Die Enttäuschung ist groß – aber die WM ist noch lange nicht vorbei
Das hatte sich die türkische Fußball-Anhängerschaft nach 24 Jahren Wartezeit anders vorgestellt. Zum Auftakt der Weltmeisterschaft 2026 verlor die sogenannte neue „Goldene Generation“ der Türkei mit 0:2 gegen Australien. Der enorme Hype um Arda Güler, Kenan Yildiz, Hakan Calhanoglu, Orkun Kökcü und Co. wich maximaler Ernüchterung. Ein emotionaler Rückschlag, neigen wir Türken doch dazu, Erfolge mit extremer Euphorie zu feiern und Rückschlägen mit kolossaler Katastrophenstimmung zu begegnen.
Doch was alle bei dieser Achterbahnfahrt der Gefühle schnell vergessen, ist der Umstand, dass auch die frühere „Goldene Generation“ von 2002, wenn man so will das türkische „Dream Team 1“, damals vor ihrem legendären Lauf und dem sensationellen dritten WM-Platz mit einer Niederlage startete. Anders als damals kommen dieses Mal nicht nur die Gruppenersten und Zweiten weiter, sondern auch die besten acht Gruppendritten.
Daher heißt es jetzt, sich zu sammeln, den Mund abzuwischen, die Ärmel hochzukrempeln und konzentriert sowie diszipliniert weiterzuarbeiten. Nach dem Spiel ist vor dem Spiel, und Erfolge von heute lassen Pleiten von gestern rasch vergessen. Also abhaken und die Niederlage gegen die „Socceroos“ akribisch analysieren. Also woran lag es, dass die türkische Elf gegen das Team aus Down Under verloren hat?

Australien blieb seinem Matchplan kompromisslos treu
Taktisch und spielerisch begann die Begegnung, wie es die meisten wohl erwartet haben. Dominanter Ballbesitz der Türkei, tief stehende und kompakt verteidigende Australier, die auf Kontergelegenheiten lauern. Es zeigte sich jedoch schnell, dass Talent und Qualität allein gegen eine WM-erfahrene und eingespielte australische Mannschaft, die auf Teamleistung statt individuelle Klasse setzt, nicht reichen. Das Team von Trainer Tony Popovic zeigte über 90 Minuten hinweg eine disziplinierte Vorstellung und wich nicht eine einzige Minute vom Matchplan ab.
Bei den Türken kristallisierten sich jedoch mehrere Dinge in den ersten 15 bis 20 Minuten massiv heraus. Schauen wir uns das einmal genauer an.
- Baris Alper Yilmaz auf dem linken Flügel war ein Komplettausfall. Entweder dribbelte er sich an der Abwehr, die oft doppelte, fest, vertändelte den Ball oder flankte pausenlos auf den hilflosen Kerem Aktürkoglu in die Strafraummitte, wo die hochgewachsenen Australier mit einem „müden Lächeln auf den Lippen“ die Kugel problemlos aus der „Gefahrenzone“ wegköpften. Die Partie schrie schon in der Anfangsphase nach Kenan Yildiz links für Yilmaz und rechts nach Yunus Akgün, also Akteuren, die sich auf engstem Raum auch gegen mehrere Gegenspieler durchsetzen und durchdribbeln können. Es kam zu diesen Wechseln, aber sie kamen deutlich zu spät. Vielleicht wollte Montella Yilmaz durch eine so frühe Auswechslung im Turnier nicht demoralisieren und hat daher bis zur Halbzeit gewartet.
- Wie schon angedeutet, fehlte es an durchsetzungsstarken Außenspielern gegen diese breit aufgestellte, athletische und physisch dominante Verteidigung der Australier. Während Yilmaz links unterging, probierte es die Türkei überhaupt nicht über rechts und wenn, über Rechtsverteidiger Zeki Celik, denn es fehlte ein Rechtsaußen, der für Gefahr sowie Mismatches sorgte und die gegnerische Defensive mal aus der Balance brachte.
- Die Türkei verfügt über keinen „Knipser“. Schon im WM-Check über die einzelnen Mannschaftsteile der Türkei hatte ich explizit darauf hingewiesen, dass das größte Defizit der Türkei das Fehlen eines klassischen, körperlich robusten Mittelstürmers mit Kopfball- und Abschlussstärke à la Erling Haaland, Harry Kane, Victor Osimhen oder Robert Lewandowski ist. Gegen die Australier bekam die Türkei das bitter zu spüren. Den Ball hoch in den Strafraum zu spielen, war dabei mehr Verzweiflung als ein kluger Schachzug.
