Besiktas

Sergen Yalcin: „Die Meisterschaft zu gewinnen, wird schwierig“

Besiktas-Trainer Sergen Yalcin, der seit seinem Amtsantritt wieder frischen Wind in die Mannschaft und in den Verein gebracht hat, war zu Gast beim TV-Rechteinhaber “beIN SPORTS” und gab Einblicke in seine Gefühlslage bei der Vertragsunterschrift sowie Auskunft über die aktuelle Situation des Teams. Yalcin räumte ein, dass die Meisterschaft in dieser Saison ein eher unrealistisches Ziel sei.

„Über die Pressekonferenz war ich erstaunt“

Yalcin gab zu, dass er ein derart massives Interesse der Fans nicht erwartet habe, aber seine Verantwortung dadurch größer geworden sei: „Um ehrlich zu sein, war ich schockiert. Die Zuneigung der Fans war zwar außergewöhnlich, für mich war es zudem eine klare Message, dass meine ohnehin große Verantwortung noch größer geworden ist, da wir als Gegenleistung für ihre Zuneigung den Fans etwas bieten müssen. Allerdings hat uns dieses Spektakel verdeutlicht, welche Rolle wir übernommen haben. Ich danke den Fans für die großartige Unterstützung.“

„Besiktas darf nicht statisch spielen“

Als es um die Spielphilosophie des 47-Jährigen ging, gab es einen kleinen Seitenhieb Richtung Ex-Coach Abdullah Avci: „Meine Spielphilosophie ist meines Erachtens nach klar erkennbar. Unabhängig davon mit welchem Kader wir antreten, wird Besiktas offensiv orientiert sein. Wir werden künftig in dieses System passende Spieler verpflichten und dementsprechend einen Kader zusammenstellen. Wer die taktischen Vorgaben nicht umsetzen kann, wird nicht zum Einsatz kommen. Große Mannschaften wie Besiktas dürfen nicht statisch spielen. Jeder Spieler muss sich in die Offensive trauen. Eine große Mannschaft spielt nicht mit zwei abwartenden Sechsern. Atiba Hutchinson agiert in meinem System einen Tick offensiver. Außer dem Torhüter müssen alle zehn Spieler in der Offensive Akzente setzen. Ich kenne die Fähigkeiten der Spieler und setze sie dementsprechend ein.“

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„Der Kaderumbruch wird ein steiniger Weg“

Bezüglich des geplanten Kaderumbruchs beklagte sich Yalcin über die finanzielle Situation des Klubs vom Dolmabahce-Palast: „In der nächsten Saison haben wir mit 35 Millionen Euro ein geringeres Budget als mit 52 Millionen Euro in der laufenden Saison. Dies geschieht aufgrund der vom türkischen Fußballverband geregelten Limits. Die Umsetzung ist ziemlich schwierig. Vor zwei Jahren stand man ein Budget von 100 Millionen Euro zur Verfügung, das nun auf 35 Millionen Euro reduziert werden muss. Wir müssen ein Team zusammenstellen, das guten Fußball spielt und wettbewerbsfähig ist. Besiktas muss immer um die Meisterschaft mitspielen. Von einigen Spielern werden wir uns trennen müssen, da die Einhaltung des Limits ansonsten nicht möglich ist. Die negative Entwicklung im türkischen Fußball wird ständig kritisiert. Wie soll sich der Fußball jedoch in dieser wirtschaftlichen Situation entwickeln? Die europäischen Teams haben einen Kaderwert von einer Milliarde Euro. Da können wir nicht mithalten. Wir werden unseren Schwerpunkt auf ablösefreie Spieler legen.”

„Der Meistertitel ist in weiter Ferne“

Bezüglich des Titelrennens räumte Yalcin ein, dass in der aktuellen Spielzeit der Gewinn des Meisterschaftstitels eher unwahrscheinlich sei: „Aktuell scheint es ein Dreikampf zwischen Trabzonspor, Medipol Basaksehir und Galatasaray zu werden. Wer die Nase vorn haben wird, ist schwer vorherzusagen, da die direkten Duelle noch ausstehen. Für uns ist dieses Ziel in dieser Saison eher schwierig. Fenerbahce und Besiktas hinken im Hinblick auf die Punkteausbeute etwas hinterher. Ich bin jedoch der festen Überzeugung, dass wir es unter die ersten Vier schaffen werden. Es wird nicht einfach, doch nach dem Spiel gegen Galatasaray werden wir abhängig vom Ergebnis ein klares Ziel definieren.“ 

„Die Trainertätigkeit in Anatolien hat mich vieles gelehrt“

In seiner bisherigen Trainerlaufbahn war Yalcin in diversen Stationen in Anatolien tätig, was er durchaus positiv sieht: „Man lernt definitiv mit Stress umzugehen. Überall ging es primär um den Abstiegskampf. Ich habe gelernt geduldig zu sein und wie man Spiele gewinnt, wenn es sehr schlecht läuft. Wenn es gut läuft, fährt ein großes Team ohnehin die benötigten Punkte ein. In schlechten Spielen werden die Punkte eingefahren, wenn man seinem System halbwegs treu bleiben kann. In Anatolien haben wir des Öfteren den Klassenerhalt mit den viel kritisierten Unentschieden geschafft. Die Trainertätigkeit in Anatolien hat mich vieles gelehrt. Ein Traineridol habe ich jedoch nicht. Überall wird über Jürgen Klopp und Pep Guardiola gesprochen. Allerdings kann man die beiden nicht als Vorbild präsentieren. Einer ist beim FC Liverpool, der andere bei Manchester City. Soll Guardiola mal ein anatolisches Team trainieren. Die Spielerqualität und wirtschaftliche Situation kann mit der dortigen nicht verglichen werden. Wir müssen lernen mit dem auszukommen, was uns zur Verfügung steht.“

„Das Spieleralter ist für mich zweitrangig“

Auf die Frage, was er über das hohe Alter der Spieler denkt, die das Grundgerüst seines Teams bilden, reagierte der 47-Jährige gelassen: „Daran hatte ich bis jetzt noch gar nicht gedacht, jetzt ist meine Motivation in den Keller gerutscht”, so Yalcin augenzwinkernd. Dann wieder ernst: „Alle unsere Spieler sind in meinen Augen wertvoll. Selbst wenn sie 50 Jahre alt wären. Wir werden bis zum Ende mit ihnen weiter arbeiten und Spieler in das Team integrieren, die wir brauchen. Es gibt natürlich auch einen finanziellen Aspekt. Derzeit kann ich nicht lediglich den Kader und die Spieler betrachten. Ich muss auch an das Budget denken. Das wird unser größtes Problem. Sollte beispielsweise Adem Ljajic auf das gewünschte Niveau kommen und unsere Vorgaben besser umsetzen, werden wir ihn einsetzen. Wer unsere Vorgaben nicht umsetzt und keine Leistung bringt, kann nicht bleiben.“

„Persönlich habe ich kein langfristiges Ziel“

Für sich selbst hat Yalcin derzeit kein langfristiges Ziel definiert. Der Fokus des 47-Jährigen liegt komplett auf Besiktas: „Aktuell bin ich nicht in der Lage ein langfristiges Ziel zu formulieren. Mein erstes Ziel war es, eine Trainerkarriere zu beginnen. In Anatolien habe ich auch etwas Zeit verbracht. Nun bin ich da, wo ich hingehöre. Um ein langfristiges Ziel festlegen zu können, muss ich zunächst bei Besiktas etwas erreichen. Ansonsten kann ich für die Zukunft nicht viel erwarten. Erst muss ich mich hier beweisen.“

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