
Viele potenzielle Gamechanger im türkischen Kader
Der Kader ist gespickt mit großen Talenten und Akteuren mit ungeheurem Potenzial. Darunter Kapitän Hakan Calhanoglu, Arda Güler, Kenan Yildiz, Orkun Kökcü, Baris Alper Yilmaz, Ugurcan Cakir, Kerem Aktürkoglu oder Yunus Akgün. Zudem gibt es mit Spielern wie Can Uzun und Deniz Gül Profis in der Mannschaft, die zur Überraschung des Turniers für die Türkei werden könnten. Daher erhoffen sich die türkischen Fußballfans viel von diesen Akteuren, von denen sich GazeteFutbol-Chefredakteur Anil P. Polat diverse vor dem WM-Start ansehen wird. Dabei werden Stärken und Schwächen der Spieler hervorgehoben. Heute geht es mit einem der größten Hoffnungsträger des türkischen Teams weiter: Kenan Yildiz.

Stärken
Ohne jeden Zweifel sind nicht nur die türkischen Anhänger, sondern die Fußball-Fans weltweit auf den Auftritt von Türkei-Top-Talent Kenan Yildiz gespannt. Der 21-jährige gebürtige Regensburger hat sich in den letzten beiden Spielzeiten kontinuierlich gesteigert und in dieser Saison für viele den endgültigen Durchbruch geschafft. Doch ist Yildiz bereits ein internationaler Star? Dies muss der technisch starke Linksaußen jetzt auf der großen WM-Bühne bestätigen. In der italienischen Serie A übernahm Yildiz eine wichtige Rolle im Team und lieferte mit zehn Toren und sieben Assists in 36 Ligaspielen eine starke Saisonleistung ab. In der UEFA Champions League kam der 28-malige Nationalspieler auf einen Treffer und drei Vorlagen.
Was Yildiz so wertvoll macht, is seine Unberechenbarkeit. Der frühere Jugendspieler des FC Bayern München verfügt über einen starken Antritt, ist extrem dribbelstark und schlägt gefährliche Finten bei seinen stetigen Tempovorstößen. Sobald Yildiz den Kopf hochnimmt, hat er nur noch einen einzigen Gedanken: nach vorne zu spielen. Ein unwiderstehlicher Zug zum Tor gepaart mit einem ausgezeichneten Abschluss runden das Bild vom brandgefährlichen Außenstürmer ab. Überdies beweist Yildiz immer wieder gute Übersicht und hat sich in dieser Saison regelmäßig als Vorbereiter mit einem guten Auge für seine Mitspieler hervorgetan. Diese uneigennützige Eigenschaft und der Verzicht auf puren Egoismus vor dem Tor schärfen die Bedeutung von Yildiz für die türkische Offensive.
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Schwächen
Neben seinen zahlreichen Vorzügen hat Yildiz auch mit einigen Defiziten zu kämpfen. Einige sind mentaler, einige physischer Natur. Zum einen ist die Erwartungshaltung und der Hype um Yildiz, ähnlich wie um seinen Teamkollegen Arda Güler, riesig geworden. Yildiz steht im absoluten Scheinwerferlicht und muss sich gegebenenfalls bei durchwachsenen Auftritten deutlich mehr Kritik anhören als seine Mitspieler im türkischen Team. Diesen psychischen Druck gilt es für den Youngster zu meistern. Heutzutage wirkt die Kritik durch die digitale Berichterstattung und die zahllosen Social-Media-Plattformen tausendfach stärker als früher. Das Abschotten von dieser Ablenkung wird immer schwieriger. Hier liegt der erste Faktor begraben, um den sich Yildiz neben dem Sportlichen kümmern muss.
Des Weiteren startet der flinke Flügelmann mit einem körperlichen Manko ins Turnier. Aufgrund einer hartnäckigen Wadenzerrung musste Yildiz lange pausieren und verpasste auch die beiden Testspiele der Türkei gegen Nordmazedonien (4:0) und Venezuela (2:1) sowie den Großteil der Turniervorbereitung mit der Mannschaft. Seine körperliche Verfassung wirft Fragezeichen zum jetzigen Zeitpunkt auf, zumal diese ohnehin eines seiner Defizite ist. Yildiz beginnt meist stark in den Partien, baut aufgrund seiner kräftezehrenden Spielweise mit vielen Tempo-Dribblings meist im Laufe der Partie oftmals schon nach 45-70 Minuten deutlich ab.

Hier muss er mit seiner Kondition ökonomischer umgehen und lernen seine Energie besser auf die vollen 90 Minuten zu verteilen. Zu oft will er die Dinge auch erzwingen und mit dem Kopf durch die Wand, sodass er sich häufig an der gegnerischen Abwehr festspielt und sich in weitere undurchdachte Anläufe verbeißt, wenn es nicht direkt so läuft, wie er es sich vorstellt. Zu guter Letzt bemängelten seine aktuellen sowie früheren Trainer Massimiliano Allegri, Igor Tudor oder Luciano Spalletti, dass sich Yildiz in der Entscheidungsfindung vor dem gegnerischen Strafraum bzw. Tor verbessern müsse. Er treffe häufig falsche Entschlüsse, was seine Effektivität vor dem Gehäuse des Gegners massiv reduziere. Auch hier arbeitet Yildiz seit einiger Zeit vermehrt an seinem Spiel-IQ und zeigt erfreuliche Fortschritte, auf die jetzt die komplette türkische Fußballwelt während der WM hofft.

