Vor dem mit Spannung erwarteten Playoff-Hinspiel der UEFA Champions League gegen den französischen Spitzenklub Olympique Lyon hat sich Fenerbahce-Cheftrainer Ismail Kartal gewohnt akribisch vorbereitet. Auf der offiziellen Pressekonferenz in den Can-Bartu-Trainingsanlagen betonte der erfahrene Übungsleiter die intensive Analysephase, die das Trainerteam in den vergangenen Stunden absolviert hat. Kartal blickte mit großem Respekt auf den kommenden Gegner und erklärte flüssig vor den Medienvertretern: „Nach unserem letzten Spiel sind wir um Mitternacht in Istanbul angekommen. Heute Abend werden wir trainieren. Gestern haben wir mit unserem Trainerteam einen guten Tag verbracht. Wir haben die Anlage von morgens bis abends überhaupt nicht verlassen. Wir hatten uns bereits zuvor die Spiele von Lyon angesehen. Gemeinsam haben wir unsere Strategien für morgen festgelegt. Wir respektieren unseren Gegner. Es ist eine gute und gut organisierte Mannschaft. Ihr Trainer ist ein erfolgreicher Coach, der sich einen Namen gemacht hat. Auch wenn Lyon eine Mannschaft mit viel Erfahrung im Europapokal ist, wollen wir vor heimischem Publikum ebenfalls ein Ergebnis erzielen, das uns einen Vorteil verschafft. Wir müssen vom Anfang bis zum Ende des Spiels gemeinsam für unser Fenerbahçe kämpfen. Auf dem Weg zu unserem Ziel, uns für die Champions League zu qualifizieren, wollen wir uns einen Vorteil verschaffen.“
Eigener Matchplan gegen Lyon und klare taktische Linie
Obwohl der Cheftrainer die Stärken der Franzosen genau analysiert hat, fordert er von seiner Mannschaft das gewohnte Auftreten auf dem Rasen. Die Begegnung werde mehrere Phasen durchlaufen, in denen Flexibilität gefragt sei. Ismail Kartal unterstrich den eigenen Anspruch: „Das Spiel wird zwei oder drei verschiedene Phasen haben. Der Gegner ist eine Mannschaft, die den Ball gut in den eigenen Reihen halten kann. Wir werden im vorderen Bereich pressen. Wenn es erforderlich ist, können wir als Mannschaft kompakt verteidigen. Natürlich werden wir abhängig vom Spielplan des Gegners entsprechende Maßnahmen ergreifen. Wir wollen unser eigenes Spiel spielen und uns einen Vorteil verschaffen.“
Personal-News: Romelu Lukaku und Ederson stehen im Spieltagskader
Eine erfreuliche Nachricht hatte der Coach bezüglich Star-Neuzugang Romelu Lukaku parat, der trotz fehlender Nominierung auf der ursprünglichen UEFA-Liste am Spieltag im Aufgebot stehen wird. Kartal schwärmte von der Einstellung des belgischen Angreifers: „Lukaku ist ein sehr positiver Junge. Er arbeitet gerne und ist ein guter Profi. Er spricht sechs Sprachen. Er hat gesagt, dass er Türkisch lernen und in drei Monaten mit mir Türkisch sprechen wird. Er ist ein selbstbewusster Spieler. Er ist noch nicht zu 100 Prozent bereit, sondern bei 70 Prozent, aber ich werde ihn morgen in den Kader berufen. Er ist ein sehr mutiger und couragierter Spieler. Er ist sehr erfahren und sehr kräftig. Aktuell hat er keinerlei Übergewicht. Im Moment hat er lediglich Defizite bei seiner Ausdauer. Wir glauben, dass wir dieses Problem innerhalb weniger Wochen beheben können.“ Zudem gab der Übungsleiter auch für Torhüter Ederson grünes Licht. Der brasilianische Schlussmann ist vollständig einsatzbereit und wird ebenfalls zum Kader gehören.

Kerem Aktürkoglu sieht Druck als Chance und fordert eine Reaktion
Neben dem Cheftrainer stellte sich auch Nationalspieler Kerem Aktürkoglu den Fragen der Journalisten. Nach dem durchwachsenen Saisonstart in der heimischen Liga sieht der 27-jährige Offensivakteur das Duell auf europäischer Bühne als perfekte Gelgenheit zur Wiedergutmachung. Kerem Aktürkoglu ordnete die Erwartungshaltung gewohnt offen ein: „Als Fenerbahce ist es natürlich unsere Erwartung, uns für die Champions League zu qualifizieren. Das ist schon seit langer Zeit unser größtes Ziel. Vor uns liegen zweimal 90 Minuten. Aber wir werden von Spiel zu Spiel denken. Morgen wollen wir uns eine gute Ausgangsposition verschaffen und uns anschließend auf das nächste Spiel konzentrieren. Ich hoffe, dass wir einen schönen Erfolg erzielen können.“
Hinsichtlich des enormen Umfelds beim Traditionsklub zeigt sich der Nationalspieler abgebrüht und sieht die Situation als Ansporn für das gesamte Team: „Wir wollten gut in die Liga starten. Das ist uns nicht gelungen. Die Verantwortung dafür liegt bei uns. Wir haben die notwendigen Lehren daraus gezogen. Wir haben sowohl mit unserem Trainer in der Kabine als auch untereinander darüber gesprochen. Jetzt liegt ein Spiel vor uns, in dem wir eine Reaktion zeigen können. Ich hoffe, dass wir die Qualität besitzen, dies zu tun. Natürlich steht man unter Druck, wenn man für Fenerbahçe spielt. Wenn es keinen Druck gibt, stimmt etwas nicht. Wenn man für einen großen Klub spielt, muss man mit diesem Druck gut umgehen können. Ich sehe den Druck als Chance. Es gibt sowohl die Sehnsucht nach der Meisterschaft als auch nach der Champions League. Morgen vertraue ich meinen Mannschaftskollegen, unserer Gemeinschaft, unseren Fans und unserem Trainer.“

