Türkischer Fußball

Meine Meinung: Der türkische Fußball schwächelt zu sehr!

Seit Jahren stellt man sich diese eine Frage und versucht dann in den „spektakulären“ TV-Sendungen, in Zeitungsartikeln oder durch die Hilfe von sozialen Netzwerken dazu Stellung zu nehmen. Vor allem dann, wenn mal wieder die türkische Nationalmannschaft ein großes Turnier verpasst hat oder unsere Vertreter in den europäischen Wettbewerben sehr früh ausgeschieden sind. Zwar befindet sich die Spor Toto Süper Lig in der heißen Endphase um die Meisterschaft und den Abstieg, nichtsdestotrotz geht GazeteFutbol-Redakteur Cihad Kökten der Frage nach, wo die Schwächen des türkischen Fußballs liegen.

Welche Probleme sind vorhanden?

Und doch konnten bislang die Debattierenden keinen Erfolg bei ihren Lösungsvorschlägen verbuchen, weil weder die früheren noch die aktuellen Führungsetagen des türkischen Fußballverbandes (TFF) beziehungsweise der Top-Klubs ein Ohr für diese hatten beziehungsweise haben. Leider besteht in der Türkei weiterhin der Gedanke, dass man auf irgendeine Art und Weise den Tag versucht zu retten und nicht die nötige Geduld besitzt um auf den Erfolg zu warten. Dies kann man besonders bei den vielen Trainerentlassungen sehen. Allein in dieser Saison gab es wieder 17(!) Trainerentlassungen. Lange Zeit hat man auch versucht, die mangelhafte Jugendarbeit durch Transfers von Kindern der türkischen Gastarbeiter, besonders aus Deutschland, auszugleichen

Demirbay: Trotz TFF-Zusage jetzt für den DFB

Anstatt die überwältigende Jugendarbeit Deutschlands nachzuahmen, hat man es sich leicht gemacht und die türkischstämmigen Spieler, die wahrscheinlich keine Zukunft im Dress des DFB haben werden, versucht zum TFF zu bewegen. Das Problem war dabei jedoch, dass vor allem in der Nationalmannschaft es nicht geschafft wurde, diese Spieler zu integrieren. Es bildeten sich Gruppierungen, der Erfolg blieb somit auch aus. Es entstand der Glaube, dass dies ewig so weiter laufen wird und man einfach tagtäglich „Fast Food“ essen kann, ohne jemals selbst kochen zu müssen. Jedoch erlebte man im Sommer vor zwei Jahren ein großes Fiasko, als sich Kerem Demirbay im letzten Moment dazu entschied für den DFB aufzulaufen, obwohl er bereits dem TFF zugesagt hatte. Da der Erfolg ausbleibt, wird man in Zukunft solche Spieler auch nicht mehr für sich gewinnen können.

Gibt es Hoffnung?

Nun stellt sich natürlich die Frage, ob diese Situation sich eines Tages verbessern wird. Altınordu SK (TFF 1. Lig) konnte bislang durch eine exzellente Jugendarbeit (ø-Alter 24,7) und die Vermarktung von Spielern wie Çağlar Söyüncü (Leicester City) oder Cengiz Ünder (über Basaksehir nach Rom) nach Europa glänzen. Ein kleiner Hoffnungsschimmer auf Besserung ist dank des Klubs aus der Provinz Izmir vorhanden, welche bereits in manchen Köpfen ein Umdenken in der Türkei herbeiführen konnte.

Trabzonspor-Spieler um Yazici und Ömür heiß begehrt

Der alleinige Grund ist aber sicherlich nicht Altinordu. Schon eher, dass den Vereinen aktuell die finanziellen Mittel fehlen. In den Medien kursieren immer mehr Gerüchte um nichtbezahlte Spielergehälter wie es zuletzt bei Loris Karius (Besiktas) der Fall war. Der vom FC Liverpool ausgeliehene deutsche Keeper hatte diesbezüglich sogar eine Klage bei der FIFA eingereicht. Trabzonspor hat sich von Größen wie Burak Yilmaz oder Onur Kivrak aufgrund von zu hohen Gehältern getrennt und setzt mit Trainer Ünal Karaman immer mehr auf die Jugendarbeit. In einer Mannschaft mit einem Altersdurchschnitt von 25,4 Jahren kommen Spieler, wie Yusuf Yazici, Abdülkadir Ömür, Hüseyin Türkmen, Ugurcan Cakir und Abdülkadir Parmak, die aus der eigenen Jugend stammen, zu regelmäßigen Einsätzen in der Startelf. Die junge Generation der Bordeauxrot-Blauen fabriziert außerdem einen tollen Fußball auf dem Platz, welcher von vielen in der Türkei sehr wertgeschätzt wird.

