Montella beendet Rücktrittsdebatte: „Ich werde weitermachen – stärker als zuvor“
Vor dem abschließenden Gruppenspiel der Türkei gegen die USA bei der FIFA-Weltmeisterschaft 2026 hat sich Vincenzo Montella mit einer emotionalen und ungewöhnlich deutlichen Pressekonferenz vor dem letzten Gruppenspiel gegen Co-Gastgeber USA an die Öffentlichkeit gewandt. Der Nationaltrainer stellte sich schützend vor seine Mannschaft, kritisierte persönliche Angriffe auf seine Spieler und machte gleichzeitig unmissverständlich klar, dass ein Rücktritt für ihn kein Thema ist. Nach den Niederlagen gegen Australien und Paraguay ist die türkische Nationalmannschaft bereits ausgeschieden. Dennoch fordert Montella vor dem letzten Gruppenspiel Geschlossenheit und Unterstützung für das Team.
„Diese Spieler sind unsere Zukunft“
Der Italiener eröffnete seine Pressekonferenz mit einer längeren Erklärung und betonte, dass die Mannschaft trotz der Enttäuschung Respekt verdiene. „Wir müssen unseren Spielern noch mehr Respekt entgegenbringen. Natürlich sind wir enttäuscht, aber wir bleiben für die Zukunft motiviert. Morgen wartet eines der schwierigsten Spiele überhaupt auf uns. Deshalb brauchen wir die Unterstützung unseres Landes. Diese Spieler haben sie verdient.“ Montella erinnerte an die Entwicklung der Nationalmannschaft seit seinem Amtsantritt im September 2023. Er verwies auf die erfolgreiche Qualifikation für die Europameisterschaft, den Sieg gegen Kroatien sowie den historischen Erfolg in Deutschland nach 72 Jahren. „Die Spieler, die damals diese Erfolge erreicht haben, sind dieselben, die auch in Zukunft erfolgreich sein werden. Deshalb müssen wir sie respektieren. Sie sind die Zukunft unseres Fußballs.“

Klare Kritik an persönlichen Angriffen
Besonders deutlich wurde der 52-Jährige bei den Reaktionen nach dem frühen WM-Aus. „Ich habe persönliche Angriffe gesehen. Das kann ich nicht akzeptieren. Es ist, als würde man das eigene Kind so behandeln. Das ist nicht hinnehmbar. Ich werde meine Spieler weiterhin bedingungslos unterstützen.“ Der Nationaltrainer betonte mehrfach, dass die Kritik weit über sachliche Analysen hinausgegangen sei. Seine Spieler hätten alles investiert und dürften trotz der Ergebnisse nicht persönlich angegriffen werden. „Sie sind wie meine Kinder. Ich sehe ihre Gesichter, ich sehe ihre Enttäuschung. Sie haben mit ganzem Herzen gekämpft. Manchmal bekommt man im Fußball trotzdem nicht das gewünschte Ergebnis. Aber deshalb darf man nicht alles zerstören.“
Montella verweist auf beeindruckende Offensivzahlen
Der Trainer verteidigte auch die spielerischen Leistungen seiner Mannschaft mit konkreten Statistiken. Nach seinen Angaben habe die Türkei in den ersten beiden WM-Partien 62 Torschüsse abgegeben, 590 Aktionen im gegnerischen Strafraumbereich sowie 341 erfolgreiche Aktionen im Strafraum verzeichnet. Zudem liege die Mannschaft bei den Strafraumeintritten auf Rang eins, beim Ballbesitz auf Platz zwei sowie bei vertikalen Pässen direkt hinter Spanien. Auch bei den herausgespielten Torchancen gehöre die Türkei zu den besten Teams des Turniers. „Fußball ist die Kunst, Tore zu erzielen. Genau das ist uns leider nicht gelungen. Aber den Einsatz meiner Spieler kann ich ihnen in den letzten beiden Spielen nicht vorwerfen.“
„Unsere Mannschaft steht geschlossen zusammen“
Mit Blick auf das Spiel gegen die USA erklärte Montella, dass einige Spieler mental noch immer unter den Ereignissen der vergangenen Tage leiden würden. „Manche leiden noch immer unter den ungerechten persönlichen Angriffen. Das verletzt sie. Gleichzeitig sehe ich aber auch, wie eng diese Mannschaft zusammensteht. Unsere Spieler unterstützen sich gegenseitig. Auch erfahrene Führungsspieler wie Caglar Söyüncü, Kaan Ayhan, Irfan Can Kahveci und Mert Günok übernehmen innerhalb der Gruppe eine wichtige Rolle.“

