Türkischer Fußball

Nationalcoach Senol Günes: „Finde es nicht richtig, dass die Startelf aus elf Ausländern besteht“

Der türkische Nationaltrainer Senol Günes sprach mit der Nachrichtenagentur “DHA” und äußerte sich zu diversen Reizpunkten im türkischen Fußball, dem Ziel der EURO 2020-Qualifikation und über einige seiner Schützlinge. GazeteFutbol hat die Kernaussagen zusammengefasst. Günes über …

… die Europameisterschafts-Qualifikation

„Die Türkei hat zuletzt die gewünschten Erfolge vermissen lassen. Nun ist eine neue Zeit angebrochen und unsere Vorbereitungen sind gänzlich andere als zuvor. Wenn wir alle vom Vorstand, über den Trainerstab, das Personal bis hin zu den Spielern an einem Strang ziehen, können wir erfolgreich sein. Wir haben Höhen und Tiefen erlebt. Nun haben wir alle ein gemeinsames Ziel. Wir betrachten die Europameisterschaft als Ziel, dass es unter keinen Umständen zu verpassen gilt. Nach vier Spielen stehen wir meiner Meinung gut da. Wir wollen allen zeigen, dass wir ein Team sind. Der Erfolg der Nationalelf ist wichtig, um den nationalen Fußball bekannter zu machen.“

… das Verletzungspech im türkischen Kader

„Es könnte im Kader im September zu Veränderungen kommen. Die Klubs sind hier sehr wichtig. Im Moment wenden wir einen Teil unserer Zeit für die Beobachtung unserer Spieler auf. Den anderen Teil investieren wir in die Analysen unserer Gegner. Am 2. September werden wir ins Trainingslager starten. Am 10. September endet das Camp. Wir werden in besagtem Monat zwei Spiele bestreiten. Wir bereiten uns ganz genau darauf vor. Es gibt Spieler, die dann nicht bei uns sein können. Dazu gehören Hasan Ali Kaldirim und Burak Yilmaz.“

… den Transfermarkt und den Wert türkischer Spieler

„Wir sind zu sehr mit internen Konflikten und Streitereien beschäftigt. Dennoch haben wir es zuletzt geschafft, gute Spieler hervorzubringen und sie nach Europa zu verkaufen. Der Erfolg dieser Spieler eröffnet auch den kommenden Spielern mehr Möglichkeiten ins Ausland zu gehen. Dennoch stehen wir was die Marktwerte betrifft nicht zufriedenstellend da. Wir müssen ein besserer Markt werden. Serbien bringt sehr viele Spieler hervor und verkauft sie ins Ausland. Frankreich hat sowohl den Erfolg als auch viele Spieler gefördert. Unsere Klubs müssen mehr das machen, was in Portugal Benfica und Porto machen. Unsere jungen Spieler müssen spielen oder zu Klubs wechseln, wo sie spielen.“

… die Entwicklung des türkischen Fußballs

„Wir müssen den nationalen und internationalen Wettstreit unserer Teams stärken. Bei Galatasaray ist der erst 19-jährige Ozan Kabak nach Europa gewechselt. Yusuf Yazici hat Trabzonspor auf demselben Weg verlassen. Abdülkadir Ömür kommt nach. Besiktas hat Güven Yalcin und Dorukhan Toköz. Jeder Verein hat die Möglichkeit Talente zu fördern. Doch dies geschieht nicht so einfach. Wir sind ein Land, dass in der Entwicklung nicht mit der EU wirkungsvoll verknüpft ist. Die wirtschaftlichen Probleme unserer Klubs liegen auf der Hand. Neue Reformen und Maßnahmen sind unerlässlich.

Wir haben Teams, die 14 Ausländer verpflichten und elf davon in der Startformation aufstellen. Für internationale Einsätze sahen die Teams dafür Bedarf. Doch ich sehe Probleme, wenn mehr ausländische Spieler als nötig verpflichtet werden. Das wird sowohl für die Vereine als auch für die jungen türkischen Spieler zum Problem. Für einen türkischen Spieler zahlen wir 100.000 Euro für einen ausländischen Akteur fünf Millionen. Danach sagen wir uns, sollen wir fünf Millionen Euro zum Fenster werfen und setzen ihn zwangsläufig eher ein. Mit den Ausgaben der Europäer für junge Spieler, die schnell bei 15-20 Millionen Euro liegen, können wir nicht mithalten. Es herrscht ein finanzielles Ungleichgewicht im sportlichen Wettbewerb.”

… den Wechsel von Cenk Tosun und die finanzielle Wirkung auf Besiktas

„Ich bin seit 50 Jahren im Fußball. Wir sind heute an einem besseren Punkt, es geht uns besser. Doch im Vergleich mit anderen Nationen haben wir großen Aufholbedarf und deutlich mehr finanzielle Schwierigkeiten. Ich habe beim Audi Cup Uli Hoeness und seinen Vorstand gesehen. Der Klub ist in Hand von Profis, die genau wissen, was sie tun und auch das alleinige Sagen haben. Bei uns wird von Außen ständig eingewirkt. Das Fußballgeschäft ist ein hartes Pflaster. Wir müssen ausbilden und verkaufen. Als wir Cenk Tosun verkauft haben, dachte ich, dass es dem Klub besser gehen würde danach. Ich hatte gehofft, dass es dann besser wird. Aber das war nicht der Fall.“

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Anil P. Polat

Anil P. Polat

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Hürriyet.de-Redaktion

2 Kommentare

  1. Avatar
    9. August 2019 um 20:31 —

    Die Aussagen von S. Günes bezüglich der Ausländerregelung sind heuschlerisch und polemisch. Wenn die türkischen Vereine nicht in der Lage sind gut ausgebildete Fußballspieler zu fördern und (vor allem) zu fordern, muss man halt Spieler aus dem Ausland holen.
    Er sollte einfach mal auf seine bjk-Zeit gucken, ob er genug auf türkische Spieler gesetzt hat.

  2. Avatar
    9. August 2019 um 17:12 —

    Nichts für ungut, aber du hast doch selber letzte Saison mit so vielen Ausländern gespielt. Und jetzt als Nationaltrainer kommt dann so eine Aussage?
    Ich kann so was nicht verstehen, aktuell wechselt ein türkischer Spieler in unsere Liga in eine ausländische und man spricht über eine Verschärfung der AR!?

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