Am vierten Spieltag der UEFA Champions League hat Fenerbahce für eine faustdicke Überraschung gesorgt und den englischen Spitzenklub FC Liverpool in einer packenden Begegnung mit 3:2 bezwungen. Die Gelb-Marineblauen bewiesen im eigenen Stadion enorme Moral, steckten gleich zwei Rückstände weg und feierten am Ende einen historischen Triumph. Dank des spektakulären Heimsiegs erhöhten die Istanbuler ihr Punktekonto in der Ligaphase auf fünf Zähler, während die Reds ihre anhaltende Auswärtsbaisse in der türkischen Metropole fortsetzen mussten.
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Historischer Meilenstein: Erster Königsklassen-Sieg seit über 18 Jahren
Der Erfolg gegen den Premier-League-Vertreter bedeutet für den Traditionsverein aus Kadikoy einen historischen Durchbruch. Nach 18 Jahren Abwesenheit kehrt Fenerbahce in dieser Spielzeit auf die Bühne der „Königsklasse“ zurück und feiert zugleich die Premiere in der neuen Ligaphase. Der zuvor letzte Dreier in der Champions League datierte vom 2. April 2008, als man das Viertelfinal-Hinspiel gegen den FC Chelsea London mit 2:1 für sich entschieden hatte. Nach einer langen Durststrecke auf internationalem Parkett ist der frenetisch gefeierte Coup gegen Liverpool ein Meilenstein. In der Gesamtbilanz gegen englische Vereine schraubten die Gelb-Marineblauen ihre Ausbeute aus 25 Duellen auf sieben Siege bei vier Unentschieden und vier Niederlagen nach oben. Für die Gäste von der Insel verlängerte sich indes der Istanbul-Fluch: Nach sechs Niederlagen und einem Remis in sieben Europapokal-Gastspielen gegen türkische Klubs am Bosporus reiste Liverpool erneut mit leeren Händen ab.

Spektakulärer Spielverlauf: Greenwood und Brown antworten auf Liverpooler Führungstore
Die Partie begann mit hohem Tempo und Chancen auf beiden Seiten. Bereits in der vierten Minute prüfte Victor Munoz Fener-Torhüter Ederson, der stark zur Ecke klärte. Nach einer verunglückten Rückgabe von Kostas Tsimikas scheiterte N’Golo Kante in der 16. Minute frei vor Liverpool-Schlussmann Alisson Becker. In der 25. Minute gingen die Gäste in Führung: Nach einer Flanke von Dominik Szoboszlai und einer Kopfballabwehr von Archie Brown zog Treymaurice Nyoni ab, wobei der Ball unglücklich von Kojo Peprah Oppong zum 0:1 abgefälscht wurde. Die Hausherren zeigten sich unbeeindruckt. Nur zwei Minuten nach einem Pfostenschuss von Irfan Can Kahveci schlug Mason Greenwood in der 29. Minute per direktem Freistoß zu, der von der Mauer unhaltbar zum 1:1 abfälscht wurde. Mit diesem Treffer schraubte der Offensivspieler seine persönliche Saisonausbeute wettbewerbsübergreifend auf acht Tore (vier in der Trendyol Süper Lig, zwei in der Quali, zwei in der Ligaphase). Bei seiner Auswechslung in der 89. Minute wurde er unter anderem durch Oguz Aydin ersetzt und von den Rängen mit stehendem Applaus verabschiedet.

Auch im zweiten Durchgang wogte das Spiel hin und her. Nachdem Ederson stark gegen Bradley Barcola (56. Minute) und einen Kopfball von Virgil Van Dijk (57. Minute) gerettet hatte, schlugen die Gäste erneut zu. In der 69. Minute köpfte Alexander Isak eine Flanke von Cody Gakpo trotz einer Berührung von Ederson zur erneuten Führung für Liverpool ein (1:2). Doch die Antwort von Fenerbahce folgte prompt: In der 73. Minute profitierte Archie Brown von einem unzureichenden Klärungsversuch von Gakpo und schob die Kugel am zweiten Pfosten zum 2:2 in die Maschen. Für den Linksverteidiger, der im Sommer bereits gegen die AS Rom und Olympique Lyon getroffen hatte, war es im zwölften Pflichtspiel der Saison bereits das dritte Tor – allesamt auf europäischer Bühne.

Joker Vedat Muriqi schießt Trainer Dirk Kuyt zum emotionalen Sieg
Den Schlusspunkt unter einen unvergesslichen Europapokal-Abend setzte der eingewechselte Vedat Muriqi. Der kosovarische Torjäger, der zunächst auf der Bank Platz genommen hatte, ersetzte in der 63. Minute Romelu Lukaku. In der 79. Minute machte sich der Joker unsterblich: Nach einem weiten Einwurf von Brown auf der rechten Seite verlängerte Milan Skriniar den Ball am ersten Pfosten, woraufhin Brown direkt flach in den Strafraum flankte. Dort lauerte Muriqi, der aus kurzer Distanz per Kopf zum umjubelten 3:2-Siegtreffer vollendete. Für den Angreifer war es im zehnten Saisontreffer insgesamt der erste Treffer in der Ligaphase der „Königsklasse“.

Ganz nebenbei schrieb auch das Trainerduell eine besondere Geschichte: Für den Chefcoach der Gelb-Marineblauen, Dirk Kuyt, war das Aufeinandertreffen eine Herzensangelegenheit. Der frühere Angreifer, der zwischen 2006 und 2012 in 285 Pflichtspielen (71 Tore, 40 Vorlagen) eine echte Legende beim FC Liverpool geworden war, stand seinem alten Verein erstmals als verantwortlicher Übungsleiter gegenüber und durfte am Ende einen historischen Sieg bejubeln.
Aufstellungen
Fenerbahce: Ederson – Semedo (75. Müldür), Skriniar, Oppong, Brown – Guendouzi, Kante, Yüksek, Greenwood (89. Aydin), Kahveci (75. Aktürkoglu) – Lukaku (63. Muriqi)
FC Liverpool: Alisson – Gomez (66. Wirtz), Jacquet, Van Dijk, Tsimikas (76. Kerkez) – Mac Allister, Nyoni (85. Koumas), Munoz (66. Isak) – Szoboszlai, Ngumoha (66. Gakpo), Barcola
Tore: 0:1 Nyoni (25.), 1:1 Greenwood (29.), 1:2 Isak (69.), 2:2 Brown (73.), 3:2 Muriqi (79.)
Gelbe Karten: Archie Brown (Fenerbahce) – Mac Allister (FC Liverpool)