„Mit einer derart negativen Stimmung hatte ich nicht gerechnet“
Montella stellte klar, dass er konstruktive Kritik jederzeit akzeptiere. Mit der Intensität der negativen Reaktionen habe er allerdings nicht gerechnet. „Wenn wir verlieren, erwarte ich keine Komplimente. Aber ich erwarte faire Kritik. Mit einer derart negativen Kommunikation habe ich nicht gerechnet. Nach dem Spiel haben mich viele Menschen unterstützt. Einige wenige haben lautstark kritisiert, doch anschließend kamen viele andere und haben uns Mut zugesprochen.“ Der Trainer appellierte an mehr Zusammenhalt und erinnerte daran, dass die Türkei erstmals seit vielen Jahren wieder an einer Weltmeisterschaft teilnehme. „24 Jahre lang war die Türkei nicht bei einer Weltmeisterschaft vertreten. Jetzt sind wir hier. Wir müssen zusammenhalten und gemeinsam unter unserer Flagge stehen.“
Familiäre Atmosphäre innerhalb der Nationalmannschaft
Auf die Beziehung zu seinen Spielern angesprochen, sprach Montella von einem außergewöhnlich engen Vertrauensverhältnis. „Wir haben eine Beziehung wie innerhalb einer Familie. Ich bin eher der große Bruder als der Vater. Einige Spieler sind kaum älter als mein eigener Sohn. Nach der ersten Niederlage haben mich Spieler gefragt, wie es mir geht. Das hat mich emotional sehr bewegt.“ Der Nationaltrainer hob hervor, dass sich Mannschaft und Trainerstab gegenseitig unterstützten und genau dieser Zusammenhalt eine große Stärke der Nationalelf sei.
Montella schließt Rücktritt kategorisch aus
Besonders deutlich wurde der Italiener bei den Fragen zu seiner Zukunft. „Wenn Sie mich fragen, ob ich zurücktrete: Nein. Ich habe noch immer Energie. Nach diesen Erfahrungen fühle ich mich sogar stärker. Falls es Menschen gibt, die meinen Rücktritt fordern, dann müssen sie akzeptieren, dass ich weitermachen werde.“ Zur Begründung verwies Montella auf die sportliche Entwicklung der vergangenen Jahre. „Vor meiner Amtszeit hatte kein Trainer die Türkei nacheinander sowohl zur Europameisterschaft als auch zur Weltmeisterschaft geführt. Ich bin hoch motiviert. Die Unterstützung unseres Präsidenten und meiner Spieler reicht mir vollkommen aus.“

„Heute kommen die Spieler wieder gern zur Nationalmannschaft“
Montella sieht auch abseits der Ergebnisse deutliche Fortschritte. „Bevor wir gekommen sind, kamen manche Spieler mit gemischten Gefühlen zur Nationalmannschaft. Heute zählen sie die Tage, bis sie wieder für die Türkei spielen dürfen. Genau diese Kultur müssen wir erhalten und weiterentwickeln.“ Als nächstes großes Ziel nannte der Nationaltrainer die erfolgreiche Qualifikation für die kommende Europameisterschaft sowie den dauerhaften Verbleib in der UEFA Nations League A.
„Niemand ist perfekt“
Zum Abschluss räumte Montella ein, dass auch er Fehler mache. „Ich mache ständig Fehler. Meine Mannschaft macht ebenfalls Fehler. Das gilt bei Siegen genauso wie bei Niederlagen. Niemand ist perfekt. Einen perfekten Trainer gibt es nicht. Falls doch, würde ich ihn gern kennenlernen.“ Trotz aller Kritik blickt der Italiener entschlossen nach vorne. Sein Fokus gilt nun ausschließlich dem letzten WM-Spiel gegen die USA – und der Aufgabe, die türkische Nationalmannschaft nach dem enttäuschenden Turnier wieder aufzurichten.


2 Kommentare
Ich bin wahrlich kein Fan von türkischen Sportjournalisten. Ich sehe denen nicht zu und höre denen eigentlich nicht zu. Letzten ist mir bei Instagram dieser Ugur Karakullukcu entgegengekommen und hat einige Sachen gesagt, die einem zum Nachdenken bewegen.
