Türkischer Fußball

UEFA und FIFA geschockt: Gündogdu, Özdemir und Yardimci äußern sich zur Schiedsrichter-Ausbootung


Der türkische Schiedsrichterausschuss (MHK) gab kürzlich völlig überraschend bekannt, dass 13 Referees von der Liste der aktiven Süper Lig-Schiedsrichter gestrichen wurden und (mindestens) bis zum Saisonende kein Spiel mehr in der höchsten Spielklasse der Türkei pfeifen werden. Unter den ausgebooteten Unparteiischen waren mit Cüneyt Cakir, Ali Palabiyik und Abdulkadir Bitigen auch FIFA-Kokarde tragende Schiedsrichter mit dabei, was Vertreter der UEFA und dem Vernehmen nach sogar Pierluigi Collina, den Vorsitzenden des FIFA-Schiedsrichterkomitees, stark irritiert haben soll. Die Frage nach dem Warum beschäftige die internationalen Fußballverbände nun. Mete Kalkavan erklärte als Reaktion auf die Entscheidung des MHK und TFF seinen Rücktritt. Auch bei Cüneyt Cakir bleiben viele Fragezeichen zurück. Der 45-Jährige bereitete sich eigentlich darauf vor, als erster Schiedsrichter an drei aufeinanderfolgenden Weltmeisterschaften teilzunehmen. Dafür sollte der gebürtige Istanbuler in 15 Tagen an den Athletiktests teilnehmen. Ob er dies jetzt noch machen kann, sei offen und damit auch die Teilnahme an der WM in Katar. Es sei nicht ausgeschlossen, dass juristische Schritte eingeleitet werden und Schadensersatzforderungen vonseiten der Schiedsrichter gestellt werden. TFF-Verbandschef Nihat Özdemir, TFF-Vizepräsident und Mitglied des UEFA-Exekutivkomitees Servet Yardimci sowie MHK-Präsident Ferhat Gündogdu äußerten sich zum Beschluss.


Nihat Özdemir: „Der MHK hat bezüglich der Schiedsrichter eine Entscheidung getroffen. Ich als Präsident des Verbandes habe die Angelegenheit unserem Vorstand vorgelegt. Die Entscheidung fiel einstimmig. Zu den auftretenden Kritiken kann ich keinen Kommentar abgeben. Unser Beschluss steht fest“, so Özdemir gegenüber „NