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    Vom Underdog zum Bosporus: Besiktas-Trainer Vincenzo Italiano im Porträt 

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Home»Besiktas»Vom Underdog zum Bosporus: Besiktas-Trainer Vincenzo Italiano im Porträt 
Besiktas 10. Juni 2026

Vom Underdog zum Bosporus: Besiktas-Trainer Vincenzo Italiano im Porträt 

Von Gazetefutbol05 Minuten Lesezeit
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Foto: IHA

Istanbul, 6. Juni 2026. Mit dem charakteristischen Enthusiasmus eines Mannes, der bereits mehrfach Unmögliches möglich gemacht hat, landete Vincenzo Italiano in der türkischen Metropole Istanbul. Der 48-jährige Italiener ist der neue Cheftrainer von Besiktas. Doch was macht den neuen Coach der schwarzen Adler aus und welche Spielidee bringt er mit? Sascha Baharian als Experte von Kickfieber.de hat eine ausführliche Analyse zum im deutschen Karlsruhe geborenen italienischen Übungsleiter erstellt und die Besonderheiten von Italiano beleuchtet.

Mit einem Vertrag bis 2028 und einem attraktiven Gehaltspaket hat sich einer der aufstrebenden Trainer der italienischen Schule dem türkischen Fußball verschrieben – und damit ein neues Kapitel in einer bemerkenswerten Karriere aufgeschlagen. Italien genießt aktuell nicht mehr das hochrangige Ansehen in Europas Elite, Italiano hingegen könnte als moderner Taktiker dem nun entgegenwirken.

Damit wird der ehemalige FC Bologna-Coach der fünfte italienische Fußballlehrer in der Historie des Vereins nach Legenden wie Giuseppe Meazza (1948), Sandro Puppo (1953-54, 1960-61), Leandro Remondili (1957-58) und den in Dortmund bestens bekannten Nevio Scala (2000-01).

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Karlsruhe, Sizilien & Schlafstörungen 

Geboren am 10. Dezember 1977 in Karlsruhe als Sohn sizilianischer Eltern aus Ribera, kehrte Italiano bereits als Säugling nach Italien zurück. Seine Spielerkarriere als dynamischer, passstarker Mittelfeldspieler führte ihn vor allem zu Hellas Verona und Chievo, wo er zwischen Serie A und B pendelte und Titel in der zweiten Liga holte. Der vielseitige „Regista“ mit Einflüssen von Pirlo und Albertini beendete seine aktive Laufbahn 2014 bei Lumezzane. Doch erst als Trainer sollte er seinen wahren Fußabdruck hinterlassen.

Der Aufstieg begann in den Niederungen des italienischen Amateurbereichs. Über Vigontina und Arzignano Chiampo führte der Weg 2018/19 nach Sizilien zu Trapani, wo er den Aufstieg in die Serie B schaffte. Bei Spezia gelang ihm 2020 das historische Kunststück: Erster Aufstieg der Klubgeschichte in die Serie A – und der sofortige Klassenerhalt.

„Alle hatten uns als Abstiegskandidaten gesehen. Und was haben wir gemacht? Etwas Außergewöhnliches. Aber in diesem Job darfst du dich nicht auf deinen Lorbeeren ausruhen. Ich kann viele Dinge nicht genießen – ich schlafe nachts schlecht. Vielleicht ist das mein Erfolgsgeheimnis: das und der Glaube an dich selbst“, verriet Italiano nach der Sensation. 

Die Fiorentina erkannte das Potenzial und holte ihn 2021. Dort formte Italiano die „Viola“ zu einem europäischen Dauerbrenner: Drei Europapokal-Qualifikationen in Folge, zwei Conference-League-Finals (2023 und 2024) und ein Coppa-Italia-Finale. Die Titel fehlten, doch der Stil beeindruckte und ließ ganz Italien aufhorchen. Topklubs wie Milan, Juve oder Neapel wurden wiederholt mit ihm in Verbindung gebracht, doch eine Verpflichtung kam nicht zu Stande.

Foto: IHA

Coppa-Italia-Sieg mit Bologna 

2024 folgte schließlich der etwas überraschende Wechsel zum damaligen sensationellen Champions League-Teilnehmer Bologna, da Erfolgstrainer Thiago Motta zu Juventus ging. Italiano trat ein schweres Erbe an, da die Mannschaft schwerwiegende Abgänge wie die von Abwehrchef Riccardo Calafiori (ging zu Arsenal) verkraften musste.