Spieler versuchen ihr Glück in Europa

Der Schwarzmeerklub hat auch längst mehrere Offerten von Klubs aus Europa vorliegen. Insbesondere Yazici und Ömür sind heiß begehrt. Die Spieler selbst wie z.B. Enes Ünal (Real Valladolid), Cenk Tosun (FC Everton), Mehmet Zeki Celik (OSC Lille), Okay Yokuslu (Celta Vigo), Merih Demiral (Sassuolo Calcio) und Ozan Kabak (VfB Stuttgart) versuchen ihr Glück schon in Europa, anstatt nur bei den Istanbuler-Klubs zu verweilen. Diese bilden mittlerweile mit den weiteren Legionären um Hakan Calhanoglu (AC Mailand), Kaan Ayhan (Fortuna Düsseldorf), Yunus Malli (VfL Wolfsburg) die Stütze der Nationalmannschaft.

Mit einem Altersdurchschnitt von 26,3 Jahren sorgte Neu-Nationaltrainer Senol Günes, welcher das Amt erst kürzlich von Mircea Lucescu übernahm, bei seiner Kadernominierung für eine große positive Überraschung. Zwei Siege aus den ersten beiden Qualifikationsspielen für die EURO 2020 sprechen zudem für die Entscheidung des aus Trabzon stammenden 66-jährigen Übungsleiters. Vielleicht gelingt es dem WM-Dritten von 2002 tatsächlich ja den türkischen Fußball wieder auf die Erfolgsspur zu bringen.

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M. Cihad Kökten

M. Cihad Kökten

5 Kommentare

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    25. April 2019 um 11:12 —

    Meiner Meinung nach vertraut der türkische Fußball viel zu stark auf die EU-Fußballer aus Deutschland, Holland und Frankreich.

    Man versucht mit einfachen Lösungen wie Ausländerquote. Als ob das was bringen würde. Wir hatten schon immer eine Ausländerquote und ist der türkische Fußball besser geworden? Die Ausländerquote führt nur dazu, dass mittelklassige Spieler wie Alper Potuk Millionen verdienen, da es kaum alternativen gibt.

    Um den türkischen Fußball aufzubauen, müssen endlich in jeder Stadt mehrere kleinere Vereine gegründet werden. So wie es in Deutschland der Fall ist. Jeder Kleinstadt, jede kleine Gemeinschaft, jeder Stadtteil hat seinen eigenen Verein mit Trainer und Fußballfeld.

    Dafür müssen Trainerscheine gemacht werden und man braucht halt auch entsprechend Bolzplätze. Aber leider wird in der Türkei gerade in Städten jeder Quadratmeter zu betoniert und es gibt kaum Möglichkeiten für Kinder draußen vernünftig Fußball zu spielen, außer auf Straßen, wo man eben über die Taktik nicht geschult wird.

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      25. April 2019 um 11:29 —

      Das stimmt allerdings!
      Das Problem ist nicht die Ausländer Regelung, sondern das es keine geförderte Jugend gibt! Genau so wie man Stadien etc gebaut hat, sollte man auch die Jugend aktiv fördern und das heisst mal ordentliche Sportplätze etc bauen, Vereine gründen, Trainer ausbilden.. Einfach mal einen Plan haben!

