Besiktas

GazeteFutbol Exklusiv-Interview mit Fabian Ernst, dem Leiter der Besiktas Footballschool Europa


Fabian Ernst hat in seiner Karriere viel erreicht. Der frühere Spitzensportler war Deutscher Meister und Pokalsieger mit dem SV Werder Bremen sowie deutscher Nationalspieler (24 Länderspiele). In die türkischen Fußball-Herzen spielte sich der gebürtige Hannoveraner nach seinem Wechsel zu Besiktas, wo er zwischen 2009 – 2012 kickte. In dieser Zeit holte der „Alman-Panzer“ mit den „Schwarzen Adlern“ am Ende der Saison 2008/2009 das Double aus Meisterschaft und Pokalgewinn und konnte den Pokalsieg mit den Schwarz-Weißen am Ende der Spielzeit 2010/11 wiederholen.

Für viele BJK-Fans ist Fabian Ernst ein echter Kultspieler des Vereins und genießt große Beliebtheit bei der Anhängerschaft des Klubs vom Dolmabahce-Palast. Sein Name ist in der Türkei untrennbar mit Besiktas verbunden und auch heute will der mittlerweile 41-Jährige dem Verein etwas zurückgeben und sucht in Deutschland und Europa Talente für seinen ehemaligen Verein. Im exklusiven Interview mit GazeteFutbol sprach Fabian Ernst mit uns über das spannende Projekt der Besiktas Footballschool in Europa.

Wie kam es zu diesem Projekt, wie sieht die Entstehungsgeschichte dahinter aus?

Arun (Mirzada) und ich hatten bereits unsere Projekte hier in Hannover beziehungsweise anfangs auch im Ruhrgebiet. Dann hat sich das Ganze mehr nach Niedersachsen verlagert, dass wir hier Coerver-Kurse angeboten, Nachwuchstraining gemacht und auch Camps veranstaltet haben. Ich habe auch zwei elfjährige Kinder. Die sind in der Zwischenzeit zur 96-Fußballschule gegangen. Man hat dann mitbekommen, dass auch Real Madrid anwesend war und der Markt halt da ist. Da haben wir uns überlegt, ob das keine schlechte Idee wäre mit dem Backround, den ich bei Besiktas habe, anzufragen, ob diesbezüglich Möglichkeiten bestehen. Und heute sind wir hier.



Welche Philosophie verfolgt das Projekt? Wie kann man das für interessierte junge Talente am besten in Worte zusammenfassen?

Ich denke, dass wird jede Fußballschule von sich behaupten, dass sie attraktives und hochwertiges Training bietet. Bei uns weiß ich, dass das passiert. Dass wir geschultes Personal haben, das anspruchsvolles Training für die Jungs und Mädels bieten kann. Und wir haben es uns auch auf die Kappe geschrieben, dass wir die Kids, also die Besten, dann auch irgendwann einmal nach Istanbul bringen wollen. Dass da die gewisse Ernsthaftigkeit dahinter ist, falls ein Talent wirklich einmal auffällt, zumindest in den Büchern von Besiktas bei den Scouts drinsteht. Das wäre der Anspruch, den wir haben in den nächsten drei bis vier Jahren, dass Spieler hier auch weiterbeobachtet oder zu einem Probetraining eingeladen werden.

Kommen wir auf die Trainingscamps zu sprechen. Wie genau sind die Camps aufgebaut und wie laufen diese grundsätzlich ab?

Das ist ganz unterschiedlich. Wir sind wie alle anderen auch größtenteils an die Ferienzeiten der Bundesländer gebunden. Dementsprechend machen wir mal zwei Zwei-Tages-Camps oder Fünf-Tages-Camps. Was den Aufbau betrifft, war das Camp hier in Hannover vielleicht ein gutes Beispiel. Hier war auch der (Besiktas-)Fanklub mit dabei. Wir wollen auch ein bisschen die türkische Community mit einbinden bzw. wir wünschen uns das. Es soll auch ein wenig Volksfest-Charakter haben, wenn ich mal etwas zu hoch greife. Ich denke, die Fans unterstützen uns gerne. Und das gibt der Sache dann noch ein ganz besonderes Flair. Und auch für die Kids ist das bestimmt eine schöne Sache, wenn etwas Leben drin ist. Wenn da Köfte verkauft wird. Gehört halt einfach dazu. Wir sind halt nicht die Real Madrid-Fußballschule, sondern Besiktas-Fußballschule. Dementsprechend wollen wir da auch den türkischen Part etwas darstellen.



