Türkischer Fußball

Lettland 1:2 Türkei: Die türkischen Spieler in der Einzelkritik


Die Erleichterung innerhalb der türkischen Nationalmannschaft könnte nach dem Last-Minute-Sieg in Lettland kaum größer sein. Durch den wichtigen Erfolg wahrte die Truppe von Nationaltrainer Stefan Kuntz vor den letzten beiden WM-Qualifikationsspielen die Chance auf Platz zwei in der Gruppe G und die Playoffs, sollte Norwegen gegen Lettland oder die Niederlande noch patzen und die Türkei gegen Gibraltar und Montenegro gewinnen. Doch wie waren die individuellen Leistungen der Halbmond-Kicker beim umkämpften Arbeitssieg in Riga?


Ugurcan Cakir: Der Trabzonspor-Torhüter hütete den Kasten wie schon gegen Norwegen und war beim Eigentor von Mitspieler Merih Demiral aus kürzester Distanz chancenlos. Danach hatte Cakir bis auf wenige Angriff der Letten kaum etwas zu tun, blieb jedoch im gesamten Spielverlauf ruhig und versuchte dies mit Anfeuerungen auch auf seine Vorderleute zu übertragen. Note: 3,5

Zeki Celik: Zeigte sich im Vergleich zum Norwegen-Spiel verbessert, hatte es dabei aber auch nicht mit einem Spieler vom Kaliber Mohamed Elyounoussi zu tun. Dennoch wirkte der Profi vom OSC Lille nicht immer solide und schaltete sich kaum nennenswert in die Angriffe ein, um das Offensivspiel der Türkei zu unterstützen. Note: 4,0

Merih Demiral: Die Formkurve des Atalanta Bergamo-Verteidigers zeigt deutlich nach unten. Hinten verschuldete der 23-Jährige amateurhaft das 0:1 per Eigentor. Vorne bewegte er sich vom Ball und dem Tor weg und ließ eine wichtige Chance fahrlässig liegen. Zudem brachte er seinen Hintermann Cakir ein ums andere Mal mit unnötigen und gefährlichen Rückpässen in Bedrängnis. Wenn Demiral so weitermacht, könnte das Abenteuer Europa bald wieder vorbei sein. Note: 5,0

Caglar Söyüncü: Der Fels in der Brandung. Seine Kopfballstärke kam gegen die hochgewachsenen Letten genau richtig. Gegen Norwegen hatte man dies noch arg vermisst, insbesondere bei den Standards. Wenn jemand die schnellen Konter des Gegners unschädlich machte und das Spiel von hinten heraus aufzog, war es der England-Legionär. Präsentierte sich gewohnt zweikampfstark und körperlich robust. Note: 2,0

Caner Erkin: Einmal mehr weder in der Defensive noch in der Offensive ein Faktor. Seine Auswechslung kam für viele zu spät und sogar sein Startelfeinsatz war umstritten. Mal wieder keine erfolgreiche Flanke, dafür deutlich zu viel Abstand zum Gegner, der Räume für einfache Zuspiele und Hereingaben der Letten ebnete. Note: 4,5

Berat Özdemir: Der 23-Jährige ackerte wie schon gegen Norwegen unermüdlich im Mittelfeld und kämpfte um jeden Ball, um die Angriffe der Letten zu unterbinden. Einige gute Seitenwechsel mit präzisen langen Bällen öffneten des Öfteren das Spiel der Türken. Hat sich durch seinen bedingungslosen Einsatz für weitere Nominierungen und einen festen Platz im Kader der Türkei empfohlen. Note: 3,0

Orkun Kökcü: Der Offensivspieler von Feyenoord Rotterdam konnte im Spiel nicht die gewünschten Offensiv-Impulse setzen und ging im eng gestaffelten und defensiv ausgerichteten Mittelfeldzentrum des Gegners meist unter. Seine Auswechslung kam folgerichtig. Note: 4,5

