Türkischer Fußball

EURO-Klassiker: Deutschland – Türkei 3:2

Bei der UEFA EURO 2008 waren die Spiele der Türkei Garanten für irrsinnige Wendungen und späte Tore. Auch im Halbfinale gab es ein Feuerwerk gegen Deutschland, aber für den letzten Knall sorgte Philipp Lahm.

Hintergrund

“Nichts ist unmöglich”, so der türkische Nationaltrainer Fatih Terim. “Es braucht nur Zeit.” Bei der UEFA EURO 2008 kam diese Zeit für sein Team meistens zwischen der 85. Minute und dem Abpfiff. Mehrfach wurde die Türkei während der Endrunde schon abgeschrieben, doch sie kämpfte sich immer wieder zurück. Um ins Halbfinale zu kommen, legte die Türkei ganze drei Aufholjagden hin. Die Gesamtdauer der Führungen dabei: Zwei Minuten.

Die dramatischen Partien hatten aber Kraft gekostet. Vor dem Duell mit Deutschland in Basel gab es mehrere Verletzte und zudem vier gesperrte Spieler. Trotzdem war der Respekt bei der DFB-Auswahl riesig. Zudem hatte die Elf von Joachim Löw im Verlauf des Turniers einige Schwächephasen gezeigt. In der Gruppenphase war Deutschland hinter Kroatien nur Zweiter geworden und zitterte sich ins Viertelfinale, wo man knapp gegen Portugal gewann.

Schlüsselspieler

Philipp Lahm: Bei der UEFA EURO 2008 war Lahm erst 24 Jahre alt, gehörte aber schon zu den Leistungsträgern im DFB-Trikot. Bei der Endrunde war er ein Dauerbrenner und Aktivposten auf der linken Abwehrseite. Einige Jahre später führte er Deutschland als Kapitän (und Rechtsverteidiger) in seinem 113. und letzten Länderspiel zum Gewinn der FIFA-WM 2014.

Miroslav Klose: Bei Weltmeisterschaften hatte Klose schon reichlich Angst und Schrecken in gegnerischen Strafräumen ausgelöst, doch erst 2008 gelang ihm sein erster EURO-Treffer. Auch Klose hörte nach dem WM-Finale 2014 auf und brachte es auf 137 Länderspiele.

Semih Şentürk: Lange Zeit war er bei Fenerbahçe nur zweite Wahl, doch 2007/08 war er in der SüperLig mit 17 Treffern der torgefährlichste Spieler. Auch der EURO 2008 konnte er seinen Stempel aufdrücken.

Spielverlauf

Die Türkei legte los wie die Feuerwehr. Kazım Kazım scheiterte an der Latte, Semih verpasste nach einer Flanke nur knapp und nur dank einer akrobatischen Rettungstat von Per Mertesacker durfte Ayhan Akman nicht jubeln. In der 22. Minute gelang den Türken durch Uğur Boral die verdiente Führung.

Bastian Schweinsteiger sorgte kurz danach für den Ausgleich, ehe Klose elf Minuten vor Schluss das 2:1 für die DFB-Elf markierte. Wieder einmal war Semih in der Schlussphase für die Türkei zur Stelle, doch Deutschland hatte ja noch einen ganz abgezockten Philipp Lahm…

Stimmen

Joachim Löw, Bundestrainer: “Das Spiel verlief nicht immer nach Plan. Die Türkei hat das Tempo gut variiert und sie sind in der Lage, fantastischen Fußball zu spielen. Wir sind froh, dass wir es überlebt haben. Jetzt sind wir im Endspiel und verspüren keinen Druck mehr.”

Angela Merkel, Bundeskanzlerin: “Ich muss ehrlich sagen, dass ich oft nach Luft schnappen musste. Ich gratuliere unserer Mannschaft sehr herzlich.”

Uğur Boral, Flügelstürmer Türkei: “Die bessere Mannschaft hat heute verloren. Ich bin sehr stolz, dass ich Teil eines so erfolgreichen Teams sein durfte. Die Türkei sollte diesen Spielern applaudieren.”

Gökhan Zan, Abwehrspieler Türkei: “Wir hatten die Niederlage nicht verdient. Alle Statistiken sprachen für uns. Wir haben ein exzellentes Spiel abgeliefert. Es ist traurig, wenn du nach einem so guten Spiel als Verlierer dastehst.”

Was passierte danach?

Vier Tage später griff Deutschland nach dem vierten EM-Titel, hatte gegen Spanien aber keine Chance. Fernando Torres traf in der ersten Halbzeit zum 1:0-Endstand, der Sieg hätte aber auch deutlich höher ausfallen können. Für Spanien war es der erste EM-Titel nach 44 Jahren.

Auch bei der WM 2010 und der EURO 2012 war Spanien das Maß aller Dinge. Durchbrochen wurde die Dominanz erst von der DFB-Truppe bei der WM 2014.


Hinweis: Dieser Artikel erschien zuerst auf www.uefa.com

Link: https://de.uefa.com/uefaeuro-2020/news/025d-0f5b6615dad7-6c5b0460881c-1000–euro-klassiker-deutschland-turkei-3-2/


 

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Erdem Ufak

Erdem Ufak

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