Fenerbahce

Emre Belözoglu: “Fenerbahce brauchte Qualität. Die haben wir jetzt!”


Welche Aufgabe wurde eigentlich Emre Belözoglu bei Fenerbahce übertragen? Diese Frage beschäftigte die türkische Fußballwelt seit geraumer Zeit. Insbesondere seit der Transferperiode im Sommer, in der der 40-Jährige bei den unzähligen Spielerverpflichtungen der Istanbuler hervortrat und immer wieder als zentrale Figur bei den Vertragsverhandlungen genannt wurde. Inoffiziell wurde Belözoglu regelmäßig als Sportdirektor tituliert. In  der gestrigen Pressekonferenz im Ülker-Stadion bestätigten der 101-malige türkische Nationalspieler und Präsident Ali Koc dies nun auch der Presse. Zunächst sprach der 53-jährige Geschäftsmann und verkündete die frohe Botschaft, ehe er das Wort an Belözoglu übergab.

Koc: „Belözoglu wollte nach Italien“

„Jeder kann vieles bezüglich Emre sagen, aber wir alle teilen die Meinung, dass er einer der besten türkischen Fußballer auf der Welt ist. Wir sprechen hier von einem Sportler, der in drei der besten fünf Ligen auf der Welt etliche Jahre gespielt hat und mehrere Erfolge feiern konnte. Es gibt keine Regel, die besagt, dass man nach einer erfolgreichen Karriere als Fußballer auch später noch erfolgreich sein wird. Viele Trainer oder Sportdirektoren sind hierbei gescheitert. Aber gleiches ist auch umgekehrt eingetreten. Emre startet eine neue Karriere. Zur Saison 2018/19 haben wir uns mit der Erlaubnis von Göksel Gümüsdag mit ihm unterhalten. Zu dem Zeitpunkt war es noch unklar, ob er zu Fenerbahce zurückkehren würde. Ich wollte lediglich ein Gespräch mit einem ehrlichen und vertrauenswürdigen Menschen führen, der Fenerbahce kennt. Er wollte nach dem Ende der Saison nach Italien ziehen, um sein Italienisch aufzubessern, damit er in der Lage ist einen Trainerjob zu bekleiden“, so der Fenerbahce-Boss zu Beginn der PK.

„Belözoglu hat ein Kaninchen aus dem Hut gezaubert“

Im weiteren Verlauf konnte Koc seine Bewunderung für Belözoglu nicht verheimlichen: „Es war eine interessante Transferperiode. Für den neuen Coach haben wir uns mit Emre zusammengesetzt und lange gesprochen. Er sagte mir, dass im Klub ein ‘Fußball-Kopf’ fehle. Sowohl Emre als auch unser Coach Erol Bulut hatten bestimmte Spielerwünsche. Auch wir als Vorstand hatten uns natürlich Gedanken gemacht. Emre hat während seiner Zeit in Europa sehr gute Kontakte aufgebaut. Diese Namen haben sich später zu gewissen Größen in Europa entwickelt. Als Emre bei ihnen anklopfte und sie Fenerbahce halfen, hat es mich sehr beeindruckt. Der türkische Fußball muss durch Menschen geleitet werden, die aus dem Herzen des Fußballs kommen, insbesondere beim TFF. In dieser Transferperiode durfte ich diese Erfahrung noch einmal machen. Seit meiner Amtsübernahme habe ich am Posten des Sportdirektors festgehalten. Auch wenn wir zu Beginn mit Problemen zu kämpfen hatten. Ich kann sagen, dass Emre ein Kaninchen aus dem Hut gezaubert hat. Mit seiner richtigen Planung ist sowohl die Qualität innerhalb der Mannschaft gestiegen als auch die Kosten gesenkt worden. In diesem Sinne geben wir bekannt, dass Emre Belözoglu unser neuer Sportdirektor geworden ist. Ich heiße ihn herzlich Willkommen. Ich glaube daran, dass er wie in seiner Karriere als Fußballer auch in seiner weiteren Laufbahn sehr erfolgreich sein wird. Die Laufzeit des Vertrags beträgt nur ein Jahr, weil im nächsten Jahr Vorstandswahlen anstehen.“

