Türkischer Fußball

Kolumne: Die türkischen Teams sind international nicht konkurrenzfähig

Die vergangene Europapokalwoche war für die türkischen Teams wieder einmal mehr als ernüchternd. Bei vier Heimspielen der Süper Lig-Vertreter Galatasaray, Medipol Basaksehir, Besiktas und Trabzonspor sprang kein einziger Sieg heraus. Dem türkischen Rekordmeister kann man zur knappen 0:1-Niederlage gegen Paris keinerlei Vorwürfe machen. Im Vergleich zu den zum Teil desolaten Auftritten in der Liga war das eine mehr als ansprechende Vorstellung der „Löwen“.

Umfrage: 60 Prozent glauben an ein Scheitern

Anders sieht es bei den aktuellen Europa League-Teilnehmern aus. Während Besiktas eine überaus indisponierte Leistung an den Tag legte und gegen ein extrem schwaches Wolverhampton am Ende sogar verlor, mussten sich Basaksehir und Trabzonspor nach eigentlich gelungenen Vorstellungen mit nur einem Punkt zufriedengeben. Die ernüchternde Bilanz: Alle türkischen Teams sind nach zwei Spieltagen in sämtlichen Europapokalwettbewerben noch ohne Sieg! Ein Umfrage auf „beIN SPORTS“ in den letzten Tagen ergab, dass ganze 60 Prozent der Stimmbeteiligten annehmen, dass keines der türkischen Vertreter die Gruppenphasen überstehen wird.

Wo müssen die Süper Lig-Coaches ansetzen?

Und die Annahme der „beIN SPORTS“-Leser kommt nicht von ungefähr. Ohne ins Detail gehen zu wollen ist nach den insgesamt acht Gruppenspielen ersichtlich: Den türkischen Teams fehlt es weiterhin an Kaltschnäuzigkeit, taktischer Reife und Cleverness. Hierbei kann man nicht mal mehr den türkischen Spielern einen Vorwurf machen, da quasi fast alle Teams bis auf wenige Ausnahmen nur noch mit Ausländern spielen. Spielern wie Martin Skrtel, Jose Sosa oder auch Domagoj Vida fehlt es sicherlich nicht an internationaler Erfahrung. Wo genau müssen die Coaches also ansetzen? Bei sich selbst, bei ihrer Mannschaft oder gar dem taktischen Verständnis im Trainerstab? Dass die türkischen Teams die englischen Wochen nicht verkraften können, ist ein weiteres Problem. Die Resultate vor und nach den Europapokalspielen belegen dies nicht immer, aber in der Regel.

Fünfjahreswertung: Kein Licht am Ende des Tunnels

Die nächsten Wochen werden zeigen, inwieweit man als Süper Lig-Topklub bereit ist, sich weiterzuentwickeln. In der Süper Lig langen zumeist Kampf, Motivation und individuelle Qualität aus. In den europäischen Wettbewerben allerdings bei weitem nicht mehr, wenn sich die Türkei vor Nationen wie Österreich, der Ukraine oder beispielsweise auch Belgien sieht. Den aktuellen Stand der Fünfjahreswertung sehe ich für die Türkei sogar noch als positiv an. Länder wie Dänemark, Griechenland und auch Tschechien sind denn Türken aktuell ebenbürtig, wenn nicht sogar voraus. Dennoch rangiert man derzeit noch auf Platz 11. Zum Glück konnte Österreich mit einem Remis und zwei Niederlagen den Rückstand auf die Türkei nicht verkürzen. Der Blick der Türken soll ja aber noch vorne gehen. In der aktuellen Verfassung wird es allerdings nicht möglich sein, die Ukraine zu überholen. Das Ende vom Lied wäre, dass sich der türkische Meister ab der übernächsten Saison auf dem „Meisterweg“ für die Königsklassen-Gruppenphase qualifizieren müsste. Und da müssen sich die türkischen Fußball-Liebhaber eingestehen: Wir haben es verdient!


Der aktuelle Stand der Fünfjahreswertung:

1. Spanien – 89,283
2. England – 77,605
3. Deutschland – 61,212
4. Italien – 60,225
5. Frankreich – 51,748
6. Russland – 43,549
7. Portugal – 43,449
8. Belgien – 35,300
9. Niederlande – 32,750
10. Ukraine – 31,900
11. Türkei – 31,000
12. Österreich – 29,925

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Erdem Ufak

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6 Kommentare

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    8. Oktober 2019 um 23:22 —

    Ich würde mal behaupten, dass das Spiel GS gegen FB das Spitzenspiel in der türkischen Süperlig ist, ich meine, das sind doch mit weitem Abstand die beiden Vereine die die meisten Pokale im Fussball in der Türkei gewonnen haben oder?

