Im idyllischen Trainingslager in Topuk Yaylasi hat Fenerbahce-Cheftrainer Ismail Kartal die Weichen für die kommende Spielzeit gestellt. Auf einer ausführlichen Pressekonferenz stellte sich der 65-jährige Übungsleiter den Fragen der Medienvertreter und gewahrte tiefe Einblicke in die Kaderplanungen sowie die sportliche Ausrichtung des Traditionsklubs aus Istanbul. Dabei sprach der Coach ein klares Machtwort bezüglich zweier heiß begehrter Leistungsträger und schickte eine unmissverständliche Kampfansage an die nationale Konkurrenz in der Süper Lig.
Verbleib von zwei Schlüsselfiguren garantiert: Kartal plant fest mit Kahveci und Oosterwolde
Trotz zahlreicher Gerüchte auf dem Transfermarkt wird das Grundgerüst der Mannschaft im Sommer nicht angetastet.
„Irfan Can Kahveci und Jayden Oosterwolde werden in dieser Saison bei uns bleiben. Natürlich wird es auch Abgänge geben. Wir verfügen über viele ausländische Spieler und müssen die geltende 10+4-Regel berücksichtigen. Gemeinsam mit meinem Trainerteam analysieren wir deshalb genau, mit welchen Spielern wir unseren Weg fortsetzen wollen“, stellte Kartal unmissverständlich klar. Der Coach betonte, dass die Transferplanungen mit der Vereinsführung parallel zum laufenden Weltturnier auf Hochtouren laufen. Aktuell befinden sich rund 30 Akteure im Camp. Da die Weltmeisterschaft noch im Gange ist, rechnet der Trainer nach dem Turnier mit interessanten Angeboten für seine Profis, weshalb viele finale Entscheidungen erst verzögert fallen werden.

Der Fenerbahçe-Geist als Maßstab: Meisterversprechen an die treuen Anhänger
Für die neue Spielzeit fordert der erfahrene Fußballlehrer bedingungslose Geschlossenheit von der gesamten blau-gelben Familie.
„Unsere Fans wollen eine offensiv ausgerichtete Mannschaft sehen, die den Fenerbahce-Geist auf den Platz bringt. Es geht um mutigen Fußball, bei dem die Spieler mehr investieren, gleichzeitig aber auch mehr Freude am Spiel haben. Ich weiß genau, was unsere Anhänger erwarten. Deshalb arbeiten wir Tag und Nacht daran, eine Mannschaft aufzubauen, die niemals aufgibt. Wenn wir attraktiven Fußball mit guten Ergebnissen verbinden, können wir hoffentlich Meister werden“, erklärte Kartal emotional. Um dieses ambitionierte Ziel zu realisieren, rief er auch ehemalige Spieler und Experten zu konstruktiver Kritik auf: „In dieser Saison haben wir nur ein Ziel: die Meisterschaft. Ich möchte auch ehemalige Spieler und Experten darum bitten, zusammenzuhalten. Wenn wir Meister werden wollen, müssen wir alle an einem Strang ziehen und diese Mannschaft gemeinsam unterstützen. Dieses Mal werden wir Meister.“
Kritik an der Ausländerregel und der Causa Diego Carlos
Neben den sportlichen Zielen sprach der Trainer auch bürokratische Hürden und vertragliche Besonderheiten im aktuellen Kader an.
Ein Dorn im Auge ist dem Coach die aktuelle Beschränkung für ausländische Profis im Verband. „Meiner Meinung nach ist diese Regelung nicht ideal. Eine 12+2-Regel wäre für alle Vereine deutlich sinnvoller. Natürlich planen wir für beide möglichen Szenarien, aber 12+2 wäre wesentlich praktikabler“, monierte der Trainer. Zudem äußerte er sich zur Personalie Diego Carlos, welcher zuletzt an den italienischen Klub Como ausgeliehen war und noch nicht zurückerwartet wird. Man habe die Situation dokumentieren lassen, da bei Leihgeschäften in Europa Verträge oft formal erst am 30. Juni enden. Man wolle hier schlicht auf Nummer sicher gehen.

Rückendeckung für den Trainerstab und Respekt vor Aykut Kocaman
Gegenwind bezüglich der Zusammensetzung seines Trainerteams, insbesondere gegenüber seinem Sohn, wies der Coach vehement zurück.
„Emre Kartal ist nicht wegen seines Nachnamens hier. Er hat zehn Jahre in der Jugend von Fenerbahce gespielt, professionell Fußball gespielt, Sport studiert, Trainerlizenzen erworben und sich intensiv weitergebildet. Ich habe ihn in mein Team aufgenommen, weil er dafür qualifiziert ist“, stellte sich der Vater schützend vor seinen Assistenten. Auch für den potenziellen Trainerkandidaten Aykut Kocaman fand er warme Worte und bezeichnete ihn als hervorragenden Trainer und engen Freund. Weniger glücklich zeigte er sich über die hohen finanziellen Aufwendungen beim Transfer von Sidiki Cherif, da solche Summen Vereine wirtschaftlich stark unter Druck setzen können.
Österreich-Camp und eine kritische Bilanz zum Abschneiden der Nationalmannschaft
Nach der ersten Phase der Vorbereitung reist der Tross weiter nach Westeuropa, wo der Feinschliff für die europäische Qualifikation erfolgen soll.
Am 5. Juli stoßen die Nationalspieler wieder zum Team, ehe das Trainingslager in Österreich bezogen wird, wo unter anderem ein Testspiel gegen Gornik Zabrze ansteht. Zum Abschluss zog Kartal im Interview mit dem Vereinssender FBTV einen bitteren Vergleich zum Abschneiden der Türkei bei der aktuellen Weltmeisterschaft. „Für mich verfügt die Türkei aktuell über die beste Spielergeneration ihrer Geschichte. Fast alle spielen bei europäischen Spitzenvereinen. Deshalb hatte ich mindestens das Viertel- oder sogar Halbfinale erwartet. Leider ist es anders gekommen. Dieses Ergebnis wird der Qualität dieser Mannschaft nicht gerecht“, bilanzierte der Coach das enttäuschende Vorrunden-Aus, blickt nun jedoch vollends auf den harten Vierkampf in der Liga mit Galatasaray, Besiktas und Trabzonspor.

