Türkischer Fußball

Türkei-Coach Kuntz nach Niederlagen gegen Portugal und Italien: „Werden unsere Lehren ziehen“

Nach dem enttäuschenden Aus in den Playoffs zur WM in Katar gegen Portugal ging es für die türkische Nationalmannschaft am Dienstagabend in Konya gegen den amtierenden Europameister Italien. Auch die Italiener waren gegen den klaren Außenseiter Nordmazedonien kläglich gescheitert und reisten dementsprechend emotional angeschlagen in die Türkei. Trotz eines guten Starts, verbunden mit einer frühen 1:0-Führung durch Cengiz Ünder, übernahmen die Italiener immer mehr die Oberhand und zeigten den Qualitätsunterschied auf. Im Anschluss an den ersten Treffer des Tages trafen die Gäste gleich dreimal. Knapp zehn Minuten vor dem Ende ließ Serdar Dursun mit seinem dritten Treffer in seinem vierten Match Hoffnung auf Seiten der Halbmondkicker aufkeimen. Und tatsächlich hätte es der Fenerbahce-Stürmer auch fast selbst regeln können. Jedoch fand er bei seinem vielversprechenden Abschluss kurz vor Schluss seinen Meister in Gianluigi Donnarumma. GazeteFutbol mit den Reaktionen aus dem Konya Büyüksehir-Stadion!


Stefan Kuntz (Coach, Türkei): „Wir werden aus den Matches gegen Portugal und Italien unsere Lehren ziehen und uns weiterentwickeln. Ich glaube, jeder hatte in diesen Tagen die Möglichkeit zu sehen, auf welchem Stand wir sind und wo noch Verbesserungsbedarf besteht. Die Gegentreffer haben mich sehr traurig gemacht heute. Diese hatten rein gar nichts mit der taktischen Formation zu tun. […] Die emotionale Seite der Fans im türkischen Fußball ist unglaublich. Deshalb denke ich, dass der TFF mich geholt hat. Wir versuchen, die Spieler objektiv zu berufen. Vor dem Spiel gegen Portugal kam eine Nachricht auf meinem Social-Media-Konto an, in der ich Ratschläge für die erste Elf erhielt. Ich erklärte ihm die erste Elf und er sagte: ‚Du hast eine dumme Aufstellung gemacht und hast keine Ahnung von Fußball‘. Dann löschte er den Kommentar und schickte die Nachricht ‚Ein ausreichender Kader‘. Ich verstehe die Sentimentalität. Es gibt einen Unterschied zwischen Gesprächen von Angesicht zu Angesicht und denen in den sozialen Medien. Aber in diesem Zeitalter müssen wir uns daran gewöhnen. Manchmal haben wir junge Leute, die gut spielen und daraufhin tolle Kritiken erhalten. Wenn sie drei bis vier Spiele wiederum schlechter spielen, sind die Kritiken umgekehrt. Das wirkt sich auf die Spieler aus und sie schalten ihre sozialen Medien ab. Wir können das nicht ändern, aber wir können unseren Spielern helfen. In Deutschland haben unsere Spieler ständig Fotos in den sozialen Medien geteilt. Ich habe gesagt: ‚Ihr teilt Euer Essen, Trinken und Eure Autos in den sozialen Netzwerken, aber Robert Lewandowski stellt die Trophäen rein, die er gewonnen hat‘. Das ist genau der Unterschied, von dem ich spreche.“

Roberto Mancini (Coach, Italien): „Heute haben die Jungs gespielt, die ansonsten nicht allzu viel Einsatzzeiten erhalten und sie haben das fabelhaft hinbekommen. Man darf nicht außer Acht lassen, dass wir gegen eine sehr gute Mannschaft einen Sieg eingefahren haben. Wir haben heute nicht gut begonnen, aber kamen dann immer besser in die Partie. Am meisten hat mir heute Cengiz Ünder imponiert. Wir wussten um seine Qualitäten. Aber im Allgemeinen haben alle türkischen Spieler eine gute Leistung abgerufen. Ich finde, dass die türkische Nationalmannschaft sehr junge und talentierte Spieler in ihren Reihen hat. Das ist sehr wichtig. Sie haben zudem das Potenzial, sich noch weiterzuentwickeln. […] Ich hatte das Privileg, in einer wunderschönen Stadt wie Istanbul zu arbeiten. Ich bin ohnehin schon ein großer Bewunderer der Türkei und habe auch viele türkische Freunde. Dementsprechend hatte ich eine sehr schöne Zeit bei Galatasaray. Natürlich kann man jetzt noch nicht vorhersagen, was die Zukunft mit sich bringt. Aber wieso sollte es nicht erneut zu einem Engagement in der Türkei kommen?“

Salih Özcan (Mittelfeld, Türkei): „Ich habe sehnsüchtig auf den Moment hingefiebert, um das Trikot der türkischen Nationalmannschaft überzuziehen. Natürlich hätte ich in meinem ersten Match gerne einen Sieg gefeiert. Wir werden nun in Ruhe analysieren und uns unsere Situation genauer anschauen. In den nächsten Begegnungen im Juni möchten wir auf jeden Fall wieder Siege einfahren.“

Serdar Dursun (Stürmer, Türkei): „Wir hatten uns gut auf dieses Match vorbereitet. Doch das Portugal-Spiel war noch in unseren Köpfen. Tatsächlich haben wir einen guten Start hingelegt und gingen in Führung. Im Anschluss hat der Gegner uns in die Defensive gezwungen und den Ball gut in den eigenen Reihen laufen lassen. So lagen wir zur Halbzeit mit 1:2 zurück. Unser Trainer hat uns in der Kabine unsere Fehler aufgezeigt. Nach dem Seitenwechsel begannen wir etwas verklemmt, aber kamen im Nachhinein immer besser in die Partie. Fast wäre uns nach dem 2:3 noch das 3:3 gelungen, was ziemlich schön gewesen wäre. […] Burak Yilmaz ist einer der besten Stürmer in der Geschichte der Türkei. Er schoss viele Tore. Nun möchte sich jeder neu beweisen. Hoffentlich können wir uns alle noch weiterentwickeln und der Nationalmannschaft behilflich sein.“





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