Vor dem Start in die neue Spielzeit lud der in die englische Premier League aufgestiegene Klub Hull City zu einer hochkarätig besetzten Medienrunde in ein Hotel nach Istanbul ein. Neben Klubbesitzer und Präsident Acun Ilicali bezogen auch Cheftrainer Sergej Jakirovic sowie die beiden Profis Oli McBurnie und Kapitän Lewie Coyle Stellung zu den ambitionierten Zukunftsplänen. Der türkische Eigner sprach dabei offen über die Gehaltsstrukturen im türkischen Oberhaus, geplante Großtransfers und die gewaltigen finanziellen Herausforderungen in der Königsklasse des englischen Fußballs.
Gehaltsexplosion verhindert Süper-Lig-Transfers
Auf die Frage, ob Hull City künftig verstärkt Akteure aus der Trendyol Süper Lig verpflichten wolle, erteilte der Präsident den Spekulationen eine deutliche Absage. Wie Acun Ilicali in der Medienrunde unmissverständlich klarstellte, passe das Gehaltsniveau der Liga nicht zur Ausrichtung seines Vereins. „Die Süper Lig ist für uns zu 90 Prozent kein Markt. Die Türkei ist für uns als Transfermarkt nicht attraktiv“, betonte der Klubchef energisch. Er führte weiter aus, dass die drei großen Vereine des Landes mittlerweile Jahresgehälter von fünf bis sechs Millionen Euro zahlen würden – Summen, die selbst im englischen Oberhaus keineswegs alltäglich seien und dort an extrem hohe Pflichtspiel-Tore gekoppelt wären.
Zudem äußerte sich der Eigentümer über den allgemeinen Wandel auf dem Spielermarkt: „Für Spieler über 26 Jahre ist die Türkei inzwischen zu einer Alternative geworden. Unser Vorteil besteht darin, dass talentierte Spieler im Alter von 23 oder 24 Jahren zu uns kommen möchten. Früher wechselten solche Spieler häufig in die Türkei. Vor zehn Jahren war das nicht möglich, jetzt passiert es wieder. Das hängt mit der wirtschaftlichen Entwicklung des Fußballs zusammen. Weil die finanziellen Möglichkeiten gewachsen sind, können bedeutende Spieler inzwischen in die Türkei wechseln. Für viele Spieler ist die Türkei inzwischen die Station vor Saudi-Arabien.“

Kader-Umbruch mit 16 Neuzugängen und Blick auf einen Weltstar
Im Hinblick auf die Kaderplanung kündigte der Klubbesitzer eine umfangreiche Transferoffensive an, um das Team für das Oberhaus zu rüsten. „In der Premier League orientieren wir uns bei Transfers zunächst an der Philosophie unseres Trainers. Wir führen viele Gespräche und verfügen über ein starkes Analyse- und Transferteam. Gemeinsam mit dem Trainer definieren wir das gewünschte Spielerprofil und arbeiten intensiv daran. Bereits am Tag unseres Aufstiegs haben wir damit begonnen und sind inzwischen weit vorangekommen. Unser Ziel ist es, insgesamt 16 neue Spieler zu verpflichten. Wenn uns das gelingt, werden wir den Kader zusammenstellen, den wir uns vorstellen“, kündigte der Unternehmer an.
Der Großteil der 15 bis 16 Neuzugänge solle direkt das Niveau für die Startelf besitzen. Die Strategie umfasse junge Talente mit Potenzial, bereits etablierte Nachwuchskräfte, erfahrene Premier-League-Profis sowie bewährte Akteure. So stehe unter anderem der Abwehrspieler Nobel Mendy im Fokus. Zudem stünde der Neuzugang Colakis unmittelbar vor der Ankunft in Istanbul. Neben der Suche nach Verstärkungen kündigte der Präsident auch ein besonderes Highlight an: „Wir verfügen bereits über sehr gute Spieler, verfolgen aber zusätzlich ein außergewöhnliches Talent. Wenn alles klappt, möchten wir einen äußerst interessanten Spieler verpflichten. Schon bald werden wir für eine Überraschung sorgen. Dieser Name begeistert auch mich. Wir wollen den Kader schließlich mit einem Weltstar abrunden.“
Hinsichtlich des Mittelfeldspielers Amir Hadziahmetovic, der im Vorjahr von Besiktas ausgeliehen war und maßgeblichen Anteil am Erfolg hatte, erklärte der Klubchef, dass man auf dieser Position aktuell Kandidaten den Vorzug gebe, die bereits über direkte Erfahrung in der Premier League verfügen.

