Wiedererwachen am Bosporus im Zeichen der Tradition: Die gelb-blauen Stimmberechtigten wählen die Epoche der Stabilität und stimmen gegen die Versprechen des Umbruchs
Bei Fenerbahce ist eine geschichtsträchtige Entscheidung über die zukünftige Ausrichtung des Vereins gefallen, die den gesamten türkischen Fußball tiefgreifend beeinflussen wird. Auf der mit enormer Spannung erwarteten außerordentlichen Wahlversammlung des Traditionsvereins hat sich die Kontinuität gegen das finanzielle Innovationsversprechen durchgesetzt. Nach einer intensiven Phase des Wahlkampfs kehrte Aziz Yildirim nach exakt acht Jahren Abwesenheit wieder an die Spitze des Klubs zurück. Der gelb-blaue Riese organisierte die Abstimmung im ehrwürdigen Fenerbahce Sükrü Saracoğlu Sportkomplex sowie auf dem angrenzenden ehemaligen Kenan-Evren-Gelände, um den zehntausenden stimmberechtigten Mitgliedern gerecht zu werden. Die Stimmabgabe vollzog sich in einem streng geregelten Zeitfenster von 9:00 Uhr (MEZ) bis 16:00 Uhr (MEZ), woraufhin unmittelbar die nervenaufreibende Auszählung an den insgesamt 45 Wahlurnen begann. Am Ende der Auszählung stand fest, dass Aziz Yildirim mit insgesamt 17.245 Stimmen offiziell zum 35. Präsidenten der Vereinsgeschichte gewählt wurde. Er ließ seinem Kontrahenten keine echte Chance, da der Gegenkandidat Hakan Safi laut der offiziellen Bekanntgabe lediglich 9.927 Stimmen auf sich vereinen konnte.

Die Rückkehr des erfahrenen Strategen und die Zusammensetzung der neuen Chefetage
Mit dem triumphalen Wahlsieg übernimmt ein altbekannter Steuermann das Ruder des Istanbuler Spitzenklubs. Der mittlerweile 73-jährige Unternehmer, der bereits in einer beispiellosen Ära von 1998 bis 2018 zwanzig Jahre lang das Amt des Präsidenten innehatte, wagt nach seiner achtjährigen Pause den erneuten Schritt in die vorderste Reihe. Um die anstehenden sportlichen und wirtschaftlichen Herausforderungen zu meistern, hat er ein schlagkräftiges Team aus erfahrenen Managern und Vertrauten um sich versammelt. Dem neu formierten ordentlichen Vorstand unter dem Vorsitz von Aziz Yildirim gehören namhafte Persönlichkeiten wie Baris Göktürk, Mahmut Nedim Uslu, Nihat Özbagi, Mustafa Caglar, Ahmet Önder Firat, Cihan Kamer, Fatih Öztürk, Batuhan Özdemir, Tanju Kaya, Ahmet Murat Iman, Özgür Peker, Yusuf Bugra Tanik, Mehmet Aydin und Mehmet Selim Kosif an. Als stellvertretende Vorstandsmitglieder wurden zudem Fatih Aslan, Volkan Akan, Mustafa Aydin Acun, Baris Karagöz, Savas Adalet, Demre Iscen und Yasemin Babayigit benannt, um die Führungsstruktur auf breite Beine zu stellen. Die Stimmbeteiligung spiegelte die historische Dimension wider, da insgesamt 27.387 Mitglieder ihre Stimme abgaben, wovon 27.172 gültige Stimmen, 80 leere Stimmzettel und 135 ungültige Stimmen registriert wurden.

Harte Abrechnung des unterlegenen Herausforderers nach der Niederlage
Noch während die offiziellen Wahlergebnisse durch die Vereinsgremien verkündet wurden, trat der sichtlich enttäuschte Präsidentschaftskandidat Hakan Safi vor die versammelten Medienvertreter, um eine erste, überaus kritische Stellungnahme abzugeben. Der Funktionär fand dabei deutliche Worte für das Stimmverhalten und sparte nicht mit scharfer Analyse bezüglich der Mentalität innerhalb der Anhängerschaft. Im Gespräch mit den Journalisten äußerte er sich wie folgt über die verpasste Chance des Klubs: „Soweit wir sehen können, haben wir verloren. So sieht es aus. Wir halten es für richtig, diese Erklärungen abzugeben. Wir haben gesagt, dass die Wahlurne unseres Fenerbahce eine Frage der Ehre ist. Die Fenerbahce-Gemeinschaft will es so. Ich habe versucht, der Fenerbahce-Gemeinde eine Aufbruchstimmung und neuen Schwung zu verleihen. Ich habe Fenerbahce ernsthafte Investitionen und Transfers versprochen. Ich habe gesagt, dass ich die Verträge dafür bereits abgeschlossen habe. Aber wie Sie sehen, sieht die Fenerbahce-Gemeinschaft das anders. Sie liebt das Alte, sie lebt gerne mit der Vergangenheit. Deshalb gratuliere ich auch unserem Konkurrenten, dem Präsidenten Aziz Yildirim. Hoffentlich wird er erfolgreich sein. Ich bin immer ein Soldat von Fenerbahce, stehe zu Diensten. Unsere Gemeinschaft hat es so für richtig befunden, hat es so gewollt. Deshalb danke ich Ihnen allen.“

Die Zukunft des Vereins liegt im Auge des Betrachters
Trotz der deutlichen Niederlage betonte der gescheiterte Herausforderer, dass er seine tiefe Verbundenheit und Verantwortung gegenüber dem Verein niemals aufgeben werde. Er bedankte sich ausdrücklich bei den zahlreichen Kongressmitgliedern, die an seine Vision eines modernen Aufbruchs geglaubt und ihm ihr Vertrauen geschenkt hatten. Gleichzeitig richtete er eine skeptische Prognose an diejenigen, die sich für die traditionelle Variante entschieden hatten, und stellte die Frage in den Raum, welche genaue Vorstellung diese Mitglieder von der Zukunft des Vereins hätten. In seinen abschließenden Worten erklärte er gegenüber den Medien, dass man das Ganze nun der Zeit überlassen müsse und man sich gemeinsam hinsetzen werde, um zu beobachten, wie sich der Klub tatsächlich entwickelt. Seine persönliche Verantwortung bleibe bestehen und nach den notwendigen internen Beratungen werde man den eigenen Weg weiter gestalten. Er schloss seine Erklärung mit den Wünschen, dass dem Verein schöne Dinge bevorstehen mögen und man die konkreten sportlichen sowie wirtschaftlichen Ergebnisse der neuen Führung bereits innerhalb eines Jahres gemeinschaftlich bewerten werde.

