Die angespannte Stimmung rund um die türkische Nationalmannschaft erreicht vor dem richtungsweisenden Gruppenspiel gegen Paraguay (20. Juni) ihren vorläufigen Siedepunkt. Nach der bitteren Auftaktpleite fliegen beim Verband die Fetzen. Unmittelbar vor der Trainingseinheit der Nationalelf trat Ibrahim Haciosmanoglu, der Präsident des türkischen Fußballverbandes (TFF), vor die wartenden Medienvertreter. Seine deutlichen Worte in Richtung der Trainerlegende Fatih Terim schlugen in der heimischen Fußballszene wie eine Bombe ein und lösten ein gewaltiges mediales Echo aus.
Auslöser des offenen Konflikts waren die jüngsten Analysen des „Imperators“. Fatih Terim hatte nach der 0:2-Niederlage gegen Australien zur Mäßigung aufgerufen und gefordert, toleranter mit den Fehlern bei der Weltmeisterschaft 2026 umzugehen. Er betonte, man müsse den Spielern, dem Trainerstab und dem Verband gegenüber moralisch Rückhalt bieten, merkte am Ende seiner Einschätzung jedoch vielsagend an, dass er nach dem Turnier ohnehin wie gewohnt Rechenschaft einfordern werde. Diese verbale Spitze wollte der amtierende Verbandschef keinesfalls unkommentiert im Raum stehen lassen.

Scharfe Worte gegen den Imperator: Haciosmanoglu fordert Klarheit
Der TFF-Präsident machte vor den Mikrofonen seinem Ärger Luft und ging den Altmeister direkt an. „Ich danke Senol Günes, mit ihm habe ich heute gesprochen. Ich hatte allerdings nicht das Bedürfnis, Fatih Terim anzurufen. Was den Grund dafür angeht: Ich danke ihm zwar für seine Bemerkungen bis zum letzten Absatz seiner Rede, aber er verhält sich nicht so, wie es seinem Spitznamen ‚Imperator‘ entsprechen würde. Ich wünschte, er hätte dieses Gespräch anders beendet. Ich war wirklich enttäuscht, als ich das gesehen habe“, erklärte Haciosmanoglu sichtlich angefressen.
Besonders die impliziten Drohungen Terims, nach der WM offene Rechnungen zu begleichen, stießen dem Verbandsboss sauer auf. Er forderte den Ex-Trainer vehement dazu auf, Ross und Reiter zu nennen. „Wenn Sie mit diesen mysteriösen Andeutungen kommen, noch zwei Spiele warten wollen und dann Rechenschaft fordern – wen genau wollen Sie denn dann zur Rechenschaft ziehen? Passt diese Haltung zu seiner Erfahrung? Wollen Sie die Spieler, das Trainer-Personal, den Vorstand oder den Präsidenten belangen? Sagen Sie mir, wer mir einen Bericht vorlegen soll! Die Nationalmannschaft ist kein Ort, um persönliche Rechnungen zu begleichen oder willkürlich Rechenschaft einzufordern. Diese Art von Auftreten passt überhaupt nicht zu ihm“, wetterte der TFF-Präsident unmissverständlich.

Kampfansage an die Kritiker: Voller Fokus auf die Gruppenphase
Trotz der internen Schlammschlacht versuchte der Funktionär, den Blick wieder auf das sportliche Geschehen zu lenken. Um die Gruppenphase erfolgreich zu überstehen, forderte er bedingungslosen Zusammenhalt und teilte gleichzeitig verbal gegen die scharfen Kritiker in der Heimat aus, die er in drastischen Worten als Geier und Hyänen bezeichnete.
„Natürlich geben wir diesen Geiern und Hyänen die passende Antwort, aber die beste Antwort müssen wir auf dem Feld liefern. Wir können uns administrativ irren, und wir respektieren jede Form von konstruktiver Kritik. Aber jetzt müssen wir diese Spieler unterstützen. Wer am Ende die Rechnung bezahlen muss, wird sie bezahlen, und wenn ich das selbst bin. Aber lassen wir diesen Prozess jetzt ruhen, wir haben zwei extrem wichtige Spiele vor uns. Wenn wir diese beiden Spiele gewinnen, besteht weiterhin die absolute Möglichkeit, dass wir als Gruppensieger weiterkommen“, so der optimistische Appell von Haciosmanoglu an die Fans.
Zum Abschluss seiner flammenden Rede zog der Verbandschef Vergleiche zu anderen großen Fußballnationen und deutete das jüngste Negativerlebnis in ein positives Signal um. „Spanien stolpert gegen die Kapverdischen Inseln, es gibt derzeit überall interessante Ergebnisse. Selbst Italien konnte sich für drei Endrunden in Folge nicht qualifizieren. Ich glaube an diese Mannschaft, sie besitzt eine enorme Motivation. Mit soliden Schritten werden die Jungs auf dem Rasen die notwendige Antwort geben. Und in dieser Hinsicht war die Ohrfeige im ersten Spiel vielleicht sogar ganz gut zu verdauen – lieber jetzt zu Beginn, denn nach der Gruppenphase gibt es keine Chance auf Wiedergutmachung mehr“, bilanzierte der TFF-Präsident abschließend.


1 Kommentar
Wenn ich schon die Fresse von Haciosmanoglu sehe, wird mir kotz übel.