Ein dramatischer Schicksalsschlag veränderte das Leben von Ömer Kalay für immer, doch aufgeben war für den heute erfolgreichen Multi-Athleten nie eine Option. Im Alter von 15 Jahren verlor der in Bursa lebende Sportler bei einem schweren Verkehrsunfall auf dem Heimweg von der Schule sein Bein, als er von einem Lastwagen erfasst wurde. Trotz des traumatischen Einschnitts in einer sensiblen Lebensphase fand der Türke über den Leistungssport zurück in ein aktives Leben. Heute vertritt er die Türkei international in den Disziplinen Schwimmen, Segeln und Rudern und sorgt mit einem weltweit einzigartigen Segelprojekt für Aufsehen.
Der schnelle Weg zurück ins Leben nach dem schweren Schicksalsschlag
Dder Ausnahmesportler blickte offen auf die schwierige Zeit nach der Tragödie zurück. „Ich habe mit 15 Jahren mein Bein verloren. Gerade wenn man die Pubertät hinter sich lässt und auf dem Weg ins junge Erwachsenenalter ist, verliert man ein Bein. Das ist in keinem Alter einfach, aber in diesem Alter ist es noch viel schwieriger. Trotzdem habe ich mich innerhalb von zwei bis drei Monaten wieder gefangen und ins Leben zurückgefunden“, schilderte Kalay seine damalige Gefühlswelt.

Zehnfache Durchquerung der Dardanellen und internationale Erfolge im Freiwasser
Die Leidenschaft für den Wassersport begleitete ihn bereits seit früher Kindheit. Im Jahr 2011 stieg er schließlich aktiv in den Wettkampfsport ein und stellte sich direkt einer extremen Herausforderung: Er durchschwamm erstmals die geschichtsträchtige Meerenge der Dardanellen. „Anfangs erschien es mir unmöglich, aber wir haben es geschafft. Ich bin zehnmal durch die Dardanellen geschwommen. In diesem Jahr werde ich nach zehn Jahren Pause wieder dort schwimmen“, erklärte der ehrgeizige Schwimmer stolz über seine Dauerbrenner-Qualitäten im offenen Meer.
Auch international setzte der Athlet sportliche Ausrufezeichen. Beim 86. Galata-Varna-Freiwasserschwimmmarathon in Bulgarien triumphierte er in der Kategorie für Menschen mit Behinderung über die anspruchsvolle Distanz von 4.500 Metern. „Es waren rund 240 Sportler aus zehn Ländern dabei. Ich war der einzige Teilnehmer aus der Türkei. Ich habe die 4.500 Meter absolviert. Mit der türkischen Flagge auf dem Podium zu stehen und eine Auszeichnung entgegenzunehmen, war für mich ein großer Stolz“, erinnerte sich Kalay an den emotionalen Moment auf dem Siegerpodest.

Weltweit einzigartiges Segelteam fordert Konkurrenz ohne Behinderung heraus
Im Jahr 2019 entdeckte der Allrounder schließlich den Segelsport für sich und rief ein außergewöhnliches Projekt ins Leben. Er formierte ein Yachtsegelteam, das ausschließlich aus Sportlern mit Behinderung besteht und auf regulären Regattakursen direkt gegen Teams ohne Behinderung antritt. „In der Türkei gibt es überhaupt kein Yachtsegelteam für Menschen mit Behinderung. Nach unseren Recherchen haben wir auch weltweit kein vergleichbares Team gefunden. Mit unserem ausschließlich aus Menschen mit Behinderung bestehenden Team treten wir gegen Sportler ohne Behinderung an. Wir haben die Winter Trophy auf dem zweiten Platz beendet und einen Pokal gewonnen“, hob der Skipper den Meilenstein hervor.
Neues Ziel im Rudersport und inspirierende Botschaft an die Jugend
Neben dem Segeln treibt der Modellathlet seit rund einem Jahr seine Karriere beim Bursa Kürek Kulübü voran. Sein nächstes großes Ziel hat er bereits fest im Visier: Im September möchte er an den paralympischen Ruderwettkämpfen teilnehmen und sich in den Ausscheidungskämpfen für einen Platz im Nationalteam empfehlen. Den Rückhalt dafür zieht er aus seinem familiären Umfeld, da seine Frau und seine Kinder ihm tagtäglich die nötige Kraft geben.
Abschließend richtete der Vorzeigeathlet einen eindringlichen Appell an die Jugend sowie an Menschen mit körperlichen Einschränkungen. „Sie sollen am Leben teilhaben. Das können sie durch den Sport schaffen. Wer Sport treibt, hält sich von schlechten Gewohnheiten fern. Ich möchte als Mensch mit Behinderung ein Vorbild sein. Hindernisse sind keine Ausrede“, betonte Kalay nachdrücklich, um anderen Mut für ihren eigenen Weg zu machen.