Stolzer Rückblick auf den Aufstieg und Dank an das Trainerteam
Der Aufstieg in die höchste englische Spielklasse erfüllt den Eigner mit großem Stolz, wenngleich die Veranstaltung von Trauer über den Verlust eines früheren Gewinners einer seiner Show-Formate überschattet wurde. „Einerseits empfinden wir Trauer, andererseits Freude. Vor vier Jahren habe ich Hull City gekauft und bin mit einem Traum gestartet. Heute kann ich den Stolz kaum beschreiben, Präsident eines Vereins zu sein, der den Aufstieg in die Premier League geschafft hat. Für mich ist das ein unbeschreibliches Gefühl des Stolzes und des Glücks“, schilderte Acun Ilicali seine Gefühlswelt.
Ausdrücklich lobte er die Zusammenarbeit mit Cheftrainer Sergej Jakirovic sowie seinen Leistungsträgern. „Vor einem Jahr haben wir begonnen, mit Sergej zusammenzuarbeiten. Gemeinsam haben wir alle Schwierigkeiten gemeistert und er hat uns in die Premier League geführt. Ich wusste, dass er ein hervorragender Fußballer war, aber auch als Trainer hat sich unser Vertrauen ausgezahlt. Oli hat bereits früher in der Premier League gespielt. Obwohl er damals in Spanien aktiv war, hat er unsere Anfrage angenommen und daran geglaubt, dass eine Mannschaft, die ein Jahr zuvor noch gegen den Abstieg kämpfte, den Aufstieg schaffen kann. Coyle war schon im Verein, bevor ich gekommen bin. Auf diesem Weg war auch der Einfluss unseres Kapitäns enorm wichtig“, hob der Präsident hervor.
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Schrittweise Entwicklung nach dem Vorbild von Leicester City
Bei der mittelfristigen Ausrichtung setzt der Verein auf ein schrittweises Wachstum und vergleicht den eigenen Weg mit erfolgreichen Beispielen des englischen Fußballs. „In meinem Leben war ich nie erfolgreich, weil ich sofort vom Größten geträumt habe. Ich bin immer Stufe für Stufe die Leiter hinaufgestiegen. Mit Hull City war das Ziel zunächst ein Platz unter den ersten Zehn der Championship, anschließend der Aufstieg in die Premier League. Danach wollen wir die Premier League unter den ersten Zehn abschließen, anschließend Europa erreichen und irgendwann die Meisterschaft gewinnen. Hull City unterscheidet sich nicht von Leicester City. Beide Vereine haben lange in der Championship gespielt und sind zwischenzeitlich in die Premier League aufgestiegen. Wenn wir in dieser Saison die Klasse halten, können wir im kommenden Jahr vielleicht Vereinen wie Brighton oder Brentford nacheifern“, führte der Funktionär aus.
Finanzielle Realität und Interesse an Scout Eren Mert
Trotz der zu erwartenden Einnahmen von rund 300 Millionen Euro warnte der Klubchef vor zu hohen Erwartungen, da die Etablierten der Liga über Etats ab einer Milliarde Euro verfügen würden: „Wir sind mit 250 Millionen Pfund in eine Milliardenwelt eingetreten.“ Der Schlüssel liege im Teamgeist und charakterfesten Spielern, da er die negative Atmosphäre im türkischen Fußball leid sei. Zudem bestätigte er Gespräche mit dem ehemaligen Scout-Chef von Trabzonspor, Eren Mert. „Dass ein junger Türke in Europa erfolgreich sein möchte, ist für mich sehr wichtig. Ich kann sagen, dass wir ihm grundsätzlich positiv gegenüberstehen“, so der Vereinschef.
Nachfragen zu den jüngsten Berichten rund um seine Loge bei seinem Herzensverein Fenerbahce wich der Präsident bewusst aus. Er betonte, dass Fenerbahce seine große Liebe bleibe, diese Pressekonferenz jedoch einzig und allein der Zukunft von Hull City gewidmet sei.


