Türkischer Fußball

Türkei 2:2 Montenegro: Die türkischen Spieler in der Einzelkritik

Die Enttäuschung könnte kaum größer sein. Erst führte die Türkei zwischenzeitlich mit 2:0 und dann gab man den Sieg in der allerletzten Sekunde aufgrund einer Aneinanderreihung von Fehlern in der Mannschaft (Foulspiel, unzureichende Mauer, Gegentreffer in der Torwartecke) noch aus der Hand. Bitterer Abend für die türkische Elf, die sich eigentlich nach der erfolglosen EM etwas rehabilitieren wollte und das Spiel über weite Strecken kontrollierte. Zudem verschenkte man in der Gruppe einen großen Vorteil, selbst, wenn man die WM-Qualifikationsgruppe G aktuell noch anführt. Doch wie waren die individuellen Leistungen der Halbmond-Kicker?


Altay Bayindir: Bekam den Vorzug vor Ugurcan Cakir, konnte sich aber in keiner Phase des Spiels nennenswert auszeichnen. Beim Last-Minute-Gegentreffer forderte der 23-Jährige eine Vier-Mann-Mauer, allerdings versagte beim Hintermann die Kommunikation mit seinen Vorderleuten. Zudem muss sich Bayindir ankreiden lassen, dass er das Tor in der Torwart-Ecke kassiert und dem Schützen einen komplett freien Schusskorridor anbietet, den dieser eiskalt nutzt. – Note: 4,5

Zeki Celik: Der Profi vom OSC Lille machte lange Zeit eine solide Partie und schaltete sich auch regelmäßig in die Offensive ein. Über seine Seite ließ der frühere Spieler von Bursaspor kaum etwas zu. Geriet aber in der Schlussphase der zweiten Halbzeit zusehends unter Druck. – Note: 3,5

Kaan Ayhan: Spielte für Caglar Söyüncü, der aufgrund der Ausreisebestimmungen Englands nicht im Kader stand. Der 26-Jährige überzeugte durch sein ruhiges Auftreten, sichere Zuspiele und zahlreiche gewonnene Kopfballduelle. Er versuchte das Spiel von hinten mit aufzubauen. – Note: 3

Merih Demiral: Auch der Wechsel zu Atalanta Bergamo hat dem einstigen „Verteidigungsminister“ der Türken nicht gut getan. Der Negativtrend in der Formkurve von Demiral hält weiter an. Auch gegen die Montenegriner war er nicht in der Lage der Defensive die nötige Sicherheit zu verleihen und verlor einige Male in der Vorwärtsbewegung per Pass oder Dribbling unnötig den Ball. – Note: 4,5

Mert Müldür: War auf der linken Abwehrseite für den verletzten Umut Meras im Einsatz. Der Italien-Legionär wollte sich auch im Angriff immer wieder einschalten, verdribbelte sich aber diverse Male, konnte kaum für Stabilität auf der linke Seite der Türken sorgen und ließ mehrere Flanken zu. – Note 4

Okay Yokuslu: Begann stark, baute aber im weiteren Verlauf des Spiels ab. Womöglich war er in der Sturm- und Drangphase des Gegners im defensiven Mittelfeld auch zu sehr auf sich allein gestellt. Hatte dennoch einige kritische Aktionen, in denen er die Türkei vor gefährlichen Situationen bewahrte. – Note 3,5

Hakan Calhanoglu: Wie auch der Großteil seiner Mitspieler startete der Neuzugang von Inter Mailand vielversprechend, ließ aber leistungstechnisch immer mehr nach. Auch im Offensivspiel fehlten die notwendigen Impulse. Der gebürtige Mannheimer ließ sich oft weit zurückfallen, um die Bälle zu bekommen, so dass er lange Wege in die Spitze zurücklegen musste. Bei den finalen Pässen traf er oft die falsche Entscheidung oder es fehlte die nötige Präzision. – Note: 4

Yusuf Yazici: Bis auf sein Tor, das er aus kürzester Distanz nur einschieben musste, blieb Yazici im Nationaldress abermals eher blass. Es wird offensiv viel von ihm erwartet, aber nach wie vor kann er dem türkischen Spiel keinen Stempel aufdrücken und es effizient organisieren, so dass er wie üblich frühzeitig ausgewechselt wurde. – Note: 4

Cengiz Ünder: Der beste Türke auf dem Feld. Endlich spielt der „Ündertaker“ bzw. „Turkish Robben“, wie er in Frankreich kürzlich getauft wurde, wie wir ihn aus früheren Zeiten kennen. Immer, wenn er den Ball am Fuß hatte, bekam man das Gefühl, dass gleich ein Tor fallen könnte. Erzielte nach einem Solo das 1:0 und bereitete mustergültig das 2:0 vor. Auch, wenn er konditionell etwas wegen seiner vielen Dribblings und Sprints nachließ, so war es doch der größte Fehler ihn beim kritischen Stand von 2:1 auszuwechseln, zumal im Angriff fast alles über ihn lief. – Note: 1,5

Kenan Karaman: Der Neuzugang von Besiktas zeichnete sich durch ein hohes Laufpensum und intensives Zweikampfverhalten aus. Im Angriff blieb er aber erneut weitestgehend wirkungslos. Allerdings fiel auf, wie das Gegenpressing im dritten Spielabschnitt nach seiner Auswechslung spürbar nachließ. Aber das Schuhebinden vor dem ersten Gegentor stand dem ehemaligen Düsseldorfer alles andere als gut zu Gesicht. – Note 4