- Man hätte gegen Australien Kerem Aktürkoglu hinter die Spitze ziehen, Yildiz auf links, Akgün auf rechts und Deniz Gül oder Can Uzun vorne einsetzen können – für mehr schnelles Passspiel am Boden sowie Eins-gegen-eins-Dribblings. Jedoch war Yildiz zuvor verletzt, und Montella vertraute dieser taktischen Option vorerst wohl nicht und wandte sich dieser Variante erst im Verlauf der Partie in etwa 75 Prozent zu, doch da war es bereits zu spät. Die Einwechslungen von Yildiz und Akgün deuteten an, wie es von Beginn an besser hätte laufen können.
- Ein weiteres Problem war die Einfachheit, mit der die türkische Defensive vor gravierende Probleme gestellt wurde. Schnelle und lange Bälle hinter die Abwehr. Vor allem Merih Demiral sah mehrmals gegen die pfeilschnellen und quirligen Gegenspieler schlecht aus. So auch beim ersten Gegentor. Nestory Irankunda legte den Ball mit einem kleinen Kontakt kurz nach rechts und konnte dann mühelos abziehen, um die Führung zu erzielen. Hier hätte Demiral, rein von der Spiellogik her, den Raum nach innen dicht machen und Irankunda nach außen zwingen müssen, denn es war klar, dass ein behäbiger Spieler wie Demiral gegen spritzige Gegenspieler Probleme haben wird. Dieses Szenario wiederholte sich mehrfach, auch mit seinem Nebenmann Abdülkerim Bardakci. Auch Ugurcan Cakir erwischte nicht seinen besten Tag.
- Die Türken tun sich traditionell schwer gegen Teams, die extrem defensiv agieren, hinten dicht machen, kopfballstark sind und schnelle Konter fahren. Genau diese wenigen Dinge machte Australien goldrichtig, während die Türkei von diesem bekannten Szenario abermals überrascht wurde und nicht die richtigen Antworten parat hatte bzw. nicht mit den möglichen Waffen begann.
- Der Abschluss. Es fehlte der Türkei an der nötigen Präzision und, seien wir fair, auch an etwas Glück. Bei der einen oder anderen Position hätte der Ball reingehen oder vor den Füßen der „Milli Takim“-Spieler landen können statt beim Gegner. Dies ändert jedoch nichts an der Tatsache, dass die Türkei es mit diversen Distanzschüssen probierte, was bei solch einem defensiven Kontrahenten absolut legitim und auch sinnvoll ist oder sein kann. Aber die Genauigkeit der Schüsse ist mehr als nur ausbaufähig. Diese Schüsse müssen das Tor finden, denn selbst wenn die Kugel nicht direkt reingeht, kann es zu Abprallern und zweiten gefährlichen Chancen kommen. Und so war es auch. ABER: Ich rate allen, sich das Spiel noch einmal anzuschauen und die Zahl der türkischen Schüsse zu zählen, die deutlich über oder neben das gegnerische Gehäuse gingen. Die Anzahl dürfte negativ überraschen.

Es gab trotz der Niederlage auch positive Erkenntnisse
So, dies waren etliche Faktoren, die man als Grundlage für die Niederlage gegen Australien beleuchten muss. Doch war alles schlecht im türkischen Spiel? Nein, und darum sollte man auch nicht den Kopf hängen lassen, dies gilt besonders für unsere teils „überemotionalen“ türkischen Fans. Die Türkei verfügt über genügend Qualitäten.
Das Team gab nicht auf und versuchte es ununterbrochen. Die Türkei zeigte ein solides Passspiel, setzte sich im Spielverlauf gut in der australischen Hälfte fest. Zugegeben, die „Socceroos“ ließen die Türken auch kommen und gewähren, aber die türkische Elf zeigte gutes Pressing, holte sich die zweiten Bälle immer häufiger und war konditionell auf einem vielversprechenden Niveau. Darauf lässt sich aufbauen.
Alle wissen: Hätte die Türkei den Führungstreffer erzielt oder wäre ein Ball zum Ausgleich gefallen, wäre es eine andere Partie geworden, wenn die Australier hätten aufmachen müssen.
Jetzt zählt nur noch Paraguay
An Einsatz und professionellem Auftreten lag es auch nicht. Das ist ein Turnier, und jedes Spiel hat seine eigene Geschichte. Jetzt muss man dieses Kapitel schließen und ein neues gegen Paraguay aufschlagen. Womöglich muss sich Montella von einigen Match-Marotten und Gewohnheiten – insbesondere was einige Spieler und ihre Positionen wie Yilmaz, Aktürkoglu oder Demiral betrifft – bei Bedarf, abhängig vom Gegner, verabschieden und flexibler sowie taktisch mutiger agieren.
