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Home»Türkei & Legionäre»Senol Günes spricht über Angebote und kritisiert den Fußball: „Die Agenda hat sich aus dem Fußball verlagert“
Türkei & Legionäre 24. Dezember 2025

Senol Günes spricht über Angebote und kritisiert den Fußball: „Die Agenda hat sich aus dem Fußball verlagert“

Von Gazetefutbol06 Minuten Lesezeit
Senol Günes
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Foto: IHA

 


 

 

 

 

 

Senol Günes hat sich in Trabzon in einem Bildungs- und Gesprächsformat nicht nur als Mentor für Schüler präsentiert, sondern anschließend auch überraschend offen über die Entwicklung des Fußballs gesprochen. Der ehemalige Trainer von Trabzonspor warnte vor einer Verschiebung der Prioritäten, die aus seiner Sicht den Kern des Sports beschädigt. Gleichzeitig gewährte er Einblicke in seine persönliche Haltung, seinen Ruf – und in Angebote, die ihm nach eigenen Angaben aus dem Ausland unterbreitet wurden.

Auftritt in Trabzon: Warum Günes über Sport als Lebensschule sprach

Günes nahm an einem Programm teil, das in Trabzon mit Bildungs- und Stiftungsbezug organisiert wurde und in dem es um Austausch, Erfahrung und Orientierung ging. Dabei betonte er, welchen Wert Sport für Kinder und Jugendliche haben kann. Aus seiner Sicht stärkt Sport Toleranz, Kommunikation und Respekt, hilft bei Selbsterkenntnis und Zielsetzung und fördert die Fähigkeit, zu träumen und Herausforderungen auszuhalten. Günes verknüpfte diese Aspekte mit körperlicher und geistiger Entwicklung – und mit Erfolgen, die nicht nur im Sport, sondern auch im sozialen und akademischen Leben spürbar werden.

In dieser Rolle sprach er nicht als reiner Taktiker, sondern als jemand, der seine Laufbahn als Summe aus Erfahrungen versteht. Er erinnerte daran, wie viele Spiele er absolviert habe und dass die eigenen Statistiken über Jahrzehnte gewachsen sind. „Wir haben großartige Erfahrungen gemacht, wir haben große Abzeichen bekommen, wir haben Fehler gemacht, das stimmt. Die sind wunderschön„, sagte er – und zeigte damit eine Perspektive, die Erfolge und Irrtümer als Teil eines langen Weges akzeptiert.

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„Größtes Attribut ist mein Ruf“: Günes über Herkunft, Arbeit und Anerkennung

Günes blickte auch auf seine Kindheit zurück und beschrieb eine Zeit, in der die Möglichkeiten begrenzt gewesen seien. Er sprach von Unmöglichkeiten und von einem Umfeld, in dem Fußball oft skeptisch betrachtet wurde – mit Defiziten bei Bildung, Einrichtungen, Material und wirtschaftlichen Bedingungen. Gerade deshalb habe er versucht, von seiner Arbeit zu leben, „meinen Job gutzumachen und gut zu trainieren“, und sich über Disziplin und Haltung zu definieren.

Heute, so Günes, sehe er die Anerkennung als Gegenleistung. Er sagte: „Mein größtes Kapital ist derzeit mein Ruf.“ Liebe und Respekt, die ihm in der Türkei – in Istanbul, Ankara, überall – und sogar in Europa begegneten, seien für ihn nachhaltiger als kurzfristige Titel. „Erfolge kommen und gehen, Titel, Autoritäten kommen und gehen. Ich sehe sie„, erklärte er. Der Kern seiner Botschaft: Wer lange im Fußball bleibt, wird am Ende weniger an Pokalen gemessen als an Vertrauen und Charakter.

„Die Agenda hat sich aus dem Fußball verlagert“: Kritik an Magazin-Logik und „Verschmutzung“

Der schärfste Teil seiner Aussagen drehte sich um die Gegenwart des Fußballs. Günes sagte: „Die Agenda hat sich aus dem Fußball heraus verlagert.“ Aus seiner Sicht wurde die Seriosität zunehmend von einer Magazin-Logik verdrängt, die Debatten verschiebt und das Produkt Fußball beschädigt. Er verwendete dabei das Bild, dass sich die wirtschaftliche Seite je nach Konjunktur nutzen lässt – gleichzeitig sei aber auch „die Verschmutzungsseite“ gewachsen.