Zusammenspiel auf den Außenbahnen und Lob für Anderson Talisca
Auf das Zusammenspiel mit den defensiven Außenbahnen angesprochen, erklärte der Flügelstürmer, dass er sich sowohl mit Levent Mercan als auch mit Archie Brown blendend verstehe. Da beide Akteure jünger seien als er, stehe man in ständigem produktiven Austausch. Wesentlich entscheidender als individuelle Personalien sei ohnehin das geschlossene Mannschaftsspiel. Zudem äußerte sich Kerem Aktürkoglu zur Debatte um die Besetzung der Mittelstürmerposition: „Wahrscheinlich gab es noch nie eine Phase, in der ich nicht kritisiert wurde. Ich möchte Kritik niemals als etwas Negatives mit mir herumtragen. Wenn man kritisiert wird, liegt es an einem selbst, daraus etwas Positives zu machen. Im Fußball gibt es hin und wieder auch schlechte Tage. Was an solchen Tagen große Spieler und große Mannschaften auszeichnet, ist die Reaktion, die sie zeigen. Sowohl ich als auch meine Mannschaft haben in dieser Hinsicht immer positiv reagiert. Jetzt liegt das Lyon-Spiel vor uns, in dem wir eine Reaktion zeigen können. Wenn wir ein gutes Ergebnis erzielen, können wir die Stimmung wieder ins Positive drehen. Natürlich fühle auch ich mich wohler, wenn ich mit einem Mittelstürmer zusammenspiele. Aber Talisca hat in dieser Saison ebenfalls Tore erzielt und zeigt vielleicht sogar bessere Leistungen als die Spieler, die als Stürmer eingesetzt werden könnten. Wir sollten Talisca gegenüber also nicht unfair sein. Egal, wer morgen spielt, er wird bestmöglich kämpfen.“
Neuer Rückennummer-Wechsel: Kerem Aktürkoglu streift die Nummer 7 über
Abschließend klärte der Nationalspieler noch auf, warum er sich für einen Wechsel seiner Rückennummer entschieden hat. Nach dem Abgang von Fred übernahm er die traditionsreiche Nummer 7. Aktürkoglu gab hierzu abschließend einen schmunzelnden Einblick: „Es gibt keinen besonderen Grund. Ich mag die Nummer 7. Ich hatte mit Fred darüber gesprochen. Er hat positiv darauf reagiert. Nachdem er gegangen war, wollte ich die Nummer tragen und habe sie übernommen. Da die Nummer 9 eine Mittelstürmernummer ist, hat sie einen gewissen Druck auf mich ausgeübt. Deshalb ist die Nummer 7 schön. Auch morgen wird die Unterstützung unserer Fans für uns sehr wichtig sein. Sie verleihen uns zusätzliche Kraft. Das wirkt sich positiv auf uns aus. Mit ihrer Unterstützung wollen auch wir unsere bestmögliche Leistung zeigen.“


1 Kommentar
Ich lese mir so gemütlich bei einem Schluck Paulaner Spezi diesen Artikel durch und ich sehe keinen einzigen Satz von Kartal wo er klipp und klar sagen kann, daß wir heute Abend das Spiel GEWINNEN wollen, statt dessen sagt er solche Sätze wie „wir wollen uns einen Vorteil verschaffen und dergleichen“.
Also ich fasse mal kurz die Umstände zusammen…
1.) Wir spielen heute Abend zu Hause in Kadıköy vor ausverkauftem Haus, sprich 50.000 FB Anhängern.
2.) Unser Kader, auch wenn er zugegebenermaßen 40 Mann umfasst ist vom Marktwert höher als der des heutigen Gegners.
3.) Du hast zuletzt im Ligaspiel gegen Genclerbirligi die halbe Mannschaft ausgetauscht, damit sie heute fit ins Spiel gehen können und diejenigen die auf dem Platz standen haben 90 Minuten lang auch nichts getan und mussten somit auch noch total fit für Lyon sein oder?
Unter unter all diesen positiven Rahmenbedingungen schaffst du es als FB Trainer trotzdem nicht so einen einfachen Satz zu sagen wie „wir wollen heute Abend unbedingt das Spiel gewinnen“ was bist du nur mit Verlaub für eine total feige Sau?
Ich meine ist doch wahr oder, das muss doch mal gesagt werden oder etwa nicht?