Dennoch führte er in seiner Amtszeit die Rossoblù zum ersten Coppa-Italia-Titel seit 51 Jahren (2025) – ein weiterer Meilenstein für einen Trainer, der mit begrenzten Mitteln oft überdurchschnittliche Ergebnisse erzielt. Darüber hinaus sorgte er dafür, dass die Rossoblú in der „Königsklasse“ sich teuer verkauften. Im Mai 2026 endete die Zusammenarbeit einvernehmlich. Nur Tage später schlug Besiktas zu, und nahm damit der SSC Neapel ihre B-Lösung für Massimiliano Allegri. Denn dieser befindet sich mit dem AC Milan in rechtlichen Streitigkeiten und kann daher noch bei keinem neuen Verein unterschreiben.

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Ein Trainer mit klarer Handschrift 

Italiano gilt als pragmatischer Offensivdenker. Seine bevorzugte Formation ist das 4-2-3-1 oder 4-3-3. Er verlangt hohes Pressing, eine aggressive, arbeitsame Mannschaft, häufige Positionsübergaben und ein schnelles Umschaltspiel. Alle Spieler sollen am Spielaufbau beteiligt sein, weshalb gerade in der Spieleröffnung häufig rotiert wird – eine Philosophie, die an Milans Trainerlegende Arrigo Sacchi erinnert, kombiniert mit modernen Einflüssen von Guardiola, Klopp oder Sarri.

„Ich bin sehr glücklich, zu diesem großen Klub gekommen zu sein. Ich will, dass die Mannschaft leidenschaftlich ist, Ballbesitz hat und offensiv spielt. Unser Ziel ist es, um die Spitze mitzuspielen“, betonte Italiano bei seiner Vorstellung bei Besiktas. 

Kritiker werfen ihm gelegentlich eine defensive Verwundbarkeit vor, da seine Spielidee für den ein oder anderen Spieler zu komplex sein kann – doch seine Teams sind selten langweilig, immer schwer zu bespielen und wiederkehrend für eine Überraschung gut.

In der Türkei trifft er auf einen Traditionsklub mit hohen Erwartungen. Besiktas, einer der „Großen Drei“ Istanbuls, sucht nach Stabilität und europäischer Präsenz. Der italienische Coach bringt nicht nur taktische Finesse mit, sondern auch die Erfahrung, aus mittelmäßigen Kadern mehr herauszuholen. Kollegen wie Nationaltrainer Vincenzo Montella loben ihn nicht nur als guten Trainer, sondern auch als charakterstarken Menschen.

„Vincenzo Italiano ist ein sehr guter Trainer und ein toller Mensch. Ich bin sehr glücklich für ihn. […] Als es das Erdbeben in Adana gab, hat er die größte Spende geleistet. Er ist mein Freund, und ich kann jedem versichern: Er ist sowohl ein sehr guter Coach als auch ein guter Mensch.“ 

Foto: IHA

Italien bot ihm keine Perspektive 

Für Italiano ist der Sprung in die Trenyol Süper Lig eine logische Weiterentwicklung, zumal ihm die Serie A keine Perspektive bei einem Topklub bieten konnte. Nach den intensiven Jahren in Italiens höchster Spielklasse sucht er neue Herausforderungen in einem leidenschaftlichen, emotionalen Umfeld. Die türkischen Fans, bekannt für ihre Hingabe, dürften seine intensive, offensive Spielweise schätzen.

Italiano wird oft als „einer der am meisten unterschätzten Trainer Europas“ bezeichnet – ein pragmatischer Offensivdenker, der aus begrenzten Kadern überdurchschnittliche Leistungen herausholt und unangenehme Mannschaften formt. Der Italiener ist leidenschaftlich, detailverliebt, menschlich und mit klarer offensiver Handschrift – perfekt für die emotionale Atmosphäre bei Besiktas.

Ob Vincenzo Italiano bei Besiktas den ersehnten Meistertitel oder europäische Erfolge holen kann, bleibt abzuwarten. Eines ist jedoch sicher: Der Mann aus Karlsruhe respektive Sizilien wird auch am Bosporus mit Leidenschaft, klaren Ideen und unermüdlichem Einsatz arbeiten – so, wie er es seit Beginn seiner Trainerlaufbahn getan hat. Der türkische Fußball hat einen spannenden neuen Protagonisten bekommen, der die Süper Lig auf den Kopf stellen könnte…

Besiktas Vincenzo Italiano
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