Günes beschrieb eine Zeit, in der manche „leicht verdienen“ wollen, ohne zu produzieren, und in der diejenigen, die ihren Job im Fußball sauber machen, nicht ausreichend geschützt werden. Er nannte in diesem Zusammenhang Trainer, Spieler und Schiedsrichter. Seine Schlussfolgerung war eindeutig: „Es muss wiederhergestellt werden.“ Verantwortung sieht er nicht bei einer Gruppe allein. Verbände, Vereine, Trainer, Spieler und auch Medien müssten den Wert des gemeinsamen Produkts sichern, weil eine Erosion am Ende alle trifft. Wenn Unglaube, Unsicherheit, Unaufrichtigkeit und schädliche Gedanken dominieren, entfernten sich Menschen von diesem gemeinsamen Wert – und das könne auch dem Land schaden.

Trabzonspor als Marke: „Wir werden uns ansehen, wie wir es machen, nicht, wer es hier macht“

Günes sprach zudem über Trabzonspor und ordnete die Lage des Vereins aus einer strukturellen Perspektive ein. Er betonte die Bedeutung der Marke und der Geschichte, warnte aber davor, nur rückwärts zu blicken oder sich hinter Ausreden zu verstecken. Der Klub habe Fakten, wirtschaftliche, administrative, technische, soziale und psychologische Strukturen. Entscheidend sei, Akteure von innen und außen einzubeziehen, um sowohl regional zu prägen als auch international konkurrenzfähig zu sein.

Sein Ansatz ist dabei pragmatisch: Es gehe nicht darum, wer gerade handelt, sondern wie gehandelt wird. „Wir werden uns ansehen, wie wir es machen, nicht, wer es hier macht„, sagte er. Das klingt wie eine Aufforderung zu klaren Prozessen, stabiler Planung und einer Kultur, die Verantwortung nicht personalisiert, sondern organisiert.

„Wir gehen alle vorbei“: Warum Günes Trabzonspor größer als jede Person sieht

Günes machte deutlich, dass Aussagen über den Klub schnell missverstanden werden könnten, weil Fans und Öffentlichkeit sensibel reagieren. Gleichzeitig setzte er einen übergeordneten Rahmen: Menschen kommen und gehen – Vereine bleiben. „Wir sind alle vergänglich, kommen und gehen, aber Trabzonspor ist immer da„, sagte er. Damit betonte er, dass Trainer, Manager oder Präsidenten nur Phasen repräsentieren, während der Verein als Institution bleibt.

Er unterstrich, dass Trabzonspor eine Größe habe, die man nicht ignorieren könne, und dass diese Größe nur erhalten bleibt, wenn Prinzipien, Mut und Identität nicht verwässert werden. Er sprach über Meisterschaftsverhalten, das den Klub wertvoll gemacht habe, und verband das mit der Bedeutung der Fans und der Verantwortung von Verwaltung, Trainern und Spielern. Dabei nannte er auch Fatih Tekke und äußerte die Hoffnung, dass er erfolgreich sein werde: „Ich denke, unser Trainer Fatih Tekke kann das gut. Ich hoffe, es wird erfolgreich sein. Trabzonspors Weg ist offen.“

Erstmals über Angebote: Warum Günes trotzdem vorsichtig bleibt

Zum Schluss sprach Günes über Angebote, die ihm unterbreitet wurden. Nach eigener Aussage habe er Offerten von zwei unterschiedlichen Teams aus dem Ausland erhalten, diese aber nicht angenommen. Gleichzeitig erklärte er, warum er solche Themen ungern öffentlich ausbreitet: Was er sagt, könne „in falsche Richtungen gezogen werden“. Wenn er sage, er arbeite nicht, würden Fragen kommen, warum er nicht arbeite. Wenn er sage, er arbeite, kämen Kommentare, es gebe keinen Klub.

Genau darin sieht Günes das Problem der aufgeheizten Debattenkultur. „Es ist besser, den Mund zu halten, weil das Thema für Klatsch und Zeitschriftenmaterial so zugänglich ist„, sagte er. Seine Aussagen stehen damit in einer Linie: weniger Lärm, mehr Substanz – und eine Rückbesinnung darauf, dass Fußball als Produkt und gesellschaftlicher Wert nur dann stark bleibt, wenn Charakter, Verantwortung und Fairness wieder Vorrang bekommen.

 

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