Türkischer Fußball

Milli Takim: Die türkischen Spieler in der Einzelkritik

Die türkische Nationalmannschaft feierte einen gelungenen Start in die WM-Qualifikation. Am Mittwochabend schlugen die Milli Takim-Kicker im Istanbuler Atatürk-Olympiastadion die von vielen favorisierten Niederländer mit 4:2. Vor allem im ersten Durchgang zeigten die Türken gegen de Oranje-Elf eine starke Vorstellung. Auch, wenn man in der zweiten Halbzeit phasenweise etwas unter Druck geriet und wackelte, so behielt das Team doch die Nerven und schlug zurück. Grund genug, uns neben der sehr erfreulichen Mannschaftsleistung auch die individuellen Performances der Halbmond-Spieler anzusehen.

Ugurcan Cakir: Ohne jede Frage zeige der 24-jährige Torhüter in seinem fünften Länderspiel eine klasse Leistung gegen Niederlande. Zwar sah der gebürtig aus Antalya stammende Keeper beim zweiten Gegentor nicht besonders gut aus. Doch in der Schlussphase war er mit wichtigen Paraden und einem gehaltenen Elfmeter zur Stelle und bewies, was für ein wichtiger Rückhalt er für die Türkei sein kann und warum Nationalcoach Senol Günes ihm den Vorzug im Kasten gab. – Note 1,5

Zeki Celik: Der Rechtsverteidiger vom OSC Lille überzeugte sowohl defensiv als auch offensiv und nahm in der Vorwärts- und Rückwärtsbewegung eine Schlüsselrolle an diesem Tag ein. Da er in der zweiten Halbzeit in der Abwehr etwas zu sehr sich selbst überlassen wurde, kamen auch die Flanken zu den Gegentoren von seiner Seite, was die durchaus robuste Leistung von Celik etwas schmälerte. – Note 2,5

Ozan Kabak: Der Neu-Liverpooler gefiel durch seine Kopfballstärke und kompromisslose Zweikampfführung. Doch beim Stellungsspiel bei den Gegentoren war Kabak nicht auf der Höhe und verschuldete einmal mehr einen unnötigen Elfmeter. – Note 3,5

Caglar Söyüncü: Der Fels in der Brandung und absolutes Energie-Monster der türkischen Elf. Der Innenverteidiger unterstrich eindrucksvoll, warum er in England so ein hohes Standing besitzt. Ob am Boden oder in der Luft, in den meisten Szenen blieb das Produkt der Altinordu-Talentschmiede Sieger und entschärfte viele brenzlige Situationen. Auch sein Pass- und Aufbauspiel wirkte sicher. – Note 2

Umut Meras: Auf der linken Abwehrseite war mit Meras ein weiterer Frankreich-Legionär im Einsatz. In der bisherigen Saison konnte der 25-jährige Istanbuler beim AC Le Havre nicht sonderlich überzeugen. Ganz anders im Türkei-Trikot gegen die Niederlande. Meras erwies sich als sicherer Rückhalt und legte viel Einsatz- und Laufbereitschaft an den Tag. – Note 2,5

Okay Yokuslu: Der an West Bromwich Albion ausgeliehene defensive Mittelfeldspieler bestach durch viel Kampf und fortlaufende Zweikampfführung. Als er sich in die Offensive einschaltete, holte er den Strafstoß heraus, den Kapitän Burak Yilmaz zur 2:0-Halbzeitpause verwertete. In Halbzeit zwei nahm die Widerstandskraft im Mittelfeldzentrum etwas ab. – Note 2,5

Kenan Karaman: Der Düsseldorfer arbeitete viel und eroberte in der ersten Spielhälfte viele Bälle vom Gegner. Durch diese Balleroberungen konnte die Türkei einige Mal gefährliche Angriffe einleiten. Im zweiten Durchgang lies Karaman stark nach und hatte wenig vom Spielgerät. Es fiel ihm schwer den Ball zu halten und auch in der Defensivarbeit war er dann oft nicht mehr präsent, was seinem Hintermann Celik das Leben auf der rechten Seite erschwerte. – Note 3,5

Ozan Tufan: Nach seinem sensationellen Derby-Treffer am vergangenen Wochenende befindet sich Tufan wieder im Aufwind. Gegen die Niederländer strahlte der Fenerbahce-Profi viel Ballsicherheit aus und scheute vor keinem direkten Zweikampf zurück. Allerdings ging er dabei einige Mal etwas zu unkontrolliert zu Werke, was ihm eine Gelbe Karte einbrachte, nach der er sich etwas zurückhalten musste und schließlich zur Sicherheit durch Trainer Günes ausgewechselt wurde. – Note 3

Yusuf Yazici: Vom formstarken Lille-Leistungsträger hatte sich der Trainerstab insbesondere in der Offensive viel erhofft. Doch der torgefährliche Mittelfeldakteur konnte an diesem Abend keine Akzente setzen und verschaffte dem Team auch keine Atempause, indem er den Ball hielt und gut verteilte. Das ist definitiv viel Luft nach oben. – Note 4




Hakan Calhaonoglu: Der AC Mailand-Profi strotzt nur so vor Selbstvertrauen. Er forderte unaufhörlich den Ball und wollte das Spiel gestalten. Dabei war er von seinen Gegenspielern kaum vom Leder zu trennen und leitete einige schöne Angriffe ein. Sein sehenswerter Treffer unmittelbar nach der Halbzeitpause ließ seine individuelle Klasse abermals aufblitzen. Der gebürtige Mannheimer war absoluter Aktivposten gegen die Oranje-Auswahl. – Note 2

Burak Yilmaz: Der Matchwinner. Erzielte seinen ersten Länderspiel-Hattrick, sorgte permanent für Gefahr, legte weite Strecken zurück und nahm aktiv am Spielaufbau und Passspiel teil. Noch wichtiger: der „Kral“ bewies grandiose Nervenstärke. Erst verwandelte er sicher den Elfmeter zur 2:0-Führung. Dann markierte der Angreifer aus Antalya in einer sehr kritischen Phase im Spiel mit einem wunderschönen Freistoßtreffer den 4:2-Endstand. Nicht nur wegen seinem Traumtor der vielleicht bis dato beste Länderspielauftritt von Yilmaz im rot-weißen Dress. – Note 1

Caner Erkin: Kam in der 64. Minute für Yazici ins Spiel und sollte für Entlastung sorgen, da die Niederländer in dieser Phase das Spielgeschehen diktierten, mächtig Druck aufbauten und die türkische Elf den Ball kaum halten konnte. Da in der Offensive nicht viel möglich war zu dieser Zeit, unterstützte Erkin seinen Kollegen Meras auf der linken Abwehrseite. – Note 3,5

Taylan Antalyali: Der Galatasaray-Durchstarter wurde mit Erkin gemeinsam eingewechselt und ersetzte Tufan im Mittelfeldzentrum. Und dies machte Antalyali bei seinem Länderspieldebüt nahtlos. Sicher am Ball und zweikampfstark. Dennoch reichte es nicht die beiden Gegentreffer mit zu verhindern. – Note 3,5

Enes Ünal: Wurde für Calhanoglu in der 78. Spielminute eingewechselt. Ünal wirkte spritzig und konnte trotz der geringen Einsatzzeit, die mit Nachspielzeit gut eine Viertelstunde betrug, dennoch für Wirkung im Angriffsspiel der Türken sorgen. Durch ein sehr geschicktes Abschirmen des Balls holte Ünal den Freistoß an der gegnerischen Strafraumgrenze heraus, den Yilmaz zum entscheidenden 4:2 verwertete. –  Note 3

Kaan Ayhan: Betrat das Spielfeld in der gleichen Minute wie Ünal und ersetzte seinen früheren Düsseldorfer Teamkollegen Karaman, um die Defensive zu verstärken. Ayhan konnte dem Team bei den vielen hohen Hereingaben des Gegners helfen und stabilisierte das Defensivzentrum im Mittelfeld als Brücke zur Innenverteidigung. – Note 3,5

Deniz Türüc: Der Medipol Basaksehir-Profi kam als letzte Einwechslung in der 90. Minute für Hattrick-Hero Yilmaz, um etwas Zeit von der Uhr zu nehmen und um dem Team nochmals in der Schlussphase frische Beine zu verleihen für mögliche Konter. Aufgrund der kurzen Einsatzdauer ist eine Bewertung nicht möglich. Note –

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4 Kommentare

  1. 25. März 2021 um 11:17

    Wow, wie sich unsere Türk Telekom Arena verändert hat. Sah gestern recht größer und offener aus 😛

    • 25. März 2021 um 13:08

      Ihr Schlingel, schnell mal geändert, damit ich schlecht da stehe 😛

  2. 25. März 2021 um 10:51

    Ich kann mich Kubinho74 ebenfalls nur anschließen. Super, dass Ihr Einzelkriken und Noten für die Nati-Spiele verteilt. Bitte beibehalten. Mit den Noten und Kritiken bin ich auch sehr zufrieden. Kann ich so absolut unterschreiben in Summe.

  3. 25. März 2021 um 10:20

    Danke danke danke an @gazete, dass endlich die Benotungen für die Nati-Spiele kommen.
    Mit den Noten bin ich sehr zurfrieden. Den Satz zu Caglar, dass er wie ein Fels in der Brandung war, hab ich so auch geschrieben im vorherigen Artikel. 😉