Hakan Calhanoglu: Bis auf einen gefährlichen Freistoß, der knapp das Ziel verfehlte, ließ auch Calhanoglu abermals die notwendigen Akzente im Angriffsspiel der Türken vermissen. Schafft es im Nationalteam selten, dem Spiel wie bei Inter oder damals beim AC Mailand seinen Stempel aufzudrücken. Note: 4,0

Kerem Aktürkoglu: Neben Cengiz Ünder wohl der einzige Akteur im Kader, der im Eins gegen Eins gefährlich ist, Zug zum Tor hat und durch Dribblings die gegnerische Abwehr vor Probleme stellt. Spielte erneut mutig und suchte den Abschluss, wenn er sich anbot. Mit Aktürkoglu ist auch in Zukunft zu rechnen. Note: 3,0 

Cengiz Ünder: Wenn die Offensive festgefahren ist, suchen alle türkischen Spieler ihren Teamkollegen Cengiz Ünder. Der dribbelstarke Linksfuß soll das Spiel dann quasi durch eine Einzelaktion oder einen genialen Moment für die Türken entscheiden. Und es ist in er Tat so, dass man das Gefühl bekommt, dass es nur gefährlich wird, wenn Ünder den Ball hat. Sein satter Linksschuss aus dem Nichts mit 105 km/h hätte beinahe die Führung beschert und zwang den Gäste-Keeper zu einer Parade. Schließlich war es wieder seine Flanke, die den Ausgleich herbeiführte. Note: 2,0

Burak Yilmaz: War im Spiel nahezu komplett abgemeldet und ging zwischen den hochgewachsenen Abwehrspielern der Letten unter. Foulte mehrfach leichtsinnig und riskierte dabei wiederholt eine Gelb-Rote Karte. Auch durch sein ständiges Reklamieren. Schindete allerdings sehr clever den Elfmeter, als er den Laufweg seines Gegenspielers kreuzte und den Kontakt forcierte. Beim anschließenden Strafstoß zeigte Yilmaz keine Nerven und entschied das Spiel zugunsten der Türkei. Note: 3,5

Serdar Dursun: Die Einwechslung, die für den Unterschied sorgte. Ein klassischer Strafraumstürmer, der durch seine Kopfballstärke und beidfüßigen Abschluss jederzeit für ein Tor gut ist. Genau der richtige Mann, den man in solchen Spielen, wenn der Gegner mauert, ins Spiel bringen kann. Seine Präsenz brachte die Abwehr der Letten völlig aus der Balance und eröffnete sich und seinen Mitspielern endlich die notwendigen Räume für Chancen. Nach seinem Ausgleichstreffer stellten sich fast alle türkischen Fans dieselbe Frage. Warum wurde Dursun so viele Jahre nicht von Senol Günes ins Nationalteam berufen, obwohl die Türkei mehrfach mit Stürmer-Problemen zu kämpfen hatte? Note: 2,0

Ridvan Yilmaz: Begann nervös und mit einigen Ballverlusten, steigerte sich dann aber immer mehr und erzeugte viel Druck über links mit einigen gefährlichen Flanken. Stand auch defensiv solide und eng am Mann. Wohl derzeit die vielversprechendste Option für die linke Abwehrseite, da er das Spiel in beide Richtungen ausgewogen und gut beherrscht. Note: 3,0

Halil Dervisoglu: Wurde von Nationalcoach Kuntz als dritte Spitze ins Spiel geschickt und wirbelte die Verteidigung der Letten durcheinander. Belebte das Offensivspiel der Türkei zusätzlich und erhöhte durch seine Aktionen den Druck auf den Gegner. Wie Dursun ebenfalls eine gute Alternative für den Sturm der türkischen Mannschaft. Note: 2,5




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5 Kommentare

  1. 13. Oktober 2021 um 17:57 —

    „ Freue mich über Kuntz, aber die noch mögliche WM Teilnahme hätte ich evtl mit Senol weitergespielt, denn Norwegen ohne Haaland und Sörloth muss man schlagen,…“

    Also, ich leite daraus dass du meinst, mit senol , also der trainer, der gegen lettland zuhause eine 3-1 führung verspielt hat, der gleiche, der gegen montenegro eine 2-0 führung verspielt hat, ja mit diesem Senol, hätten wir also das Spiel gewonnen?

