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Home»Türkei & Legionäre»Türkei-Coach Senol Günes beruhigt die Gemüter um die Euphorie nach Remis in Frankreich!
Türkei & Legionäre 15. Oktober 2019

Türkei-Coach Senol Günes beruhigt die Gemüter um die Euphorie nach Remis in Frankreich!

Von M. Cihad Kökten05 Minuten Lesezeit
Didier Deschamps EURO 2020 Frankreich Hakan Calhanoglu Merih Demiral Mert Günok Moussa Sissoko Olivier Giroud Senol Günes Türkei
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Wer hätte das gedacht? Nach acht Spielen in der Qualifikation zur EURO 2020 führt die türkische Nationalmannschaft die Gruppe H mit 19 Punkten vor dem amtierenden Weltmeister Frankreich an. Während viele Experten in Europa die ganz klare Meinung vertraten, dass die 0:2-Hinspielniederlage Frankreichs in Konya nur ein einmaliger Ausrutscher war, zeigten die Schützlinge von Coach Senol Günes, dass sie sich zu einem ernst zu nehmenden Gegner entwickelt haben. Aus zwei Spielen gegen die „Equipe Tricolore“ ungeschlagen hervor zu gehen und vier Punkte zu ergattern, verdient großen Respekt.

Günes beruhigt die Gemüter

In der Pressekonferenz nach dem 1:1-Remis im Stade de France kamen bereits Fragen bezüglich der Kaderplanung für die Europameisterschaft. Trotz der ganzen Euphorie, die sich um die „Milli Takim“ entwickelt hat, blieb Trainer Günes auf dem Boden der Tatsachen. Der 67-jährige Übungsleiter machte darauf aufmerksam, dass noch nichts entschieden sei und kühlte die Gemüter etwas ab: „Das wichtigste ist, an der Europameisterschaft teilzunehmen und das haben wir noch nicht sicher in der Tasche. Ich bin dankbar für diesen Punkt, denn der war sehr wichtig für uns. Wir sind sehr glücklich, aber haben noch viel Arbeit vor uns. Natürlich hätten wir gerne gewonnen, aber auf dem Platz hieß der Gegner Frankreich. Wir reden hier vom amtierenden Weltmeister und dementsprechend mussten wir etwas zurückhaltender auftreten. Meine Spieler haben auf dem Feld alles gemacht und den verdienten Punkt mitgenommen. Die Fans haben uns unglaublich unterstützt. Es war eine tolle Atmosphäre, die friedlich ihr Ende fand. Die erste Halbzeit ließ vielleicht noch etwas zu wünschen übrig. Nach dem Seitenwechsel waren wir besser, aber es war eigentlich nicht ausreichend. Nun geht es gegen Island zuhause und danach gegen Andorra. Wenn wir beide Partien für uns entscheiden sollten, dann können wir die Gruppe als Erster beenden. Wir müssen uns dafür aber bestens vorbereiten, dass habe ich auch den Spielern gesagt.“

„Vielleicht war das Remis meine Schuld“

Der WM-Dritte von 2002 war nach dem Punktgewinn auch für einen Lacher gut: „Vielleicht ist dieses Remis meine Schuld. Ich habe den Jungs vor der Begegnung gesagt, dass wir noch nie Unentschieden gespielt hätten und ich gerne Unentschieden spielen würde. Wahrscheinlich haben die Spieler deswegen auf ein Remis gespielt. Spaß beiseite. Das wichtigste ist die Teilnahme an der EM und einen schönen Fußball zu spielen.“ Auf die sich häufenden Fragen bezüglich Politik und Militär entgegnete der Nationaltrainer genervt: „Fußball verbindet. Hinter dem Militärgruß unserer Spieler verbirgt sich nichts Negatives. Es geht nicht darum, dass unsere Soldaten Menschen umbringen, sondern unser Leben beschützen. Ausgerechnet mich fragt ihr ständig solche Fragen, aber eigentlich sind das Angelegenheiten von Donald Trump oder Emmanuel Macron. Geht und fragt politische Persönlichkeiten, die die Welt führen. Ich schaffe es gerade einmal meine Mannschaft zu führen.“

Frankreich-Coach von Goalie Mert Günok beeindruckt

Günes‘ Trainerkollege Didier Deschamps auf der anderen Seite war hingegen nicht sonderlich glücklich über das Remis im eigenen Stadion: „Manchmal können solche Spiele passieren. Ich bin eigentlich im Allgemeinen zufrieden. Auf jeden Fall haben wir uns besser als in der Türkei präsentiert. Aber wir haben leider Gottes nicht das Ergebnis holen können, was wir uns eigentlich vorgenommen hatten. Dementsprechend sind wir natürlich traurig und enttäuscht zugleich. Wir kamen zu unseren Chancen, aber Mert Günok hatte einen Sahnetag. Er hat sehr gut gespielt. Die Türkei ist sehr defensiv aufgetreten, aber das hatten wir bereits erwartet. Das sie nicht mit Burak Yilmaz, Cenk Tosun und Hakan Calhanoglu gleichzeitig auflaufen würden, war vorhersehbar. Nach der Einwechslung von Calhanoglu wurden sie in der Offensive aktiver. Man kann beispielsweise die Türkei nicht mit Albanien oder einer anderen Mannschaft vergleichen. Ich stehe hinter meiner Taktik und der Aufstellung. Aber ich muss mich wiederholen, dass Torwart Günok einfach grandios war und klasse gehalten hat.“

Weitere Stimmen zum Spiel

Merih Demiral, Verteidiger Türkei: „Glücklich derjenige, der sich als Türke bezeichnen darf. Unsere Fans haben uns das Gefühl gegeben, als spielten wir zuhause. Man kann gar nicht anders als stolz zu sein. Jeder soll dieser Mannschaft vertrauen. Wir werden uns für die Europameisterschaft qualifizieren.“

Mert Günok, Torwart Türkei: „Ein historischer Abend. Wir haben gegen den Weltmeister etwas geschafft, was viele seit Jahren nicht verwirklichen konnten. Es gab Momente, in denen wir nicht gut waren. Aber mit dem einen Punkt haben wir die Tür für die EM weit geöffnet.“

Hakan Calhanoglu, Mittelfeldspieler Türkei: „Heute müssen wir die Leistung von der gesamten Mannschaften hervorheben. Wir haben heute 90 Minuten dagegen gehalten und sind nach dem Gegentreffer nicht eingebrochen. In der ersten Halbzeit haben wir etwas defensiver agiert. Es ist nicht leicht gegen den Weltmeister zu spielen. In den zweiten 45 Minuten haben wir etwas lockerer aufgespielt. Vor dem Treffer kam Merih zu mir und sagte mir, dass ich den Ball auf den langen Pfosten schlagen soll. Danach hab ich Kaan Ayhan gesehen und für meine Begriffe eine tolle Flanke geschlagen.“

Moussa Sissoko, Mittelfeldspieler Frankreich: „Wir sind sehr enttäuscht. Eigentlich hatten wir heute verdient zu siegen. Der Gegentreffer ist sehr ärgerlich gewesen, denn wir wussten um die Stärken der Türken bei ruhenden Bällen. Wir haben es heute einfach nicht geschafft, effektiv genug vor dem Tor zu sein.“

Olivier Giroud, Angreifer Frankreich: „­Natürlich sind wir enttäuscht. Es war sehr schwierig überhaupt ein Tor zu erzielen. Dann auch noch ein Tor durch eine Standardsituation zu kassieren, obwohl wir darauf vorbereitet waren, ist sehr ärgerlich.“

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