Die Rückkehr in das englische Oberhaus hätte für Hull City kaum spektakulärer verlaufen können. Nach einer zehnjährigen Abwesenheit sicherte sich der Klub von Eigentümer Acun Ilıcalı am ersten Spieltag der Premier League vor heimischer Kulisse einen beeindruckenden 2:0-Heimsieg gegen den Favoriten Manchester United. Die Mannschaft von Chefcoach Sergej Jakirovic feierte damit den ersten Ligasieg gegen die „Red Devils“ seit 52 Jahren und sorgte im vollbesetzten MKM Stadium für eine riesige Überraschung.

Blitzstart und Führung durch Ajayi nach Standardsituation
Trotz zahlreicher verletzungsbedingter Ausfälle im Kader übernahmen die Hausherren von Beginn an mutig das Heft des Handelns und setzten auf schnelles Flügelspiel nach Ballgewinnen. Bereits in der 5. Minute tankte sich Mohamed Belloumi auf dem rechten Flügel durch und flankte scharf in den Strafraum, wo Noussair Mazraoui in letzter Sekunde vor Oli McBurnie klären konnte. Auf der Gegenseite schnupperte Bryan Mbeumo in der 13. Minute per Halbvolley am Führungstreffer, scheiterte jedoch am griechischen Neuzugang im Tor von Hull City, Konstantinos Tzolakis. Nur zwei Minuten nachdem Senne Lammens einen Kopfball von McBurnie noch parieren konnte, fiel der umjubelte Premier-Treffer: Nach einer Ecke von der linken Seite köpfte McBurnie aufs Gehäuse, den Abwehrversuch von Lammens verwertete der völlig freistehende Semi Ajayi in der 17. Minute eiskalt zum 1:0.

Rekordeinkauf Mendy köpft zum 2:0-Pausenstand ein
Die Gastgeber blieben spielbestimmend und legten noch vor dem Seitenwechsel nach. Nach einem Foulspiel von Youri Tielemans brachte Regan Slater in der 38. Minute einen Freistoß aus zentraler Position vor das Tor. Dort stieg Nobel Mendy, der in diesem Sommer für eine vereinsinterne Rekordablöse verpflichtet worden war, am langen Pfosten am höchsten und wuchtete das Leder per Kopf zum 2:0 ins Netz. Die Heimmannschaft dominierte auch im zweiten Durchgang das Geschehen. Belloumi verfehlte das Tor in der 63. Minute sowie in der 73. Minute nur knapp. In der 78. Minute verhinderte der glänzend aufgelegte Keeper Tzolakis bei einer Chance von Mbeumo den Anschlusstreffer. In der Schlussphase fand Manchester United keinerlei Mittel gegen das Abwehrbollwerk des Aufsteigers.

Fangesänge gegen Joe Cole und große Transfer-Ankündigung von Acun Ilicali
Während der Partie machten die Anhänger im MKM Stadium ihrem Unmut über TV-Experte Joe Cole Luft, der sich im Vorfeld abfällig über den Klub geäußert hatte, und stimmten lautstark den Gesang „Schaust du zu, Joe Cole?“ an. Klubeigentümer Acun Ilicali zeigte sich im Vorfeld der Partie extrem emotional und blickte stolz auf die Entwicklung: „Zunächst einmal bin ich sehr aufgeregt. Wir sind als gesamtes Team sehr aufgeregt. Ich bin stolz darauf, dieser wunderschönen Stadt diese Freude bereitet zu haben. Die Tickets für das Spiel waren innerhalb einer halben Stunde ausverkauft. Es sieht so aus, als würde es die gesamte Saison über so weitergehen. Entscheidend ist, auf dem Platz erfolgreich zu sein. Wir werden alles tun, was in unserer Macht steht. Möge Gott uns helfen.“ Angesichts der Personalsorgen ordnete der Eigentümer die Erwartungshaltung vor dem Anpfiff noch demütig ein: „Guten Fußball, einen Fußball, auf den man stolz sein kann. Uns fehlen sieben bis acht Spieler im Kader. Deshalb wären wir natürlich glücklich, wenn wir einen Punkt holen“, hatte Ilicali vor dem Anpfiff noch gesagt. Am Ende wurden es sogar drei. Gleichzeitig kündigte er jedoch verheißungsvolle Neuzugänge für die kommende Woche an: „Es sieht so aus, als würden wir diese Woche noch fünf bis sechs weitere Spieler holen. Diese Verhandlungen sind nicht einfach. Wir sprechen mit wichtigen Spielern. Es ist weder einfach, sie zu überzeugen, noch die richtigen Rahmenbedingungen zu schaffen. Aber wir befinden uns in einer sehr guten Situation.“

