Nach seinen zwei beeindruckenden Titeln in der Superbike-Weltmeisterschaft (WSBK) wagt der türkische Motorsport-Star Toprak Razgatlioglu mit dem Werksteam von Yamaha den Schritt in die „Königsklasse“ des Motorradsports. In seiner Premieren-Saison in der MotoGP sammelte der Nationalfahrer bislang insgesamt zwölf Punkte – darunter Zähler beim Großen Preis der USA (1 Punkt), dem Großen Preis von Frankreich (3 Punkte), dem Großen Preis von Ungarn (5 Punkte), dem Großen Preis von Tschechien (2 Punkte) und dem Großen Preis von Deutschland (1 Punkt). Mit diesen Resultaten rangiert der Pilot derzeit auf Rang 21 der Gesamtwertung. In einem ausführlichen Interview zog der Ausnahmekönner nun eine Zwischenbilanz und ordnete die aktuellen Resultate realistisch ein.
Eingewöhnungsphase in der Königsklasse: Lernjahr mit Blick auf 2027
Im Gespräch mit der Nachrichtenagentur IHA räumte Toprak Razgatlioglu offen ein, dass die bisherige Ausbeute seinen eigenen Erwartungen noch nicht vollkommen entspricht, dem neuen Projekt jedoch zwingend Geduld zugestanden werden müsse. „Wir befinden uns in der MotoGP derzeit noch in der Eingewöhnungsphase. Unser eigentliches Ziel, für Aufsehen zu sorgen, ist das Jahr 2027. Das Jahr 2026 sollte für mich ein Lernjahr werden. Da ich in der WSBK ein Fahrer war, der Rennen gewonnen hat, ist es für uns wirklich schwierig, in der MotoGP auf den Plätzen 15, 13 oder 11 ins Ziel zu kommen. Das waren nicht die Ergebnisse, die wir erwartet hatten“, gestand der Champion offen ein. Er ergänzte, dass das Arbeitsgerät noch Zeit benötige: „Unser Ziel war es, weiter vorne mitzufahren. Diese Saison ist jedoch ein Lernjahr, und wir geben unser Bestes. Das Motorrad, das wir derzeit fahren, befindet sich noch nicht auf dem Niveau, das wir uns wünschen. Unser Ziel ist ein Platz unter den ersten fünf, aber im Moment scheint das noch weit entfernt. Sollte Yamaha bis zum Saisonende deutliche Fortschritte machen, könnten wir diesem Ziel näherkommen. Es stehen noch elf Rennen aus – wir werden sehen.“

Große technische Umstellung zwischen WSBK und MotoGP
Besonders die gravierenden Unterschiede im Reglement und am Material machen dem Umsteiger zu schaffen. Die völlig veränderten Bikes sowie die Reifen verlangen eine grundlegende Anpassung des Fahrstils. „Zwischen der MotoGP und der WSBK gibt es sehr große Unterschiede. Die Motorräder sind anders, die Reifen sind anders – und genau das gehört zu den Dingen, die uns am meisten gefordert haben. Da wir jahrelang in der WSBK gefahren sind, fühlt sich die MotoGP in jeder Hinsicht anders an. Wir befinden uns derzeit noch im Lernprozess“, analysierte der Profi. Vor allem auf den Geraden fehle es im Vergleich zur Konkurrenz an Leistung, während auch beim Herausbeschleunigen aus den Kurven technische Defizite spürbar seien. Dennoch bleibt der Pilot zuversichtlich, da im kommenden Jahr Regeländerungen greifen, die den eigenen Vorstellungen stärker entgegenkommen dürften.

Der große Traum vom historischen Doppel-Titel
Trotz der aktuellen Anpassungsschwierigkeiten bereut der Rennfahrer den Schritt in die oberste Rennserie keineswegs. Der Zeitpunkt des Wechsels sei absolut passend gewesen und habe enorme Aufmerksamkeit generiert. Toprak Razgatlioglu verfolgt für seine Karriere ein historisches Ziel: „Ich hätte schon in früheren Jahren in die MotoGP wechseln können, aber jetzt war der richtige Zeitpunkt, und der Wechsel hat mehr Aufmerksamkeit erregt. Da wir Teil eines neuen Projekts sind, wussten wir, dass dieser Weg nicht einfach werden würde. Wenn Yamaha 2027 einen großen Entwicklungsschritt macht, kann vieles möglich sein. Am Ende meiner Karriere möchte ich sowohl als WSBK- als auch als MotoGP-Weltmeister in Erinnerung bleiben.“
Rückhalt findet der Champion in dieser herausfordernden Phase vor allem bei seinem Mentor Kenan Sofuoglu. „Kenan Abi ist ein sehr erfahrener Mensch. Er ist immer an unserer Seite, unterstützt uns und gibt seine Erfahrungen weiter. Wir durchleben derzeit eine schwierige Phase. Platz 13 oder 15 bedeutet mir nichts, aber gerade in dieser Zeit ist die Unterstützung von Kenan Abi für mich wirklich sehr wichtig“, betonte das Aushängeschild des türkischen Motorsports. Neben den eigenen Rennwochenenden engagiert sich der Star zudem intensiv für den Nachwuchs und absolviert gemeinsame Einheiten mit Talenten wie Bahattin Sofuoglu, Deniz Öncü, Can Öncü sowie dem jungen Zayn, um seine Erfahrungen an die nächste Generation weiterzugeben.

