Abrechnung nach dem Saisonfinale: Ein zutiefst verletzter Sergen Yalcin spricht über Schamgefühl in der Trainerkabine und seine BJK-Zukunft
Der dramatische Kehraus einer völlig missratenen Spielzeit hinterlässt tiefe emotionale Spuren beim sportlichen Leiter der Schwarz-Weißen. Nach dem spielerisch fahrigen 2:2-Unentschieden am letzten Spieltag der Trendyol Süper Lig auswärts gegen Caykur Rizespor fand der sichtlich gezeichnete Cheftreiner von Besiktas, Sergen Yalcin, schonungslose Worte für das Erlebte. Auf der anschließenden offiziellen Pressekonferenz sowie im Exklusiv-Interview mit dem Rechteinhaber beIN SPORTS zog die Vereinsikone eine schwermütige Bilanz über die jüngsten Ereignisse. Der Übungsleiter gab offen zu, dass in den letzten beiden Partien psychologisch nichts mehr für sein Team übrig geblieben sei. Man habe in dieser kurzen Phase Dinge durchleben müssen, die er in seiner gesamten bisherigen Laufbahn noch nie erfahren habe. Man sei im gesamten Betreuerstab natürlich zutiefst traurig über diesen tristen Saisonabschluss, doch das Leben müsse nun irgendwie weitergehen.
Harte Kritik an der mentalen Abwesenheit der Mannschaft
Besonders die Leistung seiner Akteure im ersten Durchgang brachte den erfahrenen Fußballlehrer regelrecht auf die Palme. Der Übungsleiter bemängelte eine kollektive geistige Abwesenheit auf dem grünen Rasen, die eines Spitzenklubs absolut unwürdig gewesen sei. „Wir haben in der ersten Halbzeit ein sehr schlechtes Spiel gemacht. Uns war nicht einmal klar, dass wir ein Spiel abseits des Geisteszustands spielten, was in der ersten Halbzeit sehr schwierig war. Wir mussten die Spieler der zweiten Halbzeit wecken. Wir begannen mit drei Zügen. Die zweite Halbzeit war besser für uns. Die Kinder hatten Mühe, sich umzudrehen. Ein Ergebnis von 2:2. Aber ich denke, es war ein gutes Spiel. Unsere Jungs waren in der ersten Halbzeit wohl noch im Urlaub, in der zweiten Halbzeit haben wir sie aus dem Urlaub zurückgeholt“, bilanzierte Sergen Yalcin den spielerischen Umschwung nach dem Seitenwechsel sachlich.
Das Schamgefühl auf der Trainerbank angesichts der heftigen Fan-Proteste
Der absolute Tiefpunkt der jüngsten Wochen war jedoch nicht sportlicher Natur, sondern betraf das zerrüttete Verhältnis zum eigenen Anhang. Nach dem bitteren Pokal-Aus, bei dem der Klub das anvisierte Endspiel leichtfertig verspielte, sowie dem vorausgegangenen Chaos-Spiel gegen Konyaspor, entlud sich der geballte Zorn der Fans in heftigen Rücktrittsforderungen. Dieser enorme Druck lastete schwer auf dem gesamten Gefüge. Der Übungsleiter gab einen intimen Einblick in seine verletzte Seele und gestand unumwunden, wie sehr ihn die feindselige Stimmung in der eigenen Arena getroffen hat. „Wir hatten ein sehr ernstes Ziel im Pokal. Wir wollten das Finale spielen, haben es aber nicht geschafft. In den letzten beiden Spielen sind die Spieler natürlich den Protesten der Fans ausgesetzt, die Reaktionen sind für Spieler etwas schwierig. Es fiel uns schwer, uns auf die letzten beiden Spiele zu konzentrieren. Dazu gehören auch wir. Wir mussten unter dem Druck der Fans und unter sehr heftigen Protesten spielen. Als ich die Rücktrittsworte hörte, war es mir ein wenig peinlich, auf der Bank zu sitzen, das kann ich Ihnen sagen. Denn als Charakter habe ich keine Prinzipien, die solche Dinge leicht zu handeln für mich machen. Es tut mir sehr leid, aber das Spiel, das wir spielen, ist leider anfällig für solche Konsequenzen. Den Menschen können also alle möglichen Dinge passieren. Wenn es kein Ziel gibt, wenn man das Ziel nicht erreicht, insbesondere wenn man in der großen Vereinsgemeinde arbeitet, sind die Ergebnisse sehr schwerwiegend. Wir haben diese Resultate heute und letzte Woche erlebt. Auch wir waren mit dem Protest konfrontiert. Deshalb tut es uns leid“, erklärte der Coach mit brüchiger Stimme.

Kritik an der vereinsinternen Bewertung von Erfolg und Misserfolg
Gleichzeitig nutzte das BJK-Urgestein die Bühne für eine grundlegende Abrechnung mit der Erwartungshaltung im Umfeld. Der Trainer betonte vehement, dass der plötzliche Niedergang und das entstandene Chaos für ihn absolut ungesund seien, da zu Saisonbeginn überhaupt keine utopischen, kurzfristigen Ziele vereinbart worden waren. Vielmehr habe man eine nachhaltige, langfristige Planung forciert, die er während seiner gesamten Amtszeit stets transparent kommuniziert habe. Im Falle des sportlichen Misserfolgs würden die Kriterien in der Öffentlichkeit jedoch sofort extrem verzerrt und unfair diskutiert. Es stelle sich für ihn ganz prinzipiell die Frage, was schlussendlich als Erfolg oder Misserfolg gewertet wird, was im Vorfeld konkret erwartet wurde und was schlicht real eingetreten ist. Auf diese existenziellen Fragen müssten die Verantwortlichen erst einmal logische Antworten finden, ehe man den Stab über ihm bricht.
Die endgültige Entscheidung über die Trainer-Zukunft fällt in wenigen Tagen
Trotz des emotionalen Rundumschlags ließ sich der Übungsleiter bezüglich seiner persönlichen Zukunft am Bosporus nicht final in die Karten schauen. Eine Entscheidung über einen Verbleib oder einen endgültigen Abschied aus Istanbul steht unmittelbar bevor, wurde jedoch vertagt. Der Coach unterstrich abschließend, dass noch keine finalen Gespräche mit der Führungsetage stattgefunden haben. „Wir haben noch nicht mit dem Präsidenten und der Vereinsführung darüber gesprochen, ob ich weitermache oder nicht. Das werden wir in den nächsten drei bis vier Tagen entscheiden. Wir werden tun, was im Interesse des Vereins liegt. Deshalb möchte ich derzeit nicht über diese Themen sprechen. Wenn wir weitermachen, werden wir darüber sprechen, so Gott will“, verkündete Sergen Yalcin abschließend und ließ damit viel Raum für Spekulationen.


