Im osteuropäischen Vorbereitungscamp der Schwarz-Weißen herrscht derzeit Hochbetrieb, während die Profis gleichermaßen auf und neben dem Platz deutliche Akzente setzen. Der portugiesische Innenverteidiger Tiago Djalo hat die türkische Trendyol Süper Lig als eine Liga mit enormem Entwicklungspotenzial bezeichnet, gleichzeitig jedoch kritische Töne angestimmt. Der Abwehrspieler, der sich mit Besiktas momentan im intensiven Trainingslager in der Slowakei auf die neue Spielzeit vorbereitet, sprach in einem ausführlichen Interview mit der Nachrichtenagentur DHA offen wie nie über seine ersten Eindrücke im Land, die Zusammenarbeit mit dem neuen Trainer und die Defizite im türkischen Fußballoberhaus. Trotz organisatorischer Mängel zeigte sich der Defensivspezialist von der enormen Kulisse tief beeindruckt.

Lob für Vincenzo Italiano: Vertraute Defensivphilosophie aus der Serie A
Der portugiesische Abwehrhüne zieht ein erstes positives Fazit aus den harten Einheiten in Osteuropa. Die tägliche Arbeit unter dem neuen Trainerstab verlangt den Spielern alles ab, doch der Neuzugang fühlt sich sichtlich wohl. „Das Trainingslager läuft sehr gut. Es ist eine wertvolle Erfahrung für uns. Unser Trainer bringt uns viele neue Dinge bei. Dabei stoßen wir auch auf einige überraschende Details, aber ich bin darauf vorbereitet. Ich habe bereits in Italien gespielt und fühle mich dieser Fußballkultur sehr verbunden“, erklärte Tiago Djalo im Gespräch. Der 26-Jährige blickt auf eine komplizierte Debütsaison zurück, in der er oft nicht eingreifen konnte, betont nun jedoch seine professionelle Einstellung. Die Zusammenarbeit mit Vincenzo Italiano beschreibt er als großartige Erfahrung, da der Coach unglaublich viel Energie mitbringe. Da ihm die taktische Ausrichtung aus seiner Zeit in Südeuropa und Frankreich bestens vertraut sei, rechnet der Portugiese auch in dieser Saison wieder mit einer extrem sattelfesten Defensive, die nur wenige Gegentore zulassen wird.
Der europäische Fokus: Die Europa League hat absolute Priorität
Vor dem Start des Ligabetriebs gilt die ungeteilte Aufmerksamkeit der Profis dem internationalen Geschäft. Auf die Frage nach einem möglichen Meistertitel reagierte der Defensivakteur bewusst zurückhaltend und mahnte zur Geduld. Es sei noch viel zu früh, um über den großen Pokal zu sprechen, da man sich zunächst Schritt für Schritt mit und ohne Ball verbessern müsse. Der absolute Fokus liegt stattdessen auf dem anstehenden UEFA-Europa-League-Qualifikationsspiel, das in wenigen Tagen ausgetragen wird. Für einen ambitionierten Fußballer sei es laut dem Abwehrspieler unerträglich, nicht im Europapokal zu spielen. „Nicht im Europapokal zu spielen, ist für keinen Fußballer schön. Ich habe viele Jahre in der Champions League gespielt – ein großartiger Wettbewerb, der einen als Spieler weiterbringt. Jetzt liegt unser Fokus auf der Europa League. Wir müssen uns darauf konzentrieren, was wir verbessern können. Ich bin überzeugt, dass wir in wenigen Tagen bereit für diese Aufgabe sein werden“, gab der Abwehrchef die Marschroute vor. Dem kommenden Spielplan misst er dabei keine besondere Bedeutung bei, da am Ende ohnehin jede Partie gewonnen werden müsse.

Kritik an der Infrastruktur: Süper Lig hinkt den Top-Ligen hinterher
Während die sportliche Qualität durch internationale Stars steigt, sieht der Profi im Verband deutlichen Nachholbedarf. Besonders differenziert äußerte sich der Portugiese zum allgemeinen Niveau im türkischen Fußball. Zwar würden immer mehr erfahrene Akteure an den Bosporus wechseln, doch die Strukturen seien noch nicht auf dem obersten Niveau angekommen. „Die Süper Lig entwickelt sich weiter. Immer mehr Spieler mit internationaler Erfahrung wechselt in die Türkei, was der Liga guttut. Organisatorisch liegt sie allerdings noch etwas hinter den großen europäischen Ligen. Beeindruckend ist jedoch die Leidenschaft der Menschen für den Fußball. So etwas habe ich in meinem Leben noch nie erlebt“, bilanzierte der Innenverteidiger ehrlich. Privat hat sich der Kebab-Liebhaber, dessen fußballerisches Idol Paolo Maldini ist, bestens in der Metropole Istanbul eingelebt und genießt die lebendige Kultur.

Ridvan Yilmaz blüht auf: Harte Einheiten wie im Militärlager
Der Linksverteidiger kämpft nach seiner Zeit bei den Rangers um ein Ticket für das türkische Nationalteam. Neben dem Portugiesen meldete sich auch Linksverteidiger Ridvan Yilmaz im slowakischen Camp zu Wort und fand drastische Vergleiche für die aktuelle Vorbereitung. „Die Einheiten sind hart. Unser Trainer verlangt sehr viel und zeigt das auch im Training. Solche Trainingslager tun den Spielern gut. Momentan fühlt es sich fast wie ein Militärlager an“, so der Außenverteidiger. Durch die harte Marschroute erwarte er ein extrem aggressives Besiktas, das den Gegner permanent unter Druck setzen wird. Den internen Konkurrenzkampf mit Neuzugang Kassoum Ouattara sieht er gelassen, da beide dem Verein helfen wollen. Emotional wurde der Abwehrspieler beim Abschied von Torhüter Ersin Destanoglu, den er wie einen Bruder schätzt. Als persönliches Ziel hat der Rückkehrer die Nationalmannschaft ausgemacht, zu deren Nationaltrainer Vincenzo Montella er bereits während seiner Zeit bei den Glasgow Rangers Kontakt pflegte.
Licht und Schatten am Testspieltag: Sieg und Niederlage binnen weniger Stunden
Die sportliche Leitung nutzte den Tag für zwei unterschiedliche Formationen gegen europäische Kontrahenten. Wie intensiv der aktuelle Rhythmus ist, zeigte sich auch am vergangenen Spieltag, an dem die Schwarz-Weißen gleich zwei Testspiele am selben Tag absolvierten. Im ersten Aufeinandertreffen feierte das Team einen knappen 1:0-Sieg gegen den österreichischen Klub SV Mattersburg. Den entscheidenden Siegtreffer markierte dabei Neuzugang Ilhan Fakili in der 37. Minute. Im zweiten Härtetest des Tages musste sich die Mannschaft mit einer veränderten Aufstellung dem polnischen Vertreter RTS Widzew Lodz mit 0:2 geschlagen geben, was dem Trainerstab wichtige Erkenntnisse für die kommenden Einheiten lieferte.

