Vor dem mit Spannung erwarteten Auftakt der neuen Spielzeit hat an der Schwarzmeerküste ein verbaler Paukenschlag die Gemüter erhitzt. Trabzonspor-Cheftrainer Fatih Tekke hat sich in einem ausführlichen Exklusivinterview mit dem Sportsender A Spor zu den sportlichen Erwartungen, dem völlig überhitzten Transfermarkt und der anhaltenden Kritik an seiner Person geäußert. Dabei wählte der 47-jährige Übungsleiter eine bemerkenswerte emotionale Tiefe und fand deutliche Worte für die Missstände im heimischen Fußball. „Spieler, die laufen können, verlangen inzwischen allein dafür, in die Türkei zu kommen, mehr als drei bis fünf Millionen Euro. Wenn sie im Ausland eine Million verdienen, wollen sie in der Türkei mindestens das Dreifache, manchmal sogar das Fünffache ihres Gehalts. Das ist nicht nur ein Problem von Trabzonspor, sondern des gesamten türkischen Fußballs“, schimpfte der Coach über die Gehaltsforderungen internationaler Profis.
Vergleich mit der Istanbuler Konkurrenz hinkt: Keine astronomischen Summen an der Schwarzmeerküste
Trotz der wirtschaftlichen Diskrepanz zu den finanzstarken Klubs aus der Metropole betont der Trainer die enormen sportlichen Fortschritte des vergangenen Jahres. Nach Einschätzung des Trainers agierte die Mannschaft zuletzt absolut am Limit und schnupperte sogar an den ganz großen Plätzen. „Wir hätten sogar Galatasaray und Fenerbahce überholen können. Dieses Gefühl haben wir vermittelt – obwohl das niemand erwartet hatte. Das haben wir mit den richtigen Entscheidungen innerhalb eines Jahres erreicht. Vielleicht hätte dieser Prozess eigentlich drei Jahre dauern müssen. Entscheidend ist jetzt, dass diese Entwicklung nicht unterbrochen wird“, bilanzierte Fatih Tekke stolz. Gleichzeitig bat er die Anhängerschaft und Medien darum, den Klub nicht permanent mit der Konkurrenz zu vergleichen. Der Verein sei schlichtweg nicht in der Lage, für einen einzigen Akteur 100 oder 150 Millionen Euro auszugeben oder Jahresgehälter von zehn bis fünfzehn Millionen Euro zu garantieren. Zudem beklagte er, dass die Unterstützung aus der eigenen Stadt hinter den Erwartungen zurückgeblieben sei. Für die anstehenden Aufgaben in der UEFA Europa League oder alternativ in der Conference League versprach er dennoch Leistungen, die die Erwartungen der Menschen übertreffen sollen.

Historischer Kaderwert trotz schwerem Erbe: Die nackten Zahlen sprechen für sich
Beim Blick auf die wirtschaftliche Entwicklung des Spielermaterials verweist der Übungsleiter auf eine beispiellose Wertsteigerung des aktuellen Kaders. Der Trainer erinnerte daran, unter welch schwierigen Bedingungen er das Amt beim Traditionsverein angetreten hatte. Die Mannschaft sei damals unausgewogen zusammengestellt gewesen, viele Akteure wiesen identische Profile auf und in der Fremde konnte kein einziges Spiel gewonnen werden. Aufgrund des enormen Zeitdrucks im Transferfenster hätte man eigentlich viel mehr Fehler machen müssen. „Betrachtet man das Gesamtbild, liegt der aktuelle Marktwert von Trabzonspor inzwischen bei rund 150 Millionen Euro. Einen solchen Wert hat es in der Vereinsgeschichte noch nie gegeben“, untermauerte der Coach den Erfolg der sportlichen Neuausrichtung.
Emotionale Beichte des Trainers: Beleidigungen und fehlendes persönliches Glück
Im letzten Teil seiner Abrechnung gewährte der Ex-Profi tiefe, schmerzhafte Einblicke in sein Seelenleben und reagierte auf heftige Anschuldigungen aus dem Umfeld. Mit spürbarer Bitterkeit reagierte der Fußballlehrer auf die Anfeindungen und absurden Gerüchte der vergangenen Wochen. „Niemand sollte unsere Intelligenz unterschätzen. Wir stehen niemandem nach. Ich habe in meinem Leben immer versucht, die Nummer eins zu sein – egal ob als Spieler oder als Trainer. Habe ich das immer geschafft? Nein. Aber ich habe es versucht und immer weiter versucht“, stellte der Coach klar. Unter teils nicht idealen Bedingungen werde das Trainerteam mit den unglaublichsten Behauptungen konfrontiert. Man habe ihnen sogar vorgeworfen, Spiele verkauft zu haben, was von persönlichen Beschimpfungen und Beleidigungen begleitet wurde. Ratschläge, sich nicht darum zu kümmern, ließ er nicht gelten. „Ich bin hier, um alles für Trabzonspor zu tun, was dem Verein helfen kann. Und ehrlich gesagt: Ich bin als Trainer von Trabzonspor nicht glücklich. Hat mich jemals jemand gefragt: ‚Trainer, sind Sie glücklich?‘ Nein, das hat niemand. Und die Antwort lautet: Nein. Ich arbeite, weil ich arbeiten muss. Ich muss alles dafür tun, damit es Trabzonspor besser geht“, gestand Tekke zum Abschluss des ehrlichen Statements.