Aber auch das hat die Türkei in der jüngeren Vergangenheit geschafft. Vergessen wir nicht: Es waren dieser Trainer und diese Mannschaft, die eine erfolgreiche EM-Qualifikation und eine starke EURO 2024 gespielt haben, erstmals den Aufstieg in die UEFA Nations League A erreichten und nach 24 Jahren wieder das WM-Ticket lösten.
Und wie besagt ein „altes türkisches Sprichwort“ noch einmal: „Es ist erst vorbei, wenn die Türken sagen, es ist vorbei.“


5 Kommentare
Ich habe das vorhin bereits in einem anderen Artikel niedergeschrieben.
Montella ist ganz alleine Schuld als Trainer für unsere Niederlage, da gehe ich mit Takko mit.
Alleine die Spielformation , die wir real gespielt haben im Vergleich zum Papier ist auch der Gipfel
der Inkompetenz von Montella.
Eine auf dem Papier geführte Grundformation 4-2-3-1 ist von Anfang an eine 4-2-4-0 mit falscher 9.
Aus dieser wurde ab der ersten Minute ein 4-1-5-0.
Daher ist der Raum zwischen dem Mittelfeld und der Abwehrkette bei uns löchrig und folgerichtig sind wir konteranfällig. So sind dann auch die Gegentore gefallen.
Vorne agieren wir planlos und verlassen uns zu sehr auf Dribblings aka Kenan Yildiz, der auch mal gerne nach innen zieht wie auch von der echten Seite von Akgün. Diese Spieler können zwar im engsten Raum den Ball jonglieren, jedoch sind die Abnehmer in der Zentrale beinahe nicht vorhanden. Bekommt ein Aktürkoglu mal eine Chance vergeigt er amateurhaft. Uns fehlt ein robuster, großer Stürmer vorne.
Gegen die 5er-Kette hätte man den Gegner auch mal spielen lassen müssen, damit wir eigentlich unsere Stärke ausspielen können. Da ist unsere Stärke in dem System, das flache , schnelle Umschaltspiel.
Eine Erkenntnis noch
Wir brauchen unbedingt eine Absicherung gegen konterangriffe.
Der freie Raum der aktuell geschaffen wird ist eine Einladung für den Gegner.
Ich behaupte mal eine Türkei mit der Grundordnung 3-5-2 im Angriff und 5-3-2 in der Verteidigung wäre optimaler, weil wir für die außenbahnen die Qualität haben aka Ferdi links und Zeki Celik rechts.
Den beiden Akteuren traue ich es zu die Außenbahnen vor und zurück zu laufen.
Nur die Absicherung in der Zentrale müsste noch dazu angepasst werden.
Merih kafasında futbolu bırakmış, zaten Tiktokcu olmuş. Warum spielst du nicht mit einem jungen formstarken Bundesliga-Spieler (Ozan), der auch in der Vorbereitung überzeugt hat?
Wenn du bei einem Süper-Lig Verein (egal welcher!) kein unumstrittener Leistungsträger bist, dann gehörst du nicht in die erste Elf bei einer WM. Was haben Ismail und Kerem da verloren? Fener’lilerin bile kendi takımında görmek istemedi Futbolcunun ne işi var bizim ilk onbirde?
Heute hat man gesehen, welcher Real-Spieler Weltklasse ist (Vini) und welcher ein Balon ist (Lionel Balon).
Montella hat bodenlose scheiße gecoached. Was eine rotz Aufstellung. Yüksek würde nicht mal bei Curacao spielen so kacke ist er. Er kann nichts. Baris ist ein stinkender Haufen Kacke. Und dass er gegen Australier die im schnitt 2 Meter groß sind Kerem Aktürkoglu als 9 aufstellt und dann Flanken auf ihn schlagen lässt ist geisteskrank. Taktikfuchs Montella. Kein Yildiz, Uzun oder Gül. Dann wechselt er Yildiz ein und anstatt ihn auf den Sturm zu stellen um die Physis der Australier zumindest etwas zu matchen lässt er ihn aufn Flügel und Aktürkoglu immernoch im Sturm wo er irgendwelche Kopfballduelle gegen fucking Hulk führen muss. Die Spitze war dass er Müldür und Öczan einwechselt. Was findet Montella an diesen ganzen Fußball terroristen? Yüksek, Özcan…
Turnier ist gelaufen alles am arsch das ist em 21 reloaded es hat sich nichts geändert die em 24 war ein Ausrutscher