Nach dem gelungenen Start in eine lange und kräftezehrende Saison hat Trainer Vincenzo Italiano seine ambitionierten Ziele mit dem türkischen Traditionsklub untermauert. Im Hinspiel der zweiten Qualifikationsrunde zur UEFA Europa League besiegte Besiktas den dänischen Vertreter FC Midtjylland vor heimischer Kulisse knapp mit 1:0. Auf der anschließenden Pressekonferenz machte der 48-jährige Übungsleiter deutlich, wohin die Reise gehen soll: Er will eine extrem kämpferische Mannschaft formen, die eine unverwechselbare Vereinsidentität auf dem Platz verkörpert.
Lob für Fans und Teamgeist nach emotionalem Europa-League-Auftakt
Der neue Cheffachmann schwärmte nach dem Schlusspfiff im Tüpras-Stadion von der mitreißenden Kulisse und der Einstellung seiner Kaderathleten. Italiano sprach zunächst von einem rundum gelungenen Abend im eigenen Stadion und stellte heraus: „Ich habe heute Abend ein wunderschönes Stadion und eine unglaubliche Atmosphäre erlebt. Vor allem unsere Fans sind wirklich unsere treibende Kraft. Dank ihnen können wir bis zum Ende kämpfen. Wir hatten einen großartigen Abend und dafür möchte ich mich bei allen bedanken.“ Gleichzeitig richtete er anerkennende Worte an seine Mannschaft: „Auch bei den Jungs habe ich eine hervorragende Qualität gesehen. Sie waren sehr aufmerksam und extrem hungrig. Darüber bin ich sehr glücklich. Ich möchte den Jungs noch einmal gratulieren.“ Trotz aller Freude sprach der Italiener auch Kritikpunkte offen an: „Wenn Sie mich fragen, was nicht so gut gelaufen ist: Wir hätten mehr Tore erzielen können, um etwas entspannter in das Rückspiel gehen zu können. Trotzdem bin ich mit dem, was ich heute gesehen habe, sehr zufrieden. Jetzt werden wir uns etwas erholen und anschließend mit der Vorbereitung auf das Rückspiel beginnen. Denn dort wird uns wirklich eine Schlacht erwarten.“

Engagement an der Seitenlinie als zwölfter Mann
Mit gewohnt hoher Intensität coachte der Chefcoach seine Formation über die vollen 90 Minuten und erläuterte seine impulsive Natur. Auf sein leidenschaftliches Auftreten an der Seitenlinie angesprochen, erklärte der Betreuer mit Nachdruck: „Ich bin jemand, der die Spiele auf diese Weise lebt. Das liegt in meiner Natur. Ich bin in dieser Hinsicht sehr spontan. Ich mache das tatsächlich völlig unbewusst, weil ich meinen Spielern helfen möchte.“ Er wisse um seine Rolle am Spielfeldrand genau Bescheid: „Ich fühle mich gewissermaßen wie ein zusätzlicher Spieler, wie der zwölfte Mann dort draußen. Das beschreibt meine Mentalität ziemlich gut. Mittlerweile kennen mich die Spieler und wissen, was für ein Mensch ich bin. Ich liebe es, das Spiel gemeinsam mit ihnen zu erleben. Wie ein drittes Auge versuche ich ihnen Dinge zu zeigen, die sie vielleicht selbst nicht sehen. Ich versuche ständig, sie anzutreiben und zu fordern.“ Abschließend bilanzierte der Trainer zufrieden: „Ich denke, wir sind keineswegs schlecht gestartet. Wir haben gut angefangen.“
Taktische Marschroute und Nutzung des Heimvorteils