    Außerdem würde ich noch behaupten, das diese beiden Mannschaften für türkische Verhältnisse Jahr für Jahr das meiste Geld in ihren Kader investieren dogrumu?

    In Anbetracht dessen müsste doch somit dieses Instanbul Derby theoretisch das qualitativ beste und ansehendste Spiel in der gesamten türkischen Süperlig sein oder?

    Aber genau das Gegenteil ist doch hier der Fall, hat euch diese Begegnung am 6. Spieltag gefallen oder gar unterhalten? Das war doch absolut kein Fussballspiel, die Spielqualität falls es sowas überhaupt gegeben hat war doch absolut erbärmlich, anders kann man das doch gar nicht mehr ausdrücken oder?

    Wenn dieses “Spitzenspiel” der beiden erfolgreichsten Vereinsmannschaften der Türkei in sportlicher und qualitativer Hinsicht so minderwertig abläuft, dann kann man doch in den anderen Begegnungen auch keine besonders hohe Qualität erwarten oder?

    Im Derby ging es doch nur darum nicht zu verlieren, gewinnen wollen ist aber was völlig anderes. Und mit der gleichen Mentalität treten alle türkischen Mannschaften auch im Europapokal an, sie wollen in erster Hinsicht nicht verlieren ums Gewinnen gehts ihnen doch schon lange nicht mehr und genauso spielen sie auch.

    Wenn eine türkische Mannschaft keine Tore schießen kann oder will, dann will sie m.M.n. auch nicht gewinnen, so einfach ist die ganze Sache zu erklären.

  2. Avatar
    8. Oktober 2019 um 17:50 —

    Ich stelle mir schon seit längerem die Frage, warum ausländische Vereine immer weiter wachsen, während unsere türkischen Vereine immer weitere den Rückschritt machen. Die Ergebnisse liegen auf der Hand, kein einziger Sieg obwohl alle zu Hause gespielt haben…
    Es gibt viele Punkte die ich als Ursache nennen würde:

    1. Ein Blick auf unsere Liga genügt hier. Anadolu Vereine spielen gegen die Istanbuler-Clubs keinen Fußball. Nein hier wird nur auf Zeit gespielt und der Bus vor dem Tor geparkt. Wie soll sich denn die Liga weiterentwickeln, wenn kein Fußball gespielt wird? Ich habe das Spiel GS-Konya gesehen, bis zum Gegentreffer hat Konya nichts gemacht, was man als Fußball bezeichnen würde. Eher im Gegenteil man hat total auf Zeit gespielt, erst nach dem Gegentreffer hat Konya plötzlich angefangen mit Fußball und komischerweise lag man dann nicht mehr auf dem Boden.
    Hier gibt es genügend weitere Beispiele. Trainer wie Kocaman, Karaman, Kartal und Co. praktizieren einfach nur eine Sache: Beton anrühren bis der Schiri abpfeift.

    2. Diese ständigen Ausreden wie “wir spielen x Spiele in x Tagen”. Wenn man international spielt, ist so etwas total normal. Was sollen denn bitte die englischen Vereine sagen, die dann noch gefühlt 5 Pokale haben. Ein David Silva hat im vergangenen Jahr 65 Spiele für Land und Verein absolviert, hat er je sein Mund aufgemacht? Und dabei gibt es in England keine Winterpause.
    Hier hört man nur “die Spieler sind müde”, “wir brauchen Pausen” usw. Wenn du kein Bock darauf hast, dann qualifizier dich nicht für die CL/EL.

    3. So etwas wie eine Taktik gibt es in der Türkei einfach nicht. Für mich spielen alle den selben Fußball. Einfach den Ball nach vorne, der Stürmer wird ihn irgendwie schon bekommen. Oder, der Flügelspieler knallt den Ball in die Mitte.
    Es gibt leider 0 Taktik, 0 Spielaufbau und keine qualifizierten Leute die so was wie eine Spielphilosophie aufbauen möchten.

    Wir werden unseren Platz an der 5-Jahres-Wertung verlieren und dann muss der Meister in die CL-Quali. Für mich ist das auch absolut gerecht, wir verdienen uns das nicht.

  3. Avatar
    8. Oktober 2019 um 17:16 —

    Das es die letzten Jahre in der Meisterschaft oftmals eng wurde an der Spitze zeigt eindeutig das die Teams nicht stärker wurden sondern die Topteams schwächer.

    @Efsane du machst es dir da ein wenig zu einfach die Schuld auf die Gegner zu schieben das die Gegner sich oftmals fallen lassen, auf Zeit spielen und auch das hinten reinstellen ist schon richtig jedoch ist das mit Sicherheit nicht der Grund für das scheitern unserer Mannschaften in Europa.

    1.Es fängt doch schon bei der Jugendförderung an welches Team fördert und legt Wert auf die Jugend da wäre einzig und allein Trabzon von unseren “Topteams” möchte niemand dieses Risiko eingehen.