Belözoglu: „Transfers haben einen Durchschnittsgehalt von einer Million Euro“

Danach kam Belözoglu selbst zu Wort: „Als ich das Amt übernahm, bin ich zu sehr in den Fokus geraten. Das hat mich um ehrlich zu sein sehr gestört. Ich wollte ein Teil einer Gruppe sein, die als Einheit nach außen wirkt. Wir haben sehr detailliert und umsichtig gearbeitet und nicht jeder für sich. Die Transfers, die sehr sorgfältig getätigt wurden, sehe ich nicht als Erfolg an. Erst wenn die Ergebnisse auf dem Platz stimmen können wir darüber sprechen. Unsere Planungen beziehen sich auf den Titelgewinn. Auf dem Samandira-Trainingsgelände ist unser Anführer Erol Bulut und kein anderer. Mit der Spielausrichtung oder der Taktik werde ich nichts zu tun haben. Unter der Führung unseres Präsidenten haben wir eine Struktur aufgebaut. Bislang habe ich mir keinen Sportdirektor als Vorbild genommen. Alle Transfers seit meiner Ankunft haben lediglich einen durchschnittlichen Jahressalär in Höhe von einer Million Euro. Für uns war es wichtig gute Spieler zu holen und die Qualität im Team zu verbessern. Denn genau das hat Fenerbahce gefehlt. Bei zwei bis drei Spielern waren wir leider nicht erfolgreich.”

„War eine unterhaltsame Testfahrt“

Auch erklärte der frühere Inter-Profi, wie die vergangenen Monate abgelaufen sind: „Wir haben uns Parameter überlegt, die für uns von Bedeutung sind. Beispielsweise der leidenschaftlichste Spieler, der Spieler mit den meisten Ballkontakten im Strafraum oder aber auch der effektivste Spieler. Es gibt eine Scouting-Gruppe, die für uns die Spieler beobachtet. Ich habe zudem meinen eigenen Staff und auch Erol Bulut hat seine eigenen Mitarbeiter. Unser Vorstand hat natürlich Ideen und auch Erol Bulut seine Überlegungen. Letzten Endes schauen wir noch auf die Statistiken und entscheiden uns dann für einen Spieler. Manchmal reicht die Qualität nicht aus, so dass wir andere Parameter in Betracht ziehen, wie die Zugehörigkeit zu einem Klub oder sein Verhalten in der Umkleidekabine. Die letzten drei bis vier Monate waren eine unterhaltsame Testfahrt für mich. Wir haben versucht eine Mannschaft auf die Beine zu stellen, die auch Alternativen mit sich bringt. Ein Spieler, der einem Konkurrenzkampf ausgesetzt ist, spielt automatisch besser. Wir haben eine neue Mannschaft zusammengestellt, das darf man nicht vergessen. Eine neue Mannschaft mit einem Sportdirektor, der noch null Kilometer auf dem Tacho hat.“



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M. Cihad Kökten

M. Cihad Kökten

5 Kommentare

  1. Avatar
    30. Oktober 2020 um 9:04 —

    Ich sehe FB als Favoriten auf den Meisterschaftstitel. BJK hat nicht Kader dafür um Meister zu werden, außer Sergen Yalcin formt eine Elite-Einheit aus der Truppe.
    Bei Basaksehir warte ich bisschen ab, da sie immer erst später zünden und die Siege dann später holen.
    TS sehe ich nicht im Meisterschaftsrennen.
    Und wir, damit meine ich GS, haben unsere Probelme mal wieder innerhalb und außerhalb des Platzes. Wenn wir diese in den Griff bekommen können wir über die Meisterschaft reden, wobei das auch von einigen Spielern abhängt. Ein Muslera, Feghouli und Falcao wären die wichtigsten Bausteine.

    Bei FB sehe ich einen sehr breiten Kader, was man in den vergangenen Jahren eben nicht hatte. Wenn sich Samatta verletzt spielt eben Cisse. Verletzt sich GG spielt Sangare, oder im Fall Caner spielt Novak. So einen breiten Kader hat keiner in der Türkei. Wenn man es nicht schaffen sollte Meister zu werden, kann man den Verein auch getrost von der Liga abmelden.

