weg zum 25:22-Satzausgleich ebnete. Italien antwortete im dritten Durchgang mit einer Machtdemonstration und entschied diesen mit 25:12 für sich. Angetrieben vom Publikum in der Halle bewiesen die „Sultans of the Net“ im vierten Satz Moral. Eine Galavorstellung von Eda Erdem Dündar und Melissa Vargas erzwang mit einem 25:21 den Tiebreak. Den Entscheidungssatz dominierten die Türkinnen von Beginn an: Starke Aufschlagserien von Elif Sahin und Punktgewinne durch Zehra Günes führten zum entscheidenden 15:10-Erfolg im 122 Minuten dauernden Endspiel.

Individualauszeichnungen und MVP-Körung für Melissa Vargas
Bei der anschließenden Siegerehrung überreichte CEV-Präsident Roko Sikiric Kapitänin Eda Erdem Dündar die Trophäe. Die Türkei stellte zudem den Großteil des All-Star-Teams des Turniers: Melissa Vargas wurde nicht nur als beste Diagonalangreiferin, sondern auch als wertvollste Spielerin (MVP) ausgezeichnet. Zudem erhielten Gizem Örge (Beste Libera), Zehra Günes (Beste Mittelblockerin) und Derya Cebecioğlu (Beste Außenangreiferin) persönliche Auszeichnungen. Als All-Star-Cheftrainer wurde Daniele Santarelli prämiert. Italien war mit Alessia Orro (Beste Zuspielerin) und Myriam Fatime Sylla (Beste Außenangreiferin) im Star-Aufgebot vertreten, während Hena Kurtagic aus Serbien als weitere beste Mittelblockerin geehrt wurde.

Beste Diagonalangreiferin: Melissa Vargas
Beste Zuspielerin: Alessia Orro
Beste Libera: Gizem Örge
Beste Mittelblockerin: Hena Kurtagic
Beste Mittelblockerin: Zehra Günes
Beste Außenangreiferin: Myriam Fatime Sylla
Beste Außenangreiferin: Derya Cebecioglu
All-Star-Cheftrainer: Daniele Santarelli
Wertvollste Spielerin (MVP): Melissa Vargas

Daniele Santarelli stolz: „Haben Unglaubliches geleistet“
Nationaltrainer Daniele Santarelli sparte nach der Pokalübergabe nicht mit Lob für seine Mannschaft und analysierte den Schlüssel zum Sieg im vierten Durchgang. „Wir haben gegen eine der besten Mannschaften der Welt einen großartigen Kampf geliefert. Wir müssen stolz auf uns selbst, auf unsere Mannschaft und auf unsere Arbeit sein. Der Sommer ist auf unglaubliche Weise genau so zu Ende gegangen, wie wir es uns gewünscht haben. Den vierten Satz habe ich mit Saliha begonnen, um die Annahme zu stabilisieren. Unsere Spielerinnen haben im vierten Satz Unglaubliches geleistet“, schwärmte der Italiener. Angesprochen auf die besondere Konstellation gegen sein Heimatland betonte er stellvertretend für das gesamte Team: „Ich bin Italiener, aber ich gebe meine gesamte Energie für die Türkei. Ich liebe dieses Land und die Menschen dieses Landes sehr. Ich muss nicht beweisen, was ich für dieses Land getan habe, aber ich denke, jeder dürfte es gesehen haben.“

Spielführerin Eda Erdem dankt den Fans
Kapitänin Eda Erdem Dündar hob nach dem emotionalen Erfolg vor allem die Moral im Kader und die Atmosphäre auf den Rängen hervor. „Als Team haben wir alle Ziele erreicht, die wir uns zu Beginn des Sommers gesetzt hatten. Wir haben in einer großartigen Atmosphäre gespielt. Auch wenn wir phasenweise nachgelassen haben, kann ich sagen, dass uns die Unterstützung der Zuschauer und ihr Glaube an uns wieder ins Spiel zurückgebracht haben. Wir sind gegen Italien nach einem 1:2-Rückstand zurückgekommen und haben die Partie mit 3:2 gewonnen“, gab die erfahrene Führungsspielerin zu Protokoll. Ein Sonderlob zollte sie der Matchwinnerin: „Vargas ist eine sehr gute Spielerin und eine großartige Teamkollegin. Sie hat ihr Herz auf dem Feld gelassen und wir versuchen immer, sie bestmöglich zu unterstützen.“ Außenangreiferin Saliha Sahin ergänzte glücklich: „Dass wir diesen Titel in unserem eigenen Land gewonnen haben, macht uns noch einmal besonders stolz. Wir wussten, dass es sehr schwierig werden würde, aber wir sind unserer Taktik treu geblieben und haben gemeinsam mit unseren Zuschauern gewonnen.“

Spielinformation
Halle: Sinan Erdem
Schiedsrichter: Vladimir Simonovic (Schweiz), Theodora Kyriopoulou (Griechenland)
Italien: Alessia Orro, Paola Ogechi Egonu, Ekaterina Antropova, Myriam Fatime Sylla, Sarah Luisa Fahr, Anna Danesi, Eleonora Fersino (L), (Ilaria Spirito, Carlotta Cambi, Merit Chinenyenwa Adigwe, Gaia Giovannini)
Cheftrainer: Julio Velasco
Türkei: Eda Erdem Dündar, Elif Sahin, Melissa Vargas, Hande Baladin, Ilkin Aydın, Zehra Günes, Gizem Örge (L), (Saliha Sahin, Eylül Akarcesme Yatgın (L), Derya Cebecioglu, Cansu Özbay, Yaprak Erkek)
Cheftrainer: Daniele Santarelli
Sätze: 25:16, 22:25, 25:12, 21:25, 10:15
Spieldauer: 122 Minuten (21, 29, 24, 30, 18)