Ihr startet mit den Camps deutschlandweit. Werdet diese aber auf andere europäische Staaten ausweiten. In welchen Ländern dürfen sich die Kids auf Eure Camps und die damit verbundenen Chancen, die die Besiktas Footballschool bietet, freuen?

Schweiß, Österreich, Dänemark, die Niederlande. Das sind die Länder, auf die wir uns neben Deutschland konzentrieren wollen. Es ist jetzt schon aus dem Stegreif schwierig genug, in Deutschland das Netzwerk aufzubauen. Aber, wenn das erstmal steht, dann ist es etwas einfacher. Ich denke, wenn du zum Beispiel nach Wien gehst, dort auch auf großen Anklang treffen wirst, wenn Besiktas in die Stadt kommt. Ich denke schon, dass wir in den großen Städten einiges machen können.

Erfolgte der Übergang des Projekts unter dem neuen Vorstand reibungslos oder mussten die Planungen abgeändert werden und neue Kompromisse geschlossen bzw. neue Systemvorgaben umgesetzt werden?

Vom Konzept her, das wir hier in Deutschland aufgestellt haben, ist es gleich geblieben. Aber es ist ja normal, wenn ein neuer Vorstand kommt, dass man das erst kontrollieren muss und vielleicht auch andere Ideen im Kopf hat. Das hat halt alles etwas gedauert, bis es in die Gänge kam. Zumal Besiktas so etwas ja noch nicht betreibt in Europa. Es ist etwas völlig Neues. Es musste sich jeder erst einmal daran gewöhnen, was wir denn da überhaupt vorhaben. Ich glaube, dass war noch nicht so einleuchtend. Ich denke, mittlerweile sind wir da ganz gut im Flow drin. Am Anfang hat es etwas gestockt.

Ist die Besiktas Football School ein vollständig eigenständiges Projekt oder operiert man gemeinsam mit dem Verein und der BJK Akademie in Istanbul?

Wir sind autark.

Können junge Talente tatsächlich auf den Sprung zu Besiktas und die Aufnahme in der BJK Akademie hoffen? Wie würde das konkret aussehen und auf welche Kriterien legt ihr besonderen Wert?

Eine gewisse fußballerische Qualität wird natürlich dabei sein. Nichtsdestotrotz wollen wir darüber hinaus soziale Kompetenzen und solche Kategorien mit einfließen lassen. Dass solche Jungs und Mädels auch die Chance haben, in den Genuss zu kommen, vielleicht mal in Istanbul zu trainieren. Es reicht ja erstmal, wenn man ein bisschen auf sich aufmerksam macht.



Welche beruflichen Ziele im Fußball verfolgt Fabian Ernst nach seiner sehr erfolgreichen Zeit als Spieler? Kannst Du Dir eine Trainerkarriere vorstellen. Oder planst Du eher als Spielerberater/Manager zu arbeiten oder den Bereich Scouting- und Jugendausbildung auszubauen? Wo liegen Deine Prioritäten?

Wir haben zum einen die Besiktas Fußballschule. Zudem haben wir hier in Hannover einen Jugendverein gegründet, wo wir sechs Mannschaften haben (FIA Hannover – Football Innovation Academy, Anm. d. Red.). Den wollen wir ausbauen und möchten mit diesem größer werden. Seit dieser Saison sind wir damit am Start. Das ist auch noch etwas, was in den Babyschuhen steckt, aber etwas ist, was wachsen und größer werden soll.

Darüber hinaus sind wir an der Entwicklung des Smartballs dran. Da haben wir hoffentlich in drei bis vier Monaten Marktreife. Das wird auch nochmal ganz spannend. Also du siehst, ich habe ein paar Sachen, um die ich mich neben der Familie kümmere. Von daher ist eine Trainerkarriere nicht angedacht.

Sagen wir, Euch sind ein, zwei Talente während der Trainingscamps aufgefallen, die leistungstechnisch vielversprechend sind und von denen Ihr denkt, dass sie großes Potenzial haben. Wie läuft es dann genau ab? Wie geht es Schritt für Schritt für die Youngster weiter auf der Road to Besiktas?