Unter anderem hat er stark kritisiert, dass etliche Spieler kaum bis gar keine Einsatzzeiten bei ihren Teams haben und das ist eines der Punkte, die ich seit Jahren bei der Nati kritisiere.
Ein Kaan Ayhan, Oguz Aydin, Altay Bayindir, Caglar Söyüncü, Mert Günök und Salih Özcan sind Paradebeispiele.
Ein Kaan hat nach diesem Prag Spiel nicht mehr Fuß gefasst und ist seit 2 Jahren abwesend.
Oguz Aydin ist auch seit Monaten außen vor und kriegt kaum Minuten bei FB.
Altay und Mert sind sowieso die zweite Geige bei ihren Vereinen, aber wann genau war deren letztes Spiel?
Caglar Söyüncü hat sich die Karriere selber zerstört, damals unsere große Hoffnung gewesen und jetzt wirklich ein Schatten. Wäre FB nicht so dumm, wäre er vielleicht irgendwo bei Kasimpasa auf der Bank. Durch den Wechsel zu Atletico und der Sprachbarriere hat er wirklich seine Karriere beendet.
Salih Özcan spielte ja sowieso kaum bei Dortmund und wurde die letzten Wochen und Monate gar nicht mehr in den Kader berufen.
Für mich ist die Nationalmannschaft kein Ort, wo man Matchpraxis sammelt. Wenn jemand wie Kenan Yildiz angeschlagen anreist, ist das was anderes. Aber jemand, der nicht bei seinem Verein spielt und dann bei der Nati performen soll, sorry das wird nicht funktionieren.
Da kann natürlich der Spieler nichts für, wenn er berufen wird macht er seinen Job und reist zum Treffpunkt.
Das muss sich grundlegend ändern, wenn keine Einsatzzeiten, dann keine Nominierung.
Ich kann teilweise verstehen, warum Montella einen Salih und Kaan nominiert hat. Die hatten bei der EM eine ganz gute Figur abgegeben, da hat sich Montella gedacht, warum nicht 2 Jahre auch bei der WM?
Ich lege mich da erneut fest, gewisse Spieler sollten nicht mehr nominiert werden. Da fallen mir als erstes Merih und Hakan ein. Auch einen Abdülkerim, Irfan Can und Zeki Celik würde ich erst einmal auf Eis legen.
Wir haben Spieler, die aktuell es einfach mehr verdienen zu spielen. Ein Ozan Kabak hat bei Hoffenheim ein extrem starkes Comeback hingelegt und hat 4 Buden auf seinem Konto. Ein Arda Kurtulan von Göztepe hat wirklich stark aufgespielt und sollte hinten rechts seine Chance erhalten.Auch Mustafa Eskihellac und Ozan Tufan (ob man ihn mag oder nicht, aber er hat bei Trabzon abgeliefert). Ein Yusuf Akcicek und Ahmetcan Kaplan müssen in Zukunft definitiv öfter nominiert und eingesetzt werden. Im Mittelfeld haben wir auch mit Emirhan Ilkan, Isak Vural und Demir Ege Tiknaz wunderbare Talente.
Wieso immer wieder ein Atakan Karazor nominiert wird aber immer ohne Einsatz zurückreist, kann ich nicht verstehen. Die laufende Gerichtsverhandlung wegen der angeblichen Vergewaltigung ist natürlich ein Grund, aber dann nominiert den Typen nicht oder setzt ihn ein wenn er im Kader ist PUNKT. Der Typ liefert bei Stuttgart seit Jahren und ist um weiten besser als ein Kaan, Ismail oder Salih.
Über Aral Simsir muss ich sowieso nicht viel schreiben, 99,99% der Türken hätten ihn nominiert vor einem Oguz Aydin oder Yunus Akgün. 0,1%, sprich Montella, hat sich dagegen entschieden.
In Zukunft muss man eben auf diese Jungs setzen die ich oben aufgezählt habe. Es kann mit solchen Namen wie Hakan Calhanoglu, Merih Demiral, Zeki Celik und Abdülkerim Bardakci nicht weitergehen.
Hocam dein Abgang steht nicht zur Debatte!
Den Druck den du beklagst wird ein Witz dagegen sein falls TFF und du nicht verschwinden nach der WM
Siz önce bi eve gelinde…
Deine Pläne 5 Spieltage Ismail Kartal auszusitzen werden so nicht laufen