Der türkische Basketball hat ein neues Juwel, das trotz seines jugendlichen Alters bereits auf höchstem internationalem Niveau für Furore sorgt. Der erst 17-jährige Nationalspieler Ömer Kutluay, Sohn von Türkei-Legende Ibrahim Kutluay, begeistert die Fachwelt mit einer beispiellosen Energieleistung. Im exklusiven Gespräch mit dem Weltbasketballverband FIBA während der laufenden FIBA U20-Europameisterschaft im slowenischen Ljubljana gab der junge Spielmacher tiefe Einblicke in sein Seelenleben und erklärte, was ihn trotz der extremen physischen Belastungen antreibt. Der Youngster war nach seinen überragenden Auftritten bei der vorangegangenen U17-Weltmeisterschaft extrem kurzfristig in den älteren U20-Kader berufen worden und avancierte dort sofort zum Schlüsselspieler beim Einzug der Rot-Weißen ins Viertelfinale.

Der körperliche Härtetest: Der riesige Sprung von der U17 zur U20
Der Übergang von den Junioren zu den fast erwachsenen Profis verlangt dem talentierten Aufbauspieler auf dem Parkett alles ab. In seinen ersten vier Partien in Ljubljana stand der Guard im Schnitt starke 24 Minuten auf dem Feld und lieferte mit durchschnittlich 12,0 Punkten, 1,5 Rebounds, 2,8 Assists und 1,0 Steals hervorragende Allround-Werte ab. Im vorentscheidenden Gruppenspiel gegen die Auswahl Italiens musste er sogar für stolze 30 Minuten Schwerstarbeit verrichten. Den extremen Unterschied zwischen den Altersklassen spürt der Spielgestalter deutlich. „Die Spieler hier treten bereits auf professionellem Niveau an und spielen deshalb viel körperbetonter. Das macht einen großen Unterschied“, analysierte der Teenager die gesteigerte Intensität bei den älteren Jahrgängen nüchtern.
Unglaubliche Energieleistung: Ein historischer Doppel-Einsatz im selben Sommer
Mit seinem unermüdlichen Einsatz auf dem Parkett sicherte sich der talentierte Guard einen Eintrag in den Geschichtsbüchern des Weltverbandes. Der Spielgestalter schrieb Sportgeschichte, indem er als allererster Basketballer überhaupt im selben Sommer sowohl an der FIBA U17-Weltmeisterschaft als auch an der FIBA U20-Europameisterschaft aktiv teilnahm. Zwischen dem Ende der Heim-WM in der Türkei am 5. Juli und dem Start der Europameisterschaft am 11. Juli in Slowenien lagen lediglich sechs Tage Pause. Auf die Frage, wie er dieses mörderische Pensum ohne Leistungseinbruch bewältigen könne, antwortete der ehrgeizige Sportler kurz und entschlossen: „Alles ist Leidenschaft. Nichts anderes als Leidenschaft.“ Diese Hingabe bewies er bereits beim U17-Turnier in Istanbul, als er im Schnitt unglaubliche 37,2 Minuten auf dem Parkett stand und beim dramatischen Overtime-Sieg gegen Neuseeland sensationelle 47 Minuten und 37 Sekunden durchspielte. „Das hat nur mit Leidenschaft zu tun. Ich liebe dieses Spiel – deshalb werde ich nicht müde“, stellte der Youngster klar.

Überragende Turnierstatistiken und eine prägende Generation
Obwohl das ganz große Gold bei der Heim-Weltmeisterschaft ausblieb, zog der Spielmacher ein absolut positives Fazit aus dem Turnierverlauf. Bei der U17-Weltmeisterschaft glänzte der Aufbauspieler mit fantastischen Werten von durchschnittlich 28,4 Punkten, 6,1 Rebounds und 9,0 Assists pro Begegnung. Mit einem exzellenten Effizienzwert von 28,3 landete er in den Kategorien Punkte und Effizienz jeweils auf dem zweiten Rang des Turniers und sicherte sich bei den Vorlagen sogar die Spitzenposition, was ihm folgerichtig eine Nominierung in das renommierte All-Star-Team einbrachte. Die Türkei belegte am Ende den vierten Platz, nachdem man sich im Halbfinale vor einer Rekordkulisse von 8.348 Zuschauern dem Favoriten Serbien und im Spiel um Platz drei der Auswahl Australiens geschlagen geben musste. „Ich sehe das nicht als Enttäuschung. Wir haben viele Menschen hinter uns vereint. Sie haben an uns geglaubt und wir haben alles gegeben. Im letzten Spiel waren wir einfach erschöpft. Es war nur eine Niederlage, daran lässt sich nichts mehr ändern. Für mich war dieses Turnier etwas, das unsere Generation prägen wird“, blickte der Führungsspieler reif zurück. Als wichtigste Lehre nahm er mit, niemals vorzeitig aufzugeben: „In einem Spiel haben wir einen Rückstand von 25 Punkten aufgeholt, mehrmals Acht-Punkte-Rückstände wettgemacht – auch im Viertelfinale gegen Frankreich. Deshalb darf man niemals aufgeben und muss immer weiterspielen.“
Das große Lob von Ergin Ataman und die neue Rolle im Nationalteam
Die außergewöhnlichen Leistungen des 17-jährigen Talents blieben auch dem Cheftrainer der A-Nationalmannschaft nicht verborgen. Der Nationaltrainer der Herren, Ergin Ataman, adelte den Youngster mit der Aussage, dass er ihn ohne die zeitlichen Überschneidungen der Jugendturniere bereits fest für die anstehenden Qualifikationsspiele der A-Nationalmannschaft zur FIBA-Basketball-Weltmeisterschaft 2027 nominiert hätte. Die Berufung zur älteren U20-Auswahl kam für den Guard dennoch völlig überraschend. „Damit hatte ich überhaupt nicht gerechnet. Dann bekam ich einen Anruf, dass sie mich im Team haben wollten, und ich habe sofort zugesagt. Jetzt versuche ich, der Mannschaft so gut wie möglich zu helfen“, verriet der Spielgestalter über den plötzlichen Wechsel. Im neuen Team stellt er sich voll und ganz in den Dienst des Kollektivs: „Ich muss der Mannschaft auf jede mögliche Weise helfen. Vor allem muss ich defensiv stärker sein, denn dieses Team braucht von mir mehr in der Verteidigung. Hier habe ich den Ball nicht so oft in den Händen wie zuvor. Deshalb muss ich auf andere Weise zum Erfolg beitragen.“

