Ein fußballerisches Wechselbad der Gefühle erlebte der Titelverteidiger bei der globalen Endrunde auf dem amerikanischen Kontinent, bei dem die Hoffnungen eines Superstars fast zerplatzt wären. Lionel Messi ist im Achtelfinale mit einem blauen Auge davongekommen und darf dank einer fulminanten Schlussphase weiterhin vom nächsten großen Triumph träumen. In einem dramatischen K.o.-Spiel in Atlanta drehte die argentinische Nationalmannschaft einen zwischenzeitlichen 0:2-Rückstand gegen Ägypten noch in einen späten 3:2-Erfolg. Die Abwehrkante Cristian Romero in der 79. Minute, der Superstar höchstpersönlich mit seinem historischen 21. WM-Tor in der 83. Minute sowie Mittelfeldmotor Enzo Fernandez in der Nachspielzeit (90.+2) schossen den amtierenden Weltmeister ins Viertelfinale von Kansas City. Dort wartet am kommenden Sonntag der Sieger der Begegnung zwischen der Schweiz und Kolumbien (22:00 Uhr MEZ).
Fehlschuss vom Punkt und Konterschock: Nordafrikaner schnuppern an der Sensation
Nach einer mutigen Vorstellung des Außenseiters rannte der Favorit über weite Strecken der Partie einem unerwarteten Rückstand hinterher. Danach hatte es im Stadion lange Zeit überhaupt nicht ausgesehen, da die Offensivabteilung der Südamerikaner wie schon in der vorherigen Runde gegen die Kapverden erhebliche Tempoprobleme offenbarte. Ägyptens Nationalcoach Hossam Hassan hatte im Vorfeld eine ungemütliche Aufgabe versprochen, was seine taktisch hervorragend eingestellten Schützlinge konsequent auf den Rasen brachten. Nach einer präzisen Eckenvariante besorgte Yasser Ibrahim in der 15. Minute per Kopfball die überraschende Führung.

Es war das erste Mal im gesamten Turnierverlauf, dass die „Albiceleste“ in Rückstand geriet. Nur wenig später bot sich dem Favorit die Riesenchance zur direkten Antwort, als Nicolas Tagliafico im Strafraum von Haissem Hassan regelwidrig gestoppt wurde. Der fällige Strafstoß brachte jedoch die große Ernüchterung: Lionel Messi scheiterte in der 21. Minute am überragenden ägyptischen Schlussmann Mostafa Shobeir. Nach diesem vergebenen Elfmeter – bereits in der Vorrunde gegen Österreich ließ der Ausnahmekönner eine solche Chance liegen – drängten die Argentinier wütend nach vorn. Doch der gegnerische Torwart erwies sich als schier unüberwindbar und parierte erstklassig gegen Alexis Mac Allister sowie Julian Alvarez, während ein Freistoß von Messi lediglich am Pfosten landete.
Drei Tore in 13 Minuten: Der Weltmeister schlägt in der Schlussphase eiskalt zurück
Selbst ein folgenschwerer Doppelschlag in der zweiten Halbzeit konnte den unbändigen Willen des Titelverteidigers letztlich nicht brechen. Nach dem Seitenwechsel änderte sich das Bild kaum. Die Südamerikaner rannten ununterbrochen an, bissen sich an der tiefstehenden, leidenschaftlich verteidigenden Defensive der Nordafrikaner jedoch reihenweise die Zähne aus. In der 58. Minute keimte kurzzeitig Erleichterung auf, als ein Treffer von Mostafa Ziko nach Intervention des Videoschiedsrichters wegen eines vorherigen Foulspiels korrekterweise aberkannt wurde. Wenige Augenblicke später schlug der flinke Angreifer jedoch erneut zu: In der 67. Minute vollendete Mostafa Ziko einen perfekt vorgetragenen Konter zum vermeintlich entscheidenden 2:0 für Ägypten. Bei der darauffolgenden, letzten Trinkpause schworen sich die Nordafrikaner geschlossen auf die Sensation ein, während die Mannschaft um Messi ungeduldig auf die Fortsetzung drängte. Der immense Druck löste schließlich die ägyptische Abwehrkette auf. Innerhalb von nur 13 Minuten erlebten die Zuschauer ein sportliches Drama, das durch den späten Siegtreffer von Enzo Fernandez zugunsten des Favoriten entschieden wurde.

