WM 2026 im Schatten von Visa-Streit und Einreiseproblemen: Kritik an FIFA wächst
Wenige Tage vor dem Start der FIFA-Weltmeisterschaft 2026 sorgen nicht sportliche Schlagzeilen für Diskussionen, sondern Visa-Probleme, Einreiseverweigerungen und verschärfte Sicherheitskontrollen in den USA. Mehrere Nationalmannschaften sowie ein von der FIFA nominierter Schiedsrichter gerieten in den vergangenen Wochen in Schwierigkeiten. Die Vorfälle werfen Fragen auf – und richten den Fokus zunehmend auf die Rolle der FIFA. Die türkische Zeitung Sözcü berichtet in diesem Zusammenhang von wachsender Kritik an der Passivität des Weltverbandes. Parallel dazu sorgt eine herausragende Sicherheitsmaßnahme für Aufsehen: Das US-amerikanische Federal Bureau of Investigation (FBI) hat drastische Maßnahmen ergriffen, um die Praxis des Einsatzes unbemannter Luftfahrzeuge zu überwachen. Drohnenflüge werden bei Spielen der FIFA-Weltmeisterschaft 2026 in den Stadien in verschiedenen Städten des Landes strengstens verboten sein.

Iran muss Trainingslager verlegen
Besonders betroffen von den behördlichen Restriktionen ist die iranische Nationalmannschaft. Nach Angaben des Medienberichts erhielten zwar die Spieler sowie Trainer Amir Ghalenoei die notwendigen Einreisedokumente, jedoch wurden die Visa-Anträge von 13 Mitgliedern des Verwaltungs- und Betreuerstabs nicht genehmigt. Diese akute Unsicherheit führte letztlich dazu, dass der Iran sein ursprünglich geplantes Trainingslager im US-Bundesstaat Arizona kurzfristig absagen und nach Tijuana in Mexiko verlegen musste. Für die anstehenden Gruppenspiele wird die Delegation dennoch mehrfach gezwungen sein, in die USA einzureisen.
Irak-Star stundenlang befragt
Auch die irakische Nationalmannschaft geriet unmittelbar in den Fokus der Sicherheitsbehörden. Stürmer-Star Aymen Hussein soll nach seiner Ankunft am Flughafen von Chicago rund sieben Stunden lang einer intensiven Befragung unterzogen worden sein. Berichten zufolge überprüften die Beamten zudem eingehend sein Mobiltelefon. Ein offizieller Fotograf des Teams erhielt sogar überhaupt keine Einreisegenehmigung. Diese schwerwiegenden Vorgänge sorgten insbesondere im Irak für heftige öffentliche Diskussionen.

FIFA-Schiedsrichter darf nicht einreisen
Für besonderes Aufsehen und eine handfeste Krise sorgte der tragische Fall des somalischen Schiedsrichters Omar Abdulkadir Artan. Der 34-jährige Unparteiische, der erst im Jahr 2025 von der Afrikanischen Fußballkonföderation zum Schiedsrichter des Jahres ernannt worden war, sollte als erster WM-Schiedsrichter aus Somalia in die Geschichte eingehen. Nach seiner Ankunft am Miami International Airport verweigerten die US-Behörden jedoch die Einreise, er wurde festgehalten und gestern direkt nach Istanbul zurückgeschickt. Damit platzte sein historischer Einsatz bei der Endrunde noch vor dem ersten Anpfiff.
Der Weltverband reagierte mit einer offiziellen Stellungnahme auf den Vorfall und gab bekannt, dass der somalische Fußballschiedsrichter nicht an der FIFA-Weltmeisterschaft 2026 teilnehmen kann. Die FIFA erklärte unmissverständlich: „Die FIFA ist nicht an den Einwanderungsprozessen des Gastlandes, einschließlich der Visabewertungen, beteiligt und wurde von den Behörden darüber informiert, dass der Status von Herrn Artan zum jetzigen Zeitpunkt nicht geändert wird.“. Der Verband fügte hinzu, dass die Länder, die das Turnier ausrichten, die einzige autorisierte Behörde sind, um Visa auszustellen. Letztlich entscheide die gastgebende Regierung, wer ein Visum erhält und wer in das Land aufgenommen wird.

