Nach dem hart umkämpften 1:1-Unentschieden im Rückspiel der zweiten Qualifikationsrunde zur UEFA Champions League gegen den polnischen Vertreter Gornik Zabrze zog Fenerbahce-Cheftrainer Ismail Kartal auf der anschließenden Pressekonferenz eine klare Bilanz. Trotz des erreichten Einzugs in die dritte Qualifikationsrunde dank des 2:1-Gesamtergebnisses sparte der 65-Jährige nicht mit kritischen Worten zu den Schwächephasen seiner Mannschaft.
Kartal analysiert Leistungssprünge und meidet Ausreden
Wie die Pressekonferenz im Stadion von Gornik Zabrze verdeutlichte, sah der Übungsleiter zwei völlig unterschiedliche Spielabschnitte seines Teams. „Wir haben uns gut auf das Spiel vorbereitet. Auch unser Gegner war gut vorbereitet. In der ersten Halbzeit haben wir nicht besonders gut gespielt. In der zweiten Halbzeit stand dagegen eine völlig andere Fenerbahce-Mannschaft auf dem Platz. Wir haben uns Chancen erspielt und hätten auch weitere Tore erzielen können, aber leider ist uns der zweite Treffer nicht gelungen. Solche Spiele in Europa sind nicht einfach. Unser Gegner ist ebenfalls eine gute Mannschaft. Gemeinsam mit seinen Fans hat er bis zum Schlusspfiff gekämpft. Ich gratuliere ihnen ebenfalls. Es war ein gutes Spiel. Am Ende haben wir den Einzug in die nächste Runde geschafft. Daraus müssen wir unsere Lehren ziehen. Wir werden weiter daran arbeiten, was wir gut gemacht haben, wo unsere Defizite liegen und was wir noch verbessern können“, betonte Kartal ausführlich.
Einen Formabfall der Akteure wies der Chefcaoch dabei entschieden zurück. „Ich glaube nicht, dass das mit der Form der Spieler zusammenhängt. Dieselben Spieler haben in der zweiten Halbzeit eine ganz andere Leistung gezeigt. Unser Gegner war sehr entschlossen. Den Druck, den wir eigentlich auf sie ausüben wollten, haben sie auf uns ausgeübt. In der zweiten Halbzeit haben wir dann das Spiel gezeigt, das wir uns vorgestellt hatten. Zwischendurch gerieten wir zwar einige Minuten unter Druck, aber insgesamt war dieses Spiel ein guter Test für uns“, stellte der Übungsleiter der Istanbuler klar.
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Erhöhter Fokus auf Standards und Taktikwechsel im Zentrum
Besonderes Augenmerk richtet das Trainerteam aktuell auf ruhende Bälle und die defensive Abstimmung im Zentrum. „Standardsituationen haben in dieser Saison für uns einen sehr hohen Stellenwert. Sowohl defensiv als auch offensiv arbeiten wir intensiv daran. Gemeinsam mit meinem Trainerteam tun wir alles, was für die Weiterentwicklung der Mannschaft notwendig ist. Aus diesem Abend haben wir viele wertvolle Erkenntnisse gewonnen. Wir werden uns weiterentwickeln und unseren Weg konsequent fortsetzen“, erklärte Ismail Kartal.
Bezüglich der defensiven Schläfrigkeit im ersten Durchgang wurde der Übungsleiter noch deutlicher: „Entweder waren wir in der ersten Halbzeit nicht ausreichend konzentriert oder wir hätten den Ball in der Offensive länger behaupten müssen. In der zweiten Halbzeit ist uns das deutlich besser gelungen. Mit der Einwechslung von Ismail (Yüksek) sind wir außerdem in den Zweikämpfen aggressiver geworden.“
Erschöpfung bei Anderson Talisca zwang zu Auswechslungen
Auch die späten personellen Rochaden begründete der Trainer detailliert. „Talisca war sehr müde. Er konnte den Ball kaum noch behaupten. Deshalb haben wir Oguz (Aydin) und Musaba eingewechselt, um den Ball besser festzumachen, im Eins-gegen-eins gefährlich zu werden und mit schnellen Spielern das zweite oder dritte Tor zu erzielen. Das hat leider nicht funktioniert. Wir sind eigentlich eine Mannschaft, die den Ball laufen lässt und den Ballbesitz kontrollieren möchte. Heute konnten wir den Ball jedoch nicht so lange in unseren Reihen halten, wie wir es wollten. Deshalb konnten wir den Gegner nicht laufen lassen und gerieten selbst unter Druck. Das waren unsere Schwächen“, räumte Kartal unumwunden ein.

Nathan Ake schwärmt von Abwehrpartner Milan Skriniar
Neben dem Trainer äußerten sich auch Führungsspieler nach der Partie. Neuzugang Nathan Ake zeigte sich erleichtert über den Ausgang des Duells. „Wir freuen uns, dass wir die nächste Runde erreicht haben. Das war unser Hauptziel. Wir sind ordentlich ins Spiel gestartet und haben früh ein Tor erzielt. Danach haben wir uns jedoch zurückgezogen und den Gegner stärker werden lassen. Dadurch haben wir Chancen zugelassen und uns das Leben selbst schwer gemacht. In der zweiten Halbzeit waren wir deutlich besser. Wir haben uns Möglichkeiten herausgespielt, konnten sie aber nicht nutzen. Hätten wir getroffen, hätte das Ergebnis auch deutlicher ausfallen können“, bilanzierte der Verteidiger.
Besondere Worte fand der Niederländer für seinen Partner in der Innenverteidigung, Milan Skriniar. „Die Kommunikation zwischen Skriniar und mir funktioniert sehr gut. Bis jetzt haben wir gute Arbeit geleistet. Wir sprechen viel miteinander. Ich schätze ihn auch menschlich sehr. Er ist ein Spieler auf höchstem Niveau, intelligent, stark am Ball und ein großartiger Fußballer. Mit jeder Woche werden wir als Duo noch besser harmonieren“, zeigte sich Nathan Ake überzeugend.
Torhüter Mert Günok unterstrich derweil seinen eigenen Arbeitsethos im Hintergrund: „Ich arbeite nicht nur an hohen Hereingaben, sondern grundsätzlich ständig an meinem Spiel. Vielleicht zeige ich das nach außen nicht so sehr. Ich nutze soziale Medien kaum und lasse auch niemanden in meinem Namen sprechen. Aber ich werde bis zum Ende meiner Fußballkarriere weiter hart arbeiten.“