Die Unterstützung auf den Rängen sollte bewusst als Waffe genutzt werden, um den dänischen Kontrahenten früh unter Druck zu setzen. Italiano betonte, dass Besiktas aggressiv auftreten und die Hexenkessel-Atmosphäre gezielt nutzen wollte: „Eine solche Stimmung kann den Gegner etwas zurückdrängen und sogar einschüchtern. Genau das wollten wir ausnutzen. Deshalb denke ich, dass wir das Momentum steller auf unsere Seite ziehen konnten.“ Auch taktisch nahm er Stellung zum Auftritt seines Ensembles: „Defensiv waren wir heute meiner Meinung nach ebenfalls gut. Wir hatten eine gute Strategie. Es gab eigentlich nur eine Situation, in der wir ein Gegentor hätten kassieren können. Auch daran werden wir arbeiten.“ In der zweiten Halbzeit ließen die Kräfte jedoch etwas nach: „In der ersten Halbzeit waren wir meiner Meinung nach gut. In der zweiten Hälfte hätten wir etwas besser sein können. Warum ist uns das nicht gelungen? Weil der Gegner seine Abwehrreihen weiter zurückgezogen hat. Gleichzeitig waren wir etwas müde und sie haben uns kaum Räume gelassen, weil sie sehr tief standen.“

Körperliches Potenzial und späte Vorbereitung durch Nationalspieler
Nach nur rund drei Wochen gemeinsamer Arbeit sieht das Trainerteam vor allem im physischen Bereich noch ordentlichen Nachholbedarf. Vincenzo Italiano stellte klar, dass die Athletik oberste Priorität in der Weiterentwicklung besitzt: „Wir müssen körperlich besser werden. Das ist wahrscheinlich das Erste, was ich nennen würde. In der zweiten Halbzeit haben wir auch Wechsel vorgenommen, um das Tempo wieder zu erhöhen, weil unser Rhythmus etwas nachgelassen hatte.“ Zudem verwies er auf die kurze Vorbereitungszeit von erst 20 Tagen sowie verzögerte Rückkehrzeiten: „Wir haben die Saison mit sehr vielen jungen Spielern begonnen. Nach und nach kamen dann die Nationalspieler zurück. Anschließend kamen die Neuzugänge wie Ilhan (Fakili) und Salih (Özcan) dazu. Auch Ouattara kam zu uns, war bei seiner Ankunft allerdings noch nicht bei 100 Prozent.“ Der Betreuer mahnte mit Blick auf die Physis zur Vorsicht: „Bei Spielern, die von ihren Nationalmannschaften zurückkommen, kann es manchmal Probleme geben. Manchmal sind sie noch nicht vollständig bereit. Gleichzeitig kann man diese Spieler nicht sofort einsetzen, weil dann ein Verletzungsrisiko besteht.“
Die Vision: Ein dominantes Besiktas mit 40 Torschüssen pro Spiel
Der italienische Taktikexperte peilt langfristig eine extrem offensive und ehrgeizige Philosophie für den Traditionsverein an. Für den weiteren Verlauf der Qualifikation und die gesamte Spielzeit definierte Italiano klare Leitlinien: „Heute war unser Gegner in Unterzahl. Gegen zehn Mann hätten wir meiner Meinung nach besser spielen und mehr machen können. Aber heute war erst der erste Tag einer sehr langen Reise.“ Das übergeordnete Ziel formulierte der Coach deutlich: „Unsere Aufgabe besteht jetzt darin, eine Mannschaft mit einem kämpferischen Charakter und einer echten Besiktas-Identität aufzubauen. Daran arbeiten wir. Unser aktuelles Ziel besteht darin, in Dänemark die nächste Runde zu erreichen. Dort werden wir alles geben.“ Abschließend zeichnete er das Bild seines Traum-Fußballs: „Wir müssen mehr Torchancen kreieren. Das Besiktas, von dem ich träume, ist eine Mannschaft, die in jedem Spiel mindestens 40-mal auf das gegnerische Tor schießt. Diese Philosophie möchte ich etablieren. Ich möchte diesen Siegeswillen fest in der Mannschaft verankern. Heute hatten wir ihn bereits – und genau so müssen wir immer auftreten.“