Senegal und Usbekistan berichten von strengen Kontrollen
Auch die Delegationen aus dem Senegal und aus Usbekistan standen im direkten Zusammenhang mit den massiv verschärften Sicherheitsmaßnahmen in den internationalen Schlagzeilen. In den sozialen Netzwerken verbreiteten sich rasant verschiedene Videos, die detaillierte und langwierige Kontrollen der Nationalspieler bei der Einreise zeigen sollen. Die viralen Bilder lösten insbesondere in den jeweiligen Heimatländern der betroffenen Teams scharfe Kritik aus.

Warum die FIFA zunehmend unter Druck gerät
Die Kritik der Öffentlichkeit richtet sich inzwischen nicht mehr nur exklusiv gegen die strikte US-Einreisepolitik, sondern zunehmend gegen den Weltverband selbst. Beobachter bemängeln vor allem, dass die FIFA bislang keine öffentliche Stellungnahme zu den einzelnen Vorfällen der Mannschaften abgegeben hat. Vor dem Hintergrund, dass der Verband die volle Verantwortung für das größte Fußballturnier der Welt trägt, wird ein deutlich stärkeres Eingreifen gefordert. Es wird explizit darauf verwiesen, dass FIFA-Präsident Gianni Infantino bisher keinerlei persönliche Reaktion auf die geschilderten Fälle gezeigt hat.
Knallhartes FBI-Drohnenverbot mit drakonischen Strafen
Um die Sicherheit vor Ort zu gewährleisten, greift das FBI zu drastischen Mitteln. Die Bundesbehörde gab über die Social-Media-Plattform X bekannt, dass die Luftfahrtbehörde FAA (Federal Aviation Administration) einen Antrag auf vorübergehende Flugbeschränkungen gestartet hat. Diese Beschränkungen beginnen ab heute für das FIFA Fans Festival in Houston und bleiben bis zum 19. Juli 2026 vollumfänglich gültig. Das bedeutet konkret, dass bei den gesamten WM-Veranstaltungen absolut keine Drohne geflogen werden darf. Das FBI betonte in seiner Ankündigung, dass nicht autorisierte Drohnenflieger „ein Bundesverbrechen begangen haben und mit einer Geldstrafe von bis zu 100.000 Dollar rechnen könnten“. Die Maßnahmen dienen dazu, Fans, Spieler und die kritische Infrastruktur vor Unfällen und Sicherheitsbedrohungen zu schützen.

In einer ergänzenden Erklärung der FAA wurde präzisiert, dass die gesamten Stadien der FIFA-Weltmeisterschaft 2026 und die umliegenden Veranstaltungsgebiete offiziell als „Drohnen-Distrikt“ ausgewiesen wurden, um allen Spielern, Teilnehmern und Mitarbeitern eine sichere Umgebung zu bieten. Für illegale Drohnenpiloten können strafrechtliche Sanktionen von bis zu 75.000 Dollar pro Verstoß sowie eine zusätzliche Verwaltungsstrafe von bis zu 100.000 Dollar verhängt werden. Zudem ist das FBI gesetzlich befugt, spezielle Präventionsmaßnahmen einzusetzen, um Drohnen direkt zu beschlagnahmen und zu konfiszieren. Bei Verstößen müssen die Täter „mit einer Anklage auf Bundesebene und einer sofortigen Festnahme rechnen“. Zu diesem Zweck hat die FAA die neue Initiative „Unmanned Aerial Vehicle Accelerated and Targeted Sanction Intervention“ ins Leben gerufen, um die Erkennung und Durchsetzung von UAV-Verstößen massiv zu beschleunigen.
Ein schwieriger Auftakt für die größte WM der Geschichte
Die WM 2026 wird erstmals in der Historie des Weltfußballs mit 48 Nationen ausgetragen und gilt unbestritten als die größte Weltmeisterschaft der bisherigen Fußballgeschichte. Doch statt ungetrübter Vorfreude auf die packenden sportlichen Duelle bestimmen derzeit Visa-Fragen, politische Spannungen und die extremen Sicherheitsvorkehrungen des FBI die Berichterstattung. Die kommenden Wochen werden unmissverständlich zeigen, ob weitere organisatorische Probleme auftreten oder ob die Debatten mit dem tatsächlichen Anpfiff des Turniers endlich in den Hintergrund rücken.