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    23. April 2019 um 15:40 —

    Also ich finde vorallem Trabzonspor dient hier als Vorbild für die anderen Süper Lig Klubs. Finde es Klasse das man immer wieder Talente hochzieht und in die erste Mannschaft integriert aber auch die qualität der jungen Spieler ist hier hervor zu heben allen voran Abdulkadir von dem ich eine Menge halte und meiner Meinung sogar mehr Potenzial als Cengiz Ünder hat. Benfica hat doch meines Wissens nach Anfang der Saison auch ein Angebot abgegeben von 15-20Mio was abgelehnt wurde. Ich glaube aber Benfica wäre genau der richtige Verein für Abdulkadir auch von seiner Spielweise der perfekte zwischenschritt und könnte nach dem wahrscheinlichen Abgang von Felix seine Position einnehmen.

    Von einem Enes Ünal bin ich sehr enttäuscht er trifft als Stürmer einfach nicht(Elfmeter Tore zähle ich da jetzt nicht dazu) und mit 21 muss man einfach abliefern und seitdem er in Spanien ist läuft es überhaupt nicht mehr vielleicht sollte er nach Holland zurück und dort nochmal 1-2 Jahre verbringen.

    Caglar sieht bei Leicester auch kein Land was anscheinend an den Sprachproblemen liegt, verstehe ich aber ehrlich gesagt nicht da Englisch eine Weltsprache ist und man diese Sprache einfach können muss.

    Die einzigen Legionäre die wirklich überzeugen können bei ihren Klubs sind Zeki und Merih Demiral bei denen es gut läuft und auch Kaan Ayhan was aber ehrlich gesagt schwach ist da müssen unsere Talente einfach mehr Koninuität zeigen was das generelle Problem bei türkischen Spielern ist

    Aber finde auch das momentan die Fülle an Talenten in der Türkei gestiegen ist und einige sicher auch in einer Topliga spielen könnten.

  3. Avatar
    23. April 2019 um 12:33 —

    Danke Herr M. Cihad Kökten für den Artikel.

    Indirekt bestätigt es mich wieder,
    wer den Altersdurchschnitt der Fener Elf der letzen Spiele unter Ersun Yanal gesehen hat (Ø30-31 Jahre) der weiß bestimmt warum bei Fener die Luft draußen ist, und man noch immer gegen den Abstieg spielt.

    Alte Fussballer haben halt nicht mehr die Energie, einen Powerfussball zu fabrizieren. Ersuns berühmte Sprüche “Fener verteidigt nicht, Fener lässt Gegner verteidigen” sind nur heisse Luft, ein Schlag ins Gesicht!

    Wie kann er behaupten junge Spieler bringen in der Situation nichts, wenn er es nicht einmal probiert hat!!!!

  4. Avatar
    23. April 2019 um 12:12 —

    Ich finde, das was zur Zeit Trabzon macht wirklich gut. Sie können sich keine ausländischen Spieler leisten? Kein Problem ziehen einen Jugendspieler einfach hoch und lassen diesen spielen. Die Namen die dort oben stehen, können TS für viel Geld verlassen. Jedoch sollte man dann nicht in alte Muster verfallen sondern sollte immer weiter Jugendspieler fördern.
    Ich würde mir bei GS einen neuen Ozan Kabak wünschen, ich kenne auch tolle Talente aus unserer Jugend, jedoch ist es für so welche sehr schwer für die 1. Mannschaft zu spielen. Gerade jetzt in diesen kritischen Wochen ist so was sogar unmöglich. Ozan ist ja auch nur durch “Zufall” zum Stammspieler geworden weil sich ja unsere Innenverteidiger verletzt hatten, so wie bei Semih damals.

    Ich finde in der türkischen Liga sind so viele Talente wie lange nicht mehr. Und die Fußballwelt weiß das und beobachtet diese, da bin ich mir sicher. Ein Dorukhan und Yalcin von BJK, Yazici, Tükmen und Ömür bei TS oder Yunus Akgün bei uns sind die nächsten Spieler, die den Schritt Richtung Europa machen werden demnächst.

    Eine kleine Botschaft an Altinordu: Ich hoffe echt, dass sie den Aufstieg in die erste Liga schaffen und dort sich etablieren. Das wäre enorm wichtig für die Spieler und für die Liga. Wenn sie dann noch weiterhin Talente fördern und Spieler verkaufen nach Europa werden wir vielleicht in den nächsten 5 Jahren einen neuen Konkurrenten haben der um die EL/CL spielt (klar ist das ein bisschen zu weit gedacht von mir).

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