Der meilenweite Abstand zur Spitze: Die fünfjährige Epoche der Instabilität bei Besiktas nach dem großen Triumph
Der traditionsreiche Istanbuler Klub Besiktas hat nach glorreichen Zeiten eine beispiellose Phase des sportlichen Niedergangs hinter sich. Seitdem der Verein die Saison 2020/21 mit der Meisterschaft in der Trendyol Süper Lig beendete, kehrte am Dolmabahce-Palast eine lähmende Agonie ein. Die schwarz-weißen Kicker waren in den letzten fünf Saisons völlig vom Spitzenrennen entfernt, seit sie die Meisterschaftstrophäe gewonnen haben. Auch in der jüngst abgelaufenen Saison 2025/26 setzte sich dieses triste Bild nahtlos fort. Die Mannschaft beendete die Spielzeit in der örtlichen Liga mit mageren 60 Punkten auf dem vierten Platz und verabschiedete sich zudem frühzeitig vom Saisontor im türkischen Pokal. Es ist das Resultat einer chronischen Instabilität, die sowohl das Management- und Technikteam als auch das gesamte Spielpersonal erfasst hat und den stolzen Adler jeglicher Erfolgschancen beraubt.
Das erste Alarmsignal und der frühe K.-o. im Titelkampf
Der schleichende Prozess des Verfalls kündigte sich bereits unmittelbar nach dem Titelgewinn an. In die Saison 2021/22 startete das Team mit dem klaren Vorhaben, den Thron zu verteidigen und eine dauerhafte Vormachtstellung aufzubauen, erlebte jedoch auf dem Rasen ein regelrechtes Debakel. Die Schwarz-Weißen zeichneten über die gesamten Monate hinweg das Bild einer völlig verunsicherten Mannschaft und schlossen die Spielzeit letztlich mit gerade einmal 59 Punkten auf dem enttäuschenden sechsten Platz ab. Ein Blick auf das Klassement offenbarte das ganze Ausmaß der Misere, denn der Klub lag sage und schreibe 22 Punkte hinter dem damaligen Meister Trabzonspor. Damit gab das Team das erste Signal für die nächsten schlechten Tage, indem es schon sehr früh im Gipfelrennen die Handtücher warf. Als schwacher Trost einer turbulenten Phase, die unter der Leitung des Technischen Direktors Sergen Yalcin unter der Führung von Präsident Ahmet Nur Cebi begann und später interimistisch von Önder Karaveli sowie schließlich von Valerien Ismael betreut wurde, blieb lediglich der Gewinn des TFF Supercup.

Vergebliche Konsolidierungsversuche im Schatten der Konkurrenz
Im darauffolgenden Jahr keimte kurzzeitig Hoffnung auf, da sich das Team defensiv gefestigter präsentierte. Die Bemühungen, den Gipfel in der Saison 2022/23 anzugehen, reichten am Ende jedoch bei Weitem nicht aus, obwohl die Mannschaft unter Trainer Senol Günes die ganze Saison über mit dem Rivalen um die Meisterschaft kämpfte. Fatale Punktverluste in den entscheidenden Kurven der Meisterschaft machten jedoch alle Träume zunichte. Zwar konnte man das Punktekonto auf 78 Zähler hochschrauben und die Saison auf dem dritten Platz beenden, doch das reichte nicht aus, um den Rückstand von zehn Punkten auf den Führenden zu kaschieren, weshalb die Spielzeit ohne eine einzige weitere Trophäe im Schrank endete.
Die historische Demütigung der 46-Punkte-Blamage
Der absolute Tiefpunkt der jüngeren Vereinsgeschichte sollte jedoch erst noch folgen. In der Spielzeit 2023/24 unterschrieb das Team beinahe einen der größten Zusammenbrüche seiner Historie. Im permanenten Schatten von unaufhörlichen Wechseln auf der Trainerbank und tiefgreifenden Managementkrisen agierten die Kicker auf dem Feld wie ein unkoordinierter Trümmerhaufen. Der Black Eagle trudelte mit einer historischen Negativmarke von nur 56 Punkten erneut auf dem sechsten Platz ein. Die sportliche Demütigung manifestierte sich vor allem im tabellarischen Abstand zum Erzrivalen, denn Besiktas fiel unfassbare 46 Punkte hinter den Meister Galatasaray zurück. Es war eine Epoche des puren Chaos, in der mit Senol Günes, Burak Yilmaz, Riza Calimbay, Fernando Santos und Serdar Topraktepe gleich fünf Übungsleiter die Verantwortung trugen, während im Vorstand Hasan Arat die Nachfolge von Ahmet Nur Cebi antrat.

Das Trainerkarussell dreht sich ohne nennenswerten Effekt weiter
Wer geglaubt hatte, dass der absolute Nullpunkt damit durchschritten sei, sah sich in der Saison 2024/25 eines Besseren belehrt. Der furiose Start mit einem 5:0-Kantersieg im TFF Supercup gegen Galatasaray erwies sich im Nachgang als reine Täuschung. Unter der Regie des Niederländers Giovanni van Bronckhorst gestartet, reichte es in der Endabrechnung abermals nur zu 62 Punkten und dem vierten Platz. Dem Adler gelang es zu keinem Zeitpunkt, den gewaltigen Unterschied von 33 Punkten auf den erneuten Titelträger Galatasaray zu eliminieren. Die sportliche Stagnation zog die nächsten personellen Konsequenzen nach sich. Die Führung um Hasan Arat trat geschlossen zurück, woraufhin Hüseyin Yücel vorübergehend den Vorsitz übernahm. In den letzten Dezembertagen wurde schließlich Serdal Adali in das außerordentliche Plenum gewählt, während die sportliche Verantwortung am Ende beim norwegischen Coach Ole Gunnar Solskjaer lag.
Kontinuierlicher Niedergang auf der europäischen Bühne
Die unrühmliche Konstanz der Erfolglosigkeit blieb auch in der jüngsten Saison 2025/26 das bestimmende Thema. Nach einem misslungenen Start mit Ole Gunnar Solskjaer, der bereits in der zweiten Woche entlassen wurde, sollte Rückkehrer Sergen Yalcin in der zweiten Halbzeit der Saison die Wende herbeiführen. Doch das altbekannte Drehbuch ließ sich nicht umschreiben, sodass am Ende lediglich 60 Punkte und der vierte Rang herraussprangen. Die nackten Zahlen dokumentieren das absolute Versagen der sportlichen Führung, denn nach der Meisterschaft landete der Klub zweimal auf dem sechsten, zweimal auf dem vierten und einmal auf dem dritten Platz. Der gewaltige Punkteunterschied zu den jeweiligen Meistern verdeutlicht, dass die Schere zur Spitze in keiner Weise geschlossen werden konnte.

Parallel zum nationalen Ruin vollzog sich der Absturz im Europapokal. Dieser unheilvolle Prozess begann bereits in der Saison 2021/22 in der UEFA Champions League, als die „Black Eagles“ die Gruppenphase mit null Punkten auf dem letzten Platz abschloss. Nach einem Jahr kompletter Abstinenz auf internationalem Parkett folgten die Enttäuschungen in den schwächeren Wettbewerben. In der Saison 2023/24 schaffte es das Team in der UEFA Conference League nicht, über die Gruppenphase hinauszukommen. Ein identisches Desaster wiederholte sich schließlich im modifizierten System der Saison 2024/25 in der UEFA Europa League. In der neuen Ligaphase präsentierte sich die Mannschaft international vollkommen nichtswürdig und verabschiedete sich mit lediglich drei Siegen und fünf Niederlagen auf dem indiskutablen 28. Platz vorzeitig aus dem Wettbewerb, ohne überhaupt den Namen einer Spitzenrunde in den Mund nehmen zu dürfen.


