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Explosion im Titelrennen! Galatasarays Patzer macht den Weg frei – Das brachiale Restprogramm der „Großen Vier“

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Home»Türkei & Legionäre»Analyse: Was waren die Gründe für den desolaten Auftritt der Türkei gegen Italien?
Türkei & Legionäre 12. Juni 2021

Analyse: Was waren die Gründe für den desolaten Auftritt der Türkei gegen Italien?

Von Anil P. Polat05 Minuten Lesezeit
Analyse EM EURO 2020 Europameisterschaft Italien Milli Takim Türkei Türkische Nationalmannschaft
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Foto: IHA

Dass man gegen den viermaligen Weltmeister Italien, der mittlerweile seit 28 Spielen ungeschlagen ist, verlieren kann, ist sicherlich keine Schande oder große Überraschung. Doch die Art und Weise, wie die Türkei sich bei der Niederlage präsentierte, ist hingegen sicherlich inakzeptabel. Und in dieser Form hätte dies bei einem EM-Eröffnungsspiel, auf das weltweit alle Augen gerichtet sind, nicht kommen müssen und dürfen. Gerade bei dieser Auftaktpartie gegen den Europameister von 1968 wollte man sich nicht blamieren. Doch man tat auf dem Spielfeld und an der Seitenlinie alles dafür, dass es am Ende so kam. Die Gründe lassen sich wie folgt aufschlüsseln:

  • Der Trainer: Senol Günes gilt nicht zu Unrecht in der Türkei als Taktikfuchs. Entsprechende Erfolge gegen Weltmeister Frankreich, die Niederlande oder Norwegen zeigen dies ohne jeden Zweifel. Doch es hängt dem 69-Jährigen seit Jahren auch der Ruf hinterher, dass er in großen Spielen, vor allem auswärts, oftmals viel zu ängstlich auftritt und so Spiele und gar Titel abschenkt, mit sehr schwachen Leistungen, was die Sache noch bitterer macht. So war es als Trabzonspor-Trainer in Auswärtsspielen bei Fenerbahce oder bei Besiktas in seinen letzten zwei Jahren, wenn man im Titelrennen bei Galatasaray oder Fenerbahce antreten musste. Genau dasselbe Feeling zwang sich gestern in Rom auf. Mut-, konzept- und planlos wirkte der schwache Auftritt der Halbmond-Auswahl.

  • Die Spielweise und taktische Ausrichtung: Auch, wenn die „Squadra Azzurra“ seit nunmehr 28 Begegnungen ungeschlagen ist, so weiß dennoch nahezu die gesamte Fußballwelt, dass man die Italiener schon in der eigenen Spielhälfte im Spielaufbau stören muss. Am besten vor dem gegnerischen Strafraum, wenn die Abwehrspieler den Ball aufnehmen und versuchen, das Spielgerät nach vorne zu bringen. Die Türken hätten höher stehen und viel früher pressen müssen. Stattdessen zog man sich komplett zurück und ließ den Gegner kommen. Der Kontrahent nutzte dies und rückte auch mit der Abwehrkette des Öfteren bis zur Mittellinie vor und machte die Räume in der gegnerischen Spielhälfte dermaßen eng, dass die Türken selbst bei Balleroberungen mit ihrem enorm langsamen Kurzpassspiel überhaupt nicht aus der eigenen Hälfte kamen.

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  • Mangel an Tempo auf den Flügeln: Es zeigte sich in der Offensive auch, dass man auf schnelle und dribbelstarke Flügelspieler hätte setzen können und wohl auch müssen. Cengiz Ünder offenbarte innerhalb weniger Minuten, dass bei langen Bällen oder dem direktem Spiel in die Spitze auch die Italiener vor Probleme hätten gestellt werden können. Ein Kerem Aktürkoglu mit seiner Schnelligkeit und seinen starken Laufwegen hätte mit Ünder zusammen eine Option sein können, dass Spiel zu beeinflussen, wenn man dazu auch die enorm defensive und ängstliche Spielweise als Team abgelegt hätte. Vor allem in solchen Partien wären Akteure wie Halil Akbunar oder Efecan Karaca, die lauf- und konterstark sind, Gegenspieler ausspielen und Druck erzeugen können, sicherlich hilfreiche Alternativen gewesen. Doch auf diese Akteure verzichtete Nationalcoach Günes für Spieler wie Dorukhan Toköz, den er als Joker ansehe, wir als Zuschauer aber nicht auf dem Feld gesehen haben, als man dringend Veränderungen im eigenen Spiel brauchte.

  • Einige Experten nehmen die Spielweise dennoch in Schutz und wollen Parallelen zum 2:0-Sieg gegen Weltmeister Frankreich in der EM-Qualifikation schlagen. Das ist zunächst nicht weit hergeholt, denn beide Mannschaften verfügen über ähnliches Spielpotenzial und auch gegen die „Equipe Tricolore“ spielten die Türken zunächst abwartend und standen defensiv stark, konterten aber auch effektiv. Hat aber noch jemand die damalige Startelf vor Augen? Wenn nein, hier die Startaufstellung zu besagtem Spiel: Günok – Celik, Ayhan, Demiral, Kaldirim – Tekdemir, Toköz, Kahveci, Karaman, Ünder – Yilmaz

 

  • Tekdemir, Toköz pressten deutlich mehr, während Ünder und Kahveci vor ihren Verletzungen in Topform den Ball schneller nach vorne bringen konnten. Die Taktik war klar zu erkennen und fruchtete. Die Spielidee – mit sieben anderen Profis in der Startelf – kristallisierte sich früh heraus. Wenn man beide Partien unter diesen Gesichtspunkten vergleicht, dann wird man feststellen, dass vielleicht die Ausgangslagen vergleichbar, die taktische Ausrichtung dennoch im Kern eine andere war. Gegen Italien begegnete man den gegnerischen Spielern erst unmittelbar vor dem eigenen Sechzehner. Jede Mannschaft nimmt dann das Tor dankend unter Dauerbeschuss oder flankt konsequent in den Strafraum, bis irgendwann dann leider etwas Zählbares herausspringt. Und so kam es auch zum unglücklichen Gegentor, dem zuvor mehr oder weniger ungehindert 15-20 Schüsse und Hereingaben vorausgegangen waren. Während die Türkei nicht einen einzigen ernsthaften Torschuss produzieren konnte.

  • FAZIT: Lange Rede kurzer Sinn, mit diesem ängstlichen, passiven und defensiven Spielverständnis wird es gegen jeden Gegner schwer bis unmöglich zu gewinnen auf diesem Niveau. Die Türkei und Senol Günes müssen sich wieder auf die eigenen Stärken besinnen und mutiger agieren. Denn bei aller Liebe und Respekt zu einigen türkischen Expertenstimmen, die Türkei hat eben nicht mit dieser Taktik gegen Frankreich oder zuletzt die Niederlande und Norwegen gewonnen. Und das wird sie ganz sicher auch nicht gegen Wales oder die Schweiz.

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