Beim Schwarzmeer-Klub Trabzonspor hat Cheftrainer Thomas Reis in der aktuellen Ausgabe des vereinseigenen Magazins Trabzonspor Dergisi tief blicken lassen. In einem ausführlichen Interview sprach der deutsche Übungsleiter über seine ersten Monate an der Schwarzmeerküste, seine klare Fußballphilosophie und seine Verbundenheit zum türkischen Fußball. Dabei betonte der 53-jährige Coach, wie stolz ihn die Aufgabe bei den Bordeaux-Blauen mache und dass er die treibende Energie aus dem enormen Umfeld förmlich aufsauge.
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Stolz nach dem Anruf: Begeisterung über das Trabzonspor-Engagement
Bereits in der vergangenen Saison hatte Thomas Reis die Atmosphäre in der Trendyol Süper Lig schätzen gelernt, als er noch bei Samsunspor an der Seitenlinie stand. Als die Anfrage aus Trabzon eintraf, zögerte der erfahrene Fußballlehrer keine Sekunde. Reis beschrieb diesen Moment im Interview mit emotionalen Worten: „Als der erste Anruf von Trabzonspor kam, dachte ich: ‚Das ist großartig!‘ Denn dieses Angebot hat mich sehr stolz gemacht. Es hat mir gezeigt, dass die Arbeit, die ich in der Türkei bei Samsun geleistet habe, offenbar gar nicht so schlecht war. Die Kommunikation mit unserem Präsidenten und den Verantwortlichen war sehr gut. Ich habe meine Entscheidung innerhalb kürzester Zeit getroffen. Jetzt bin ich hier und wirklich stolz und glücklich.“

„Ich liebe den Druck“: Philosophie zwischen Disziplin und Freiheit
Angesichts der leidenschaftlichen Anhängerschaft und der ständigen Erwartungshaltung in der Hafenstadt herrscht ein ständiger Erfolgsdruck, den der Coach jedoch als positive Herausforderung begreift. Für den Deutschen existieren im Traineralltag keine unlösbaren Probleme, sondern lediglich besondere Situationen. Seine taktische Ausrichtung fußt auf einem klaren Fundament, wie er verdeutlichte: „Ich spreche niemals von einer ‚schwierigen Aufgabe‘ oder einer ‚schwierigen Situation‘. Ich nenne es immer eine ‚besondere Situation‘, und ich mag besondere Situationen. In einer Mannschaft braucht man vor allem Disziplin, aber auch einen klaren Rahmen und Regeln. Mein Stil besteht aus Disziplin und Freiheit. In der Defensive benötigt man eine gute Disziplin und die richtige Mentalität. In der Offensive muss es dagegen mehr Freiheiten geben, damit gute Spielsituationen und Torchancen entstehen können.“

Offene Worte und Respekt: Keine Toleranz für Undiszipliniertheiten
Neben taktischen Finessen legt Thomas Reis enormen Wert auf einen ehrlichen Umgangston und bedingungslosen Respekt innerhalb des Kaders. Zwar könne er im Trainingsbetrieb durchaus emotional werden, doch Fehlverhalten während des Wettkampfs ahndet er konsequent. Zu seiner internen Linie äußerte sich der Coach unmissverständlich: „Ich mag es nicht, wenn ein Spieler bei seiner Auswechslung eine schlechte Haltung oder ein unangemessenes Verhalten zeigt. Wir können am nächsten Tag persönlich miteinander sprechen. Wenn er mir etwas sagen möchte, kann er es mir direkt ins Gesicht sagen. Wenn es jedoch darum geht, nach außen ein schlechtes Bild abzugeben, muss ich Entscheidungen treffen. Für mich ist entscheidend, dass wir uns jederzeit gegenseitig respektieren.“ Neben fußballerischem Talent seien ohnehin vor allem Charakter und die richtige Mentalität die entscheidenden Stellschrauben für den Erfolg.
Einblicke in den Alltag: Zwischen lokaler Küche und familiärer Unterstützung
Abseits des Trainingsplatzes nutzt Thomas Reis seine freie Zeit, um die Kultur und die Menschen vor Ort kennenzulernen, auch wenn die räumliche Trennung zu seiner in Deutschland verbliebenen Ehefrau manchmal schmerzt. Von den regionalen Köstlichkeiten zeigt sich der Übungsleiter begeistert: „Ich liebe die Spezialitäten aus Trabzon. Sie schmecken wirklich hervorragend. Auch die türkischen Menschen mag ich sehr, weil sie ausgesprochen freundlich und hilfsbereit sind. Ich kann sagen, dass die Türkei für mich in jeder Hinsicht wie eine zweite Heimat ist.“ Zum Abschluss fasste der Trainer seine Gefühlslage und die Eigenschaften des Vereins prägnant zusammen: Für ihn steht der Begriff „Mentalität“ über allem, während er das Leben an der Schwarzmeerküste kurz und bündig mit den Worten „Çok güzel“ beschrieb.



