Statistische Einordnung einer beispiellosen Funktionärskarriere: Der neu gewählte Vereinschef blickt auf dramatische Stunden, bittere Niederlagen und triumphale Wendepunkte zurück
Die außerordentliche Generalversammlung von Fenerbahce hat Fakten geschaffen, die weit über die aktuelle Saison hinausstrahlen und den Verein in ein neues Zeitalter führen sollen. Auf dem Territorium des ehemaligen Kenan Evren-Areals, gelegen am Rande des geschichtsträchtigen Fenerbahce-Sükrü-Saracoglu Sportkomplex-Chobani-Stadion, kam es zu einem demokratischen Showdown der Extraklasse. Bei der mit äußerster Intensität geführten Präsidentschaftswahl setzte sich der 73-jährige Geschäftsmann Aziz Yildirim im direkten Duell gegen seinen Herausforderer Hakan Safi durch. Mit exakt 17.245 Stimmen sicherte sich der erfahrene Funktionär die absolute Mehrheit und stieg damit offiziell zum 35. Präsidenten des Klubs aus Kadiköy auf. Es war die 15. Teilnahme an einer solchen Abstimmung für ihn, bei der er nun zum insgesamt 13. Mal als triumphaler Sieger hervorging. Damit untermauert der visionäre Unternehmer seinen Status als prägendste Gestalt des modernen gelb-marineblauen Fußballs, während Persönlichkeiten wie Faruk Ilgaz in drei separaten Perioden sowie Ali Sen, Osman Kavrakoglu und Razi Trak in zwei getrennten Abschnitten die Geschicke des Vereins leiteten.

Die Chronik einer zwanzigjährigen Amtszeit voller Höhen und Tiefen
Die historische Dimension dieses Wahlsieges lässt sich nur durch den Blick auf die vergangenen Jahrzehnte vollends erfassen. Am 15. Februar 1998 bestieg der neue Vereinschef zum allerersten Mal den begehrten Thron, als er seinen damaligen Rivalen Vefa Kücük mit einer einzigen, hauchdünnen Stimme Vorsprung bezwang. In der Folgezeit, zwischen Juni 1998 und dem 31. Mai 2015, wurde er in insgesamt 14 Wahlgängen im Amt bestätigt, wobei er bei sieben dieser Abstimmungen als einziger Kandidat antrat. Ein besonders dramatisches Kapitel ereignete sich am 20. Mai 2012, als er die Wahl als alleiniger Kandidat direkt aus dem Gefängnis heraus bestritt und dennoch das uneingeschränkte Vertrauen sowie die Stimmen von 5.269 Kongressabgeordneten erhielt. Seine erste große Zäsur erlebte er am 3. Juni 2018, als er das erbitterte Rennen gegen Ali Koc verlor. Damals votierten 16.920 Mitglieder für den Herausforderer, während der Amtsinhaber lediglich 4.644 Stimmen verbuchen konnte, was seine erste zwanzigjährige Herrschaft jäh beendete. Sechs Jahre später, am 9. Juni 2024, unternahm er einen erneuten Versuch, musste sich jedoch mit 10.483 Stimmen abermals geschlagen geben, während sein Rivale mit 16.414 Stimmen im Amt bestätigt wurde. Zwei Jahre nach dieser Niederlage wendete sich das Blatt nun endgültig zugunsten des Routiniers.

Stadionausbau und kompromisslose Kaderverstärkung im Eiltempo
Nachdem Sekip Mosturoglu, der amtierende Vorsitzende des Hohen Rates von Fenerbahce, das offizielle Endergebnis feierlich verkündet hatte, brachen unter den anwesenden Kongressmitgliedern unbändige Jubelstürme aus. Die treuen Anhänger eskortierten den neuen Vereinspräsidenten direkt zur prachtvoll errichteten Bühne vor der traditionsreichen Maraton-Untertribüne, wo er eine flammende Dankesrede an die versammelte Menge richtete. Voller Tatendrang gab der Rückkehrer die künftige Marschroute vor: „Liebe Fenerbahce-Brüder und -Genossen. Heute haben wir in unserer Gemeinschaft eine Wahl abgehalten, und der Gewinner ist Fenerbahce. Nicht Aziz Yildirim und seine Freunde. Wir werden mit allen zusammenarbeiten und dabei auf meine Erfahrungen aus der Vergangenheit zurückgreifen. Unser Versprechen steht fest: die Meisterschaft. Seid euch sicher, dass wir alle notwendigen Verstärkungen, die dafür erforderlich sind, innerhalb der nächsten 15 Tage vornehmen werden.“ Neben diesen sofortigen personellen Maßnahmen kündigte er weitreichende infrastrukturelle Veränderungen an. Ein Team um Herr Nihat Özbagi und dessen engste Vertraute wird unverzüglich mit den detaillierten Planungen beginnen, um das Stadion maßgeblich zu vergrößern. Parallel dazu sollen innovative Großprojekte realisiert werden, um den finanziellen Marktwert des Gesamtvereins drastisch in die Höhe zu schrauben.