Burak Yilmaz: Rabenschwarzer Tag für den Nationalstürmer. Yilmaz misslang nahezu alles, was er versuchte. Ob im Abschluss, bei der Ballannahme, im Passspiel oder wegen einer Abseitsstellung. Unzählige Angriffe der Türkei erstickte der Goalgetter durch seine zahlreichen Ballverluste und Fehlpässe. Nach seiner Gelben Karte ist Yilmaz zudem für das Duell gegen Gibraltar gesperrt. – Note: 5,5

Orkun Kökcü: Der Feyenoord Rotterdam-Spieler ersetzte in der 66. Minute Yazici im Mittelfeld, war aber nicht in der Lage das Spiel der Türken offensiv zu beleben. Auch seine defensiven Anstrengungen brachten keine Entlastung. – Note 4,5

Kerem Aktürkoglu: Wurde für Karaman eingewechselt und sorgte einige Male für gute Aktionen im Angriff. Fast hätte er das 3:1 für Yilmaz aufgelegt, doch dieser kam einen Tick zu spät. Durch seine Schnelligkeit war Aktürkoglu bemüht, den Gegner im Aufbauspiel zu stören und so sein Team etwas zu entlasten. – Note: 3

Enes Ünal: Kam in der 82. Minute für Ünder in die Partie. Da noch sechs Minuten Nachspielzeit hinzukamen, lässt sich eine Bewertung vertreten. Allerdings war Ünal in der knappen Viertelstunde quasi vollkommen abwesend im türkischen Spiel. Weder vorne noch hinten konnte der 24-Jährige dem Team helfen. – Note: 5

Alpaslan Öztürk: Kam gemeinsam mit Ünal ins Spiel und verschuldete bei seinem Debüt leichtfertig den Freistoß des Gegners, der zum 2:2-Ausgleich und damit zum Punktverlust in der letzten Sekunde führte. So hatte sich der Spieler aus Antwerpen seine Premiere für die Türkei sicher nicht vorgestellt. – Note: 5


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3 Kommentare

  1. 2. September 2021 um 15:41 —

    Senol muss einfach weg…
    Das mit Kenan versteht doch wirklich keiner, wieso er immer wieder auf den setzt… ich mein, seine Historie seit 2013… Hoffenheim (damals 2te Liga?) , Hannover und Düsseldorf… Der Typ hat keine Erstligaerfahrung, ist aber unangefochten gesetzt…

    Das 2-2 geht leider auf die Kappe von Alpaslan und Altay, welch eine Ironie, aber das ist eher die Vollendung des Desasters, den Anfang hat Senol in der HZ gesetzt unzwar mit der Art, das Ergebnis zu halten, gegen Montenegro sind wir türken anscheinend so ängstlich, dass wir auf 2-1 spielen, bei allem Respekt: wenn Senol der Mannschaft mit 325 mio Martkwert gegen Montenegro mit 16,3 mio Marktwert nur ein 2-1 zutraut ist er doch definitiv falsch am Platz…

    PS: Auch ein Burak Yilmaz kann man austauschen, vorallem gegen Ende hätte man mit Dervishoglu einen frischen Spieler für unsere Kontersituationen bringen können, aber anscheinend darf Burak nicht ausgwechselt werden, ehe er kein Tor schießt…

  2. 2. September 2021 um 15:32 —

    Hmmm wo soll ich anfangen….
    1.was macht ein Karaman in der ersten 11 der Typ ist im Angriff total überflüssig und das hat er schon in der EM gezeigt.
    2.warum dreht burak in Frankreich auf und bei uns sieht man nix von ihm.
    3. Wie kannst du einen ünder auswechseln, welches Spiel hast du gesehen senol hocam.
    Türkei brauch dringend ein vernünftiges Mittelfeld.

  3. 2. September 2021 um 12:28 —

    Für mich sind solche Spiele einfach ein Alptraum. Wir hatten so oft die Chance das 3-1 zu machen, kriegen dann aber durch solch dummen und einfachen Fehler nicht den Ball zum Mann. Die Szene von Kerem und Burak war sinnbildlich dafür.
    Gerade als Holland und Norwegen auch noch sich gegenseitig die Punkte klauen und wir ein gutes Polster hätten aufbauen können, lassen wir in aller letzten Sekunde 2 Punkte liegen.
    Zum Gegentor will ich nichts sagen, das ist amateurhaft geregelt von den Spielern. Wenn der Torwart eine 8 Mannmauer will, dann müssen das die Jungs auch so umsetzen. Was soll denn der Scheiß, dass sich nur 3 Leute in die Mauer stellen?
    Ob man es jetzt Torwartfehler oder Abstimmungsfehler bezeichnen möchte ist mir egal, wer die Dinger vorne nicht macht, braucht dann eben am Ende sich nicht wundern, wenn man solche Gegentore kassiert.

    Die Ein- und Auswechslungen waren auch mal wieder so katastrophal, dass man alles in Frage stellt bei Senol. Burak hat alle Angriffe zerstört, wieso nimmt er ihn nicht raus? Wieso schießt eigentlich Burak die Freistöße aus zentraler Position, und nicht Hakan?
    Wieso darf Kenan schon wieder starten, obwohl er von jedem Fan so gehasst wird? Wieso nimmst du eigentlich immer Enes Ünal mit, der seit gefühlt seit einem Jahr kein Tor mehr geschossen hat?

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