    Vieles ist abhängig von der Form der Teams, aktuell sehe ich keinen Verein wo ich sage, dieses Team spielt aktuell den besten Fußball. Alle bewegen sich auf dem gleichen Niveau. In dieser Saison werden eben diese Spiele gegen die kleineren Teams entscheidender sein als Derbys. Wer gegen die Teams aus der unteren Tabellenhälfte seine Hausaufgaben erledigt wird auch die Nase vorne haben.

  2. Avatar
    29. Oktober 2020 um 20:30 —

    Übrigens ist das mit der Qualität eine richtige Feststellung von Emre Belözoglu, ich bin auch der Meinung, das wir uns hier im Vergleich zu den letzten Jahren seigern mussten.

    Aktuell befinden sich im FB Kader 10 Spieler die in ihren früheren Teams die Kapitänsbinde getragen haben, das bedeutet, das sich hier die Anzahl der Führungsspieler auf dem Platz enorm gesteigert hat.

    Außerdem bin ich heuer sehr zufrieden damit, das im Vergleich zur Vorsaison nicht nur ein einziger FB Spieler wie Vedat Muriqi Tore schießen kann sondern viele andere Spieler auch ihrer Beitrag in Form von Toren zum Mannschaftserfolg leisten können.

    Mit Pelkas, Enner Valencia, Samatta, Gökhan Gönül, Sosa, Cisse, Serdar Aziz und Tisserand haben wir hier einige Spieler mehr als letztes Jahr, auch wenn mir persönlich 10 FB Tore am 6. Spieltag oder anders ausgedrückt 1,666 FB Tore pro Partie nicht annähernd genug sind, hier habe ich viel höhere Erwartungen an die FB Mannschaft.

    In dieser Saison werden sicherlich 80 Punkte und 80 Tore für den Titel in der Süperlig völlig ausreichen, das sind statistisch gesehen 2 FB Tore pro Spiel, das muss doch bei diesen vielen (qualitativen) Offensivspielern im FB Kader machbar sein oder Hr. Belözoglu?

  3. Avatar
    29. Oktober 2020 um 18:40 —

    Emre Belözoglu ist ein absoluter Leitwolf auf dem Platz gewesen, für den nur eins zählte und zwar der Sieg, er hasste nichts so sehr wie zu verlieren.

    Als FB Fussballdirektor hat er nicht viel Erfahrung, jedoch kann er sich das aufgrund seiner Intelligenz jederzeit aneignen. Es ist wichtig, das er hier immer auf dem aktuellsten Fussballstand bleibt und sich auch nicht zu schade ist in Europa fortzubilden.

    Diese Türken mit dieser “ich weiss alles besser” Mentalität können wir bei FB nicht gebrauchen, Fussball ist ein Mannschaftssport, wieso sollte das außerhalb des Platzes anders sein? Egoisten die nur an sich denken, sind hier absolut Fehl am Platz.

    Ich wünsche Emre Belözoglu viel Erfolg als FB Fussballdirektor, hoffentlich können wir alle zusammen am Ende der Saison die 29. FB Fussballmeisterschaft feiern.

  4. Avatar
    29. Oktober 2020 um 18:32 —

    Emre ist bisher, der beste türkische Fußballer den es je gab. Da gibt es für mich keinen vergleichbaren türkischen Spieler.

    Denn er hat konstant vom ersten Tag seiner Karriere bis zu seinem letzten Tag, gute Leistungen gezeigt. Und das ist ansonsten keinem Türken gelungen.
    Er hat nie eine Saison gespielt, in der ich gesagt hätte, dass er schlecht ist oder nichts taugt. Er war die letzten Jahre zwar desöfteren verletzt, doch wenn er auf dem Platz stand, hat er stets 100% gegeben und guten Fußball gezeigt.

    • Avatar
      30. Oktober 2020 um 11:56

      Soll das ein Witz sein? Nach Inter kam von Emre nix mehr. Bei FB war er doch der Einäugige unter den Blinden.

      Der beste türkische Fußballer aller Zeiten ist Hakan Şükür.

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