Galatasaray

Kolumne: Fatih Terim – Ein Mann, mächtiger als ein ganzer Fußballverein


Wir hatten uns in den letzten Wochen so schön daran gewöhnt: Mustafa Cengiz kritisiert Fatih Terim, Fatih Terim kritisiert Mustafa Cengiz, Fatih Terim kritisiert Abdurrahim Albayrak. Und Abdurrahim Albayrak? Der sagt einfach nichts, bis Galatasaray mal wieder ein Spiel gewinnt.

Seit heute ist der „kleine FC Hollywood“ der Türkei vermutlich Geschichte. Eine Aussprache zwischen allen Beteiligten soll sämtliche Missverständnisse ausgeräumt und Trainerteam und Vorstand gänzlich auf das Titelrennen eingestimmt haben. Irgendwie ist das aber mehr als ein Déjà-vu. Noch vor einigen Wochen hatten die Gelb-Roten die Fangemeinschaft auf ähnlichem Wege auf den gemeinsamen Weg eingeschworen. Nachdem Terim mit seinen Aussagen nach dem Erzurum-Spiel den Bogen wieder einmal sinnlos überspannt hat, sahen sich die Galatasaray-Verantwortlichen genötigt, ein Treffen einzuberufen um Terim maßzuregeln.

Terim almighty – Jobgarantie trotz Misserfolg

Oder war es etwa umgekehrt? Hat Fatih Terim seine Unzufriedenheit zum Ausdruck gebracht und Ansagen an Cengiz, Albayrak & Co. verteilt? Ich behaupte: Ja! Denn Terim sieht sich schon längt in einer viel mächtigeren Position als der „Löwen“-Vorstand. Und er nutzt diese Position als „unantastbarer Fan-Liebling“ gnadenlos aus, indem er von seinen sportlichen Verfehlungen ablenkt und immer wieder den Vorstand öffentlich in die Pfanne haut. Natürlich gab es in den letzten Wochen und Monaten wenig öffentliche Rückendeckung von den Vereinsoberen. Aber das könnte tatsächlich sogar berechtigte Gründe haben: Zum einen hat Terim die Position des „starken Mannes“ zu sehr für sich beansprucht, zum anderen hat er letztes Jahr sportlich auf allen Ebenen versagt, indem er mit dem wohl stärksten Kader der Liga nur Tabellensechster wurde und Galatasaray im Europapokal nicht mehr als „Kanonenfutter“ galt. Und auch in dieser Saison sieht es in Europa nicht anders aus.

Das Ende der Geschichte: Terim geht aus dem Machtkampf mit dem Galatasaray-Vorstand als klarer Sieger hervor, denn dieser hat weder die Macht noch den Mut, Terim zu entlassen. Die sportliche Negativentwicklung bei den Gelb-Roten in den letzten 1,5 Jahren interessiert keinen mehr, stattdessen muss alles dafür getan werden, dass der „Imperator“ zufriedengestimmt ist. Denn Terim ist und bleibt allmächtig – quasi unantastbar, frei von Fehlern und mit einer Jobgarantie bis ins Rentenalter hinein ausgestattet. Ich hatte gedacht, die Zeit, in der einzelne Personen stärker als ein ganzer Verein sind, ist vorbei. Doch anscheinend habe ich mich getäuscht. Galatasaray zeigt aktuell sehr gut, wie sehr eine einzige Person einen Klub im Griff haben kann. Und das ist schade. Denn schließlich geht es hier nicht um einen „Dorfklub“, sondern um den Rekordmeister der Türkei.


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Erdem Ufak

Erdem Ufak

Co-Owner/Chefredaktion GazeteFutbol

4 Kommentare

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    28. Oktober 2020 um 13:54

    Ich mag Fatih Termin, er ist manchmal bissel verrückt und unfair, aber im großen und ganzen ein guter Trainer.

    Hat auch gute Erfolge mit der NM gefeiert.

    Er verdient respekt und prügeln kann er sich auch, wie man in Izmir Alcati mitbekommen hat 🙂

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    27. Oktober 2020 um 8:07

    Ich bin schon lange kein Terim-Fan mehr. Heutzutage braucht man mehr als nur die Spieler zu motivieren und eine Vaterfigur zu sein. Der Fußball verändert sich und Terim ist in den Jahren 1999/2000 hängen geblieben.
    Heute spielt man schnellen und härteren Fußball, es geht darum Bälle zu erobern und schnell richtung gegnerisches Tor zu spielen.
    Und gerade das kann Terim einfach nicht.
    Klar hat er seine Spieler, die er so unbedingt wollte, nicht bekommen. Aber seit knapp einem Jahr bekommst du es nicht hin, den Starstürmer Falcao in Szene zu setzen. Er wird einfach nicht bedient und kann auch dementsprechend kein Tor schießen. Und dieses verdammte Problem kannst du einfach nicht lösen. Hierbei darf man Falcao keine Schuld zu werfen, er versucht sogar die Bälle im Mittelfeld zu erobern, was er eigentlich noch nie in seiner Karriere bisher gemacht hat.

    Für mich wird Terim auch in den Medien nie “angegriffen”. Wenn ausländische Trainer gegen Kasimpasa und Alanyaspor verlieren, hagelt es regelrecht Kritik. Aber bei einem Terim sehe ich das einfach nicht. Nein, er verlässt sogar vorzeitig den Platz gegen Kasimpasa und selbst da lese ich kein Wort von Kritik gegen ihn. Für mich war das einfach ein unglaublicher Moment, wie kann ein Trainer sein Team einfach verlassen und in die Katakomben verschwinden? Mir egal wie schlecht wir an dem Tag gespielt haben, du hast an der Seitenlinie zu bleiben!

    Mich persönlich erinnert das alles an Ersun Yanal und FB. Die Fans wollten ihn unbedingt haben und am Ende wurden sie ihn einfach nicht mehr los. Unsere eigenen Fans werden sehr spät verstehen, dass Terim einfach ein altes Tier ist, das den modernen Fußball nicht versteht!

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    26. Oktober 2020 um 18:25

    Der Personenkult der GS Anhänger um Terim sprengt alle Grenzen und hat schon lange ein Eigenleben entwickelt, es nimmt immer mehr irrationale Züge an.

    Die hohe Verschuldung des Vereins ist auch zum Großteil Terims Schuld, es werden ständig igendwelche Spieler zu viel zu hohen Ablösen und Gehältern transferiert wie z.B. bei der Personalie Djagne oder Falcao geschehen, da Terim niemals zufrieden gestellt werden kann.

    Außerdem hat er auch noch an die 20 Assistenztrainer die bezahlt werden müssen, ganz zu schweigen von seinem eigenen hohen Gehalt. Ich behaupte mal das Terim inklusive sein Assistenz.- und Trainerstab eines der teuersten auf dem europäischen Kontinent sind.

    Und ohne die EL und CL Einnahmen, wird GS große Mühen haben all die hohen Kosten für Falcao, Terim, seine Assistenten und Co. zu stemmen.

    Bei uns gab es mal ein Azizbahce, bei GS gibts das Pendant eines Fathisaray….

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      26. Oktober 2020 um 19:48

      Man kann Azizbahce nicht mit Fatihsaray vergleichen. Der eine ist “Kupa Babası” während der andere “Şike Man” ist.