    2.Der Ökonomische Stand unserer Teams wenn man dermaßen verschuldet ist kann man sich eben auch keine Qualitativ guten Spieler kaufen und mal 20-30 Mio ausgeben

    3. Da kommen wir auch schon zur Transferpolitik die dermaßen katastrophal ist und auch für die Finanzielle Situation verantwortlich ist man baut sich nichts Zukunftsorientiertes auf, momentan ist ja das Leihmodell sehr beliebt was für mich aber absolut nicht sinnvoll ist 1-2 Leihen sind ja in Ordnung jedoch 4-5 Spieler und wenn diese dann auch noch als Stammspieler holt und das Jahr darauf wieder verlassen ist es eben unmöglich Kontinuität herzustellen.

    4. Trainerausbildung ist unglaublich amateurhaft Senol Günes hat ja soweit ich weis seine Tranerlizenz in Deutschland erworben das merkt man auch bei ihm jedoch merkt man dem Großteil der Trainer in der Süper Lig einfach an das diese keine Ahnung von Fußball haben und ihre Teams dementsprechend auch auftreten. Ich bin mir auch nicht wirklich sicher ob wirklich alle Trainer eine A Lizenz verfügen und würde mich auch nicht wundern.

    5.Merchandising und Sponsoring die Teams handeln in diesem Bereich ebenfalls wie Amateure man macht im Prinzip jedes Jahr das gleiche auch mit den Sponsorenverträge, das ist wirklich lächerlich das man so im Durchschnitt 3-5Mio EUR einnimmt das ist nichtmal im Ansatz im Bereich der Spitzenmannschaften in Europa.

    6. Scouting wenn es sowas überhaupt gibt bestes Beispiel Fenerbahce man hat vor der Saison rum posaunt das man 200 Spieler intensiv beobachtet und Analysiert hat und dann kamen letztenendes Spieler wie Tonga,Tolgay usw.
    Auch bei der Konkurrenz sieht es nicht besser aus man verfällt immer wieder in dieselben Muster. Wenn man mal in Afrika oder Asien Schuten würde, würde man mindestens mit einer Handvoll sehr talentierter Namen wieder zurück kommen dort gibt es unglaublich viel Talentierte Spieler, auch in der Türkei gibt es ebenfalls sehr viele talentierte Spieler die man unter anderem durch Workshops oder Street Turniere erkennen kann. Doch wie so oft kommen abgehalfterte Altstars die ihren Zenit schon lange überschritten haben in die Türkei und diese Spieler verdienen einen Ars.. voll Geld es wird nicht mehr lange dauern bis ein Verein an einen Milliardären verkauft wird der ein neues Spielzeug braucht wobei das vielleicht auch nicht mal so übel wäre wodurch man dann eventuell Konkurrenzfähig werden würde.

    Ich denke es gibt noch eine Menge mehr was man zu diesem Thema schreiben kann, der Punkt ist das unsere Teams immer schlechter werden und das wohl auch nicht besser wird und ich denke auch das wir den direkten Platz in Zukunft verlieren werden

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    8. Oktober 2019 um 14:45 —

    Schade, wir haben somit unseren direkten Platz für die CL abgegeben, dass ist wirklich sehr bitter.

    Ich denke, aktuell sollte nur Fenerbahce in der CL vertretten sein.

  5. Avatar
    8. Oktober 2019 um 14:00 —

    Aynen so sehe ich es auch Hr. Ufak

    Wenn man sich in der Süperlig alle 10 Sekunden fallen lässt, das Spiel z.B. beim Abstoß 15 mal verzögert, alle paar Minuten ein Foul begeht, der Schiedsrichter jede Kleinigkeit abpfeift, sich die Anadolumannschaften 90 Minuten hinten reinstellen und den Ball nur 45 Minuten im Spiel laufen lässt, dann bekommt man im Europapokal wo es fundamental anders läuft zwangsläufig Schwierigkeiten, deshalb sind die Ergebnisse der türkischen Vereine in meinen Augen völlig normal.

    Wenn wir den einen CL Qualiplatz auch noch verlieren, dann ist das für mich an Peinlichkeit nicht mehr zu überbieten, ich bin hier sowieso der Meinung, das kein einziger türkischer Verein in der CL etwas zu suchen hat. Ich meine was haben denn Vereine die kein Fussball spielen bzw. keine Tore schießen können in der CL zu suchen, rein gar nichts oder?

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      8. Oktober 2019 um 15:15

      ich gebe dir hierzu 100% Recht. Wir haben schon etwas länger nichts mehr in der CL zu suchen.

      Leider landen wir Türken nur in einer Statistik auf Platz eins, nämlich in der Selbstüberschätzung.

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