    • 15. Oktober 2021 um 11:29

      Genau! Ich rede von dem Senol, der gegen leichte Gegner schnell in Führung gegangen ist! Eine 2-0 und 3:1 Führung zu erspielen, ist als türkischen NM nicht so selbstverständlich, ganz egal gegen wen…. da muss man als Türke auf den Boden der Tatsachen geholt werden!

      Diese Führung, erspielten sich die 11 die der Senol auf den Platz geschickt hat und seine Taktik gespielt haben, das sie diese nicht halten konnten oder nicht weiter ausbauen konnten, liegt großteil auch an den 11 die auf dem Rasen stehen….

      Wir sind als NM ohnehin dafür bekannt uns das Leben selbst schwer zu machen, aber nochmal….

      Ich rede von dem Senol, der den Weltmeister 2:0 geschlagen und im Rückspiel 1:1 gespielt hat…
      der gegen Holland 3:0 geführt und 4:2 gewonnen hat,
      der gegen Deutschland 3:3 gespielt hat und gegen Norwegen mit einem der besten Stürmer aktuell in der Fußballwelt 3:0, sprich ohne Gegentreffer nachhause geschickt hat.

      Ich heiße keinesfalls alles gut, was Senol gemacht hat! Doch wenn er Fehlerfrei wäre, wäre er Trainer bei Real, Barca und Co.
      Er hat viel gutes erreicht, das man nicht schlecht reden braucht! Hätte vor seiner Amtszeit jemand gesagt, wir holen gegen den WM 4 punkte aus 2 Spielen, hätten sie uns ausgelacht… selbiges gilt auch für Holland, wenn man vorher gesagt hätte, man gewinnt 1 und verliert 1 Spiel, ganz unabhängig vom Ergebnis!
      Das 6:1 war heftig, doch unseren Spielern mangelt es an Charakter, bei jedem Gegentreffer in der EM, hingen die Köpfe und keiner hat mehr was gerissen, selbiges ist gegen Holland passiert, es fehlt an Führungskraft, das man seinen Mann steht und sagt, wir lassen uns nicht abschießen und drehen das Ding noch irgendwie… Doch da kann ein Trainer, der die Truppe, 2-3 mal im Jahr je 1 Woche sieht, kaum bewirken, die Spieler spielen alle in guten Clubs, wenn sie da auch so ticken, sollte man eher die in Frage stellen….

    • 16. Oktober 2021 um 13:23

      @fene12bahce
      Ich finde deine Argumente irgendwie löchrig. Wenn die Türkei Tore schießt, liegt es an der Taktik und Strategie von Şenol laut dir. Wenn sie aber Tore kassiert, sind nur die 11 Spieler schuld?

      Darf ich dich bitte an das EM Spiel gegen die Wales erinnern? Wales stand mehrmals hinter unserer Abwehrlinie exakt mit dem gleichen Pass. Ein Trainer muss so etwas sehen und die Abwehr aufmerksamer und tiefer stehen lassen. Außerdem bestimmte Spieler, die immer wieder durchgerannt sind, zumachen.
      Er hat nicht reagiert.

      Ja, wir haben gegen NET 4 Tore geschossen. Eins per Freistoß. Eins per schwachem linksfus Schuss, der irgendwie ins Tor ging. Waren das für dich etwa taktisch erspielte Tore? Wie sah die Taktik aus „OK ihr rennt nach vorne, lasst euch kurz vorm Strafraum foulen und Burak macht das Ding per Freistoß ins Torwarteck rein.“?
      Und war gegen NET nicht sogar der Ersatztorwart zwischen den Pfosten?

      Ich akzeptiere ja, dass du Şenol magst. Aber du redest ihn echt für Dinge gut, die er sich nicht geleistet hat. Wir haben wichtige Spiele gewonnen, ja. Aber die Strategie und Aufstellung von damals wirkt halt nicht nach 1 Jahr immer noch. Die Gegner passen sich doch an. Wohingegen wir immer ängstlich spielen lassen haben.

  2. 13. Oktober 2021 um 13:59 —

    Einen Hakan und Yusuf will ich gar nicht mehr bei der Nati sehen. Gerade Hakan spielt endlich auf seiner absoluten Wunschposition und sollte hier seine Stärken endlich zeigen. Jedoch klappt das nie mit ihm und der Türkei so wirklich.
    Auch Yusuf gehört Stand jetzt nicht mehr hier rein. Mit seinen 2 lächerlichen Schüssen gegen Norwegen, die uns die Chancen zu nichte gemacht haben, kann er sich erst einmal einen Platz wieder erkämpfen. Damit kann er bei Lille anfangen.
    Auch Caner hat hier nichts zu suchen, meinetwegen kann man ihn nominieren aber ein Ridvan Yilmaz hätte hier klar den Vorzug bekommen müssen.

    Die beiden Spiele haben mir überhaupt nicht gefallen. Mit 4 Punkten haben wir aber wenigstens das Minimalziel erreicht, auch wenn das Unentschieden uns schon richtig zurückgeworfen hat. Jetzt müssen wir, wie so oft, hoffen und bangen, dass Norwegen irgendwie noch patzt.
    Das einzig positive was wir aus den beiden Spielen ziehen können ist, dass wir Kerem Aktürkoglu und Serdar Dursun für die Nati gewonnen haben. Und vielleicht, dass jetzt dem letzten ahnungslosem verständlich sein sollte, dass Hakan und Yusuf erst einmal zu Hause bleiben sollten.

    Stefan Kuntz braucht definitiv mehr Zeit und mehr (Test-)Spiele um etwas auf die Beine zu stellen.

  3. 13. Oktober 2021 um 13:30 —

    Einige Bewertungen hier sind noch seeeeehr großzügig, fußballerisch hat das ganze wirklich an die 90er erinnert… persönlich musste direkt an das Quali Spiel gegen Lettland 2003 für die EM denken, bei der wir damals gescheitert waren…

    Damals hatten alle Väter im Cafe gesagt, Oglum sizden daha iyi oynar und wenn das diesesmal einige Väter über Ihre Kinder gesagt haben, die in Deutschland iwo im Verein kicken, kann man das voll und ganz nachvollziehen!

    Senol Günes hat zwar hinten raus echt mist gebaut, seine Nominierungen waren oft fraglich, doch was wir die letzten Jahre an Erfolgen erreicht hatten, haben wir ihm zu verdanken. Das ganze geriet aus dem Ruder, als er die Nations League statt Vorbereitung auf die EM, dazu genutzt hat, junge Spieler zu nominieren und sinnfrei aufgestellt… Plötzlich war der Rhythmus weg und wir haben als die jungste Mannschaft der EM gezittert… unsere Medien haben uns zum Favoritenkreis gezählt, da wir gg Weltmeister Frankreich in 2 Spielen, 4 Punkte geholt haben und Fußball Land Holland 4-2 besiegt hatten… Doch mit der Italien Niederlage war plötzlich aaaaaalllles weg! Statt unsere Jungs, samt Trainerteam zu motivieren, hat man sie komplett nieder gemacht…. Obwohl nahezu die ganze erste 11 unserer NM in beachtlichen Vereinen in Europa mittlerweile spielt, spielen wir als würden alle in Anadolu Vereinen aktiv…. Verstehe nicht, wie so schnell alles kaputt sein kann! Freue mich über Kuntz, aber die noch mögliche WM Teilnahme hätte ich evtl mit Senol weitergespielt, denn Norwegen ohne Haaland und Sörloth muss man schlagen, es ist nicht die Luft da, um Kuntz oder ieinem beliebigen Trainer Zeit zu geben… Hätte man Norwegen geschlagen, wäre man mit 1 Fuß weiter, da Norwegen das letzte Spiel gg Holland hat..

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