Diesbezüglich müssen wir noch entscheiden, ob wir zusätzliche Tryouts machen oder diese direkt nach Istanbul einladen. Das würde ja in der Sommerpause passieren, höchstwahrscheinlich. Corona-bedingt steht da derzeit einiges nicht fest. Fördertraining ist denke ich auch relativ sinnvoll, was auch einfacher durchzuführen ist. Wenn du über sechs bis acht Wochen Sondertraining von unseren geschulten Trainern bekommst. Das bringt auch noch einmal ganz viel. Dass wir da gute Jungs und Mädels haben, die wir weiterempfehlen können.



Gehen wir noch einen Schritt weiter. Nehmen wir an, eins der Talente hat die BJK Scouts überzeugt und soll in Istanbul in die BJK Akademie aufgenommen oder dieser vorgeschlagen werden. Wie sieht die weitere Vorgehensweise für Umzug in ein anderes Land, Unterbringung des Jugendlichen und seiner Familie sowie schulische Weiterbildung aus? Gibt es dafür ein klares Konzept? 

Du weißt ja selber, dass Besiktas das in der Vergangenheit ja noch nicht so oft gemacht hat. Da muss dann schon ein richtiger Knaller dabei sein. Also wirklich ein Jahrhunderttalent, damit Besiktas das auf sich nimmt. Ob wir das schaffen, kann ich nicht garantieren. Und davon findest du auch nicht zwei oder drei. Ich denke, es wird eher so aussehen, dass die Kids weiterhin hier in Deutschland spielen. Aber regelmäßig gescoutet werden. Und dann zum passenden Zeitpunkt, sei es mit 17 oder 18, dann die Möglichkeit erhalten, sich zu beweisen. Du kannst das ja alles auch regeln mit Vorverträgen. Aber das ist sicherlich auch die Seite von Besiktas, wie sie das haben wollen.

Sind schon Termine bekannt bzw. eingeplant, wenn die Corona-Maßnahmen wieder aufgehoben sind und wieder normal trainiert werden kann?

Also für das Fördertraining haben wir schon Standorte. Die sollten jetzt auch im November losgehen. Ich glaube wir haben sechs Standorte. Das schieben wir jetzt noch etwas nach hinten. Das steht eigentlich alles schon. Die Sachen finden statt. Im Winter wird es wahrscheinlich nichts mehr mit Camps. Die nächsten größeren Ferien sind um Ostern herum. Dass wir da wieder mit den Camps starten. Das sind allerdings noch gut fünf Monate, da kann noch so viel passieren. Wir konzentrieren uns jetzt erst einmal auf das Fördertraining und versuchen dafür möglichst viele Teilnehmer zu begeistern und gewinnen.

Möchtest Du abschließend noch etwas ergänzen zur Besiktas Footballschool oder zum Interview?

Du kannst gerne noch erwähnen, dass ich begeisterter GazeteFutbol-Leser bin seit meiner Istanbul-Zeit.

[Fabian Ernst verriet uns in einem früheren Telefonat zu unserer Freude, dass er während seiner Zeit bei Besiktas und in der Türkei als Hauptquelle für News über den türkischen Fußball im deutschsprachigen Raum auf uns zurückgriff und GazeteFutbol regelmäßig folgte. Danke an dieser Stelle für dieses Vertrauen. Anm. der Red.]

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Fabian vielen Dank, dass Du Dir Zeit für uns genommen hast und für das interessante Interview. GazeteFutbol wünscht Dir und Euch mit dem spannenden Projekt Besiktas Footballschool in Deutschland und Europa viel Erfolg und hofft, dass Ihr viele Talente findet und fördert.

MEHR INFORMATIONEN unter www.besiktas-footballschool.com


Das Exklusiv-Interview für GazeteFutbol führte Chefredakteur Anil P. Polat


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1 Kommentar

  1. Avatar
    2. April 2021 um 10:23 —

    Erstmal, Hammercooles Interview!

    “Fabian Ernst verriet uns in einem früheren Telefonat zu unserer Freude, dass er während seiner Zeit bei Besiktas und in der Türkei als Hauptquelle für News über den türkischen Fußball im deutschsprachigen Raum auf uns zurückgriff und GazeteFutbol regelmäßig folgte. ”

    Haha obwohl auch Erol Bulut hier mitgelesen hat ? Wohl kaum , sonst wäre er jetzt vieleicht noch Trainer bei Fener 😂😂

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