Ein flammendes Plädoyer für die absolute Einheit der gelb-marineblauen Familie
Im Zentrum der Ausführungen des neu gewählten Präsidenten stand die dringliche Mahnung, die Gräben der Vergangenheit zuzuschütten und die interne Zerrissenheit des Klubs endgültig zu beenden. Er reichte den unterlegenen Parteien öffentlich die Hand und betonte, dass ab dem heutigen Tage der feste Wunsch bestehe, mit Hakan Safi sowie allen anderen genannten wichtigen Personen der Vereinsgemeinde intensiv zusammenzukommen. Vor den euphorisierten Massen im Stadion appellierte er an das kollektive Bewusstsein der Fanlager: „Hoffentlich werden wir diese Anfeuerungsrufe in diesem Stadion gemeinsam für unsere Spieler anstimmen und Meister werden. Wir werden sich nicht voneinander abwenden. Wir werden uns umarmen. Denn Fenerbahce braucht Einheit und Zusammenhalt. Sich zu spalten ist falsch. Jeder weiß, wie groß diese Gemeinschaft ist. Nur wir versuchen, diese Größe durch Spaltung in unseren Reihen zunichte zu machen. Das werden wir nicht zulassen, gemeinsam.“ Zum Abschluss brachte er seine tiefe Dankbarkeit für die historische Wahlbeteiligung zum Ausdruck. Mehr als 17.000 Stimmberechtigte hatten für seine Rückkehr votiert, was er als heilige Verpflichtung ansieht. Er versprach feierlich, diese tiefe Schuld gegenüber den Mitgliedern innerhalb eines einzigen Jahres durch harte Arbeit und sportliche Erfolge bedingungslos zu begleichen, wobei niemand in diesem gemeinsamen Kampf außen vor bleiben dürfe.

Alle Fenerbahce-Präsidenten im Überblick
- Ziya Songülen: 1907-1908
- Ayetullah Bey: 1908-1909
- Tevfik Haccar Tasci: 1909-1910
- Hakki Saffet Tari: 1910
- Galip Kulaksizoglu: 1910-1911
- Osman Fuat Efendi: 1911-1912
- Hamit Hüsnü Kayacan: 1912-1914
- Hulusi Bey: 1914-1915
- Sabri Toprak: 1915-1916, 1923-1924
- Nazım Bey: 1916-1918
- Nuri Sekizinci: 1918-1919
- Ömer Faruk Efendi: 1920-1923
- Nasuhi Baydar: 1924-1925
- Ali Naci Karacan: 1926-1927
- Muvaffak Menemencioglu: 1928-1932
- Sait Selahattin Cihanoğlu: 1932-1933
- Hayri Celal Atamer: 1933-1934
- Sükrü Saracoglu: 1934-1950
- Ali Muhiddin Hacibekir: 1950-1952
- Osman Kavrakoglu: 1952-1953, 1954-1955
- Bedii Yazıcı: 1953-1954
- Zeki Riza Sporel: 1955-1958
- Agah Erozan: 1958-1960
- Medeni Berk: 1960
- Hasan Kamil Sporel: 1960-1961
- Razi Trak: 1961-1962, 1980-1981
- Ismet Ulug: 1962-1966
- Faruk Ilgaz: 1966-1974, 1976-1980, 1983-1984
- Emin Cankurtaran: 1974-1976
- Ali Sen: 1981-1983, 1994-1998
- Fikret Arican: 1984-1986
- Tahsin Kaya: 1986-1989
- Metin Asik: 1989-1993
- Güven Sazak: 1993-1994
- Hasan Özaydin: 1994
- Aziz Yildirim: 1998-2018
- Ali Koc: 2018-2025
- Sadettin Saran: 2025-2026
- Aziz Yildirim: 2026-


1 Kommentar
FB Präsident zu sein ist nach dem Amt des Staatspräsidenten sicherlich das schwierigste Amt der Türkei, diese große Verantwortung kann wie wir alle wissen nicht jeder auf seinen Schultern stemmen.
Ich beglückwünsche Aziz Yildirim zu seinem Wahlsieg, hoffentlich werden wir kommende Saison glücklichere Tage erleben und auch mal den ein oder anderen sportlichen Erfolg in Form einer CL Teilnahme oder türkischen Fussballmeisterschaft feiern können.
Ich denke schon, dass Aziz Yildirim um die Probleme von FB weiß, seine Analyse bzgl. des modernen Premierleague Fussballs mit den 30 Metern würde ich in der Form unterschreiben, hier herrscht zwischen uns absoluter konsens.
ABER, ob dieser A.K. der richtige Trainer für diesen modernen Fussball ist wage ich stark zu bezweifeln, meiner Erfahrung nach werfen Trainer nicht von heute auf Morgen ihr gesamtes Fussballverständnis über Bord und eigenen sich einen anderen Fussballstil an, ich glaube nicht, dass dieser Trainer sich in dieser Hinsicht positiv verändern kann.
Ich möchte nur ungern Aziz Yildirim widersprechen, aber als FB Anhänger ist es meine heilige Pflicht den Leuten die Wahrheit über diesen A.K. zu sagen falls sie es nicht selber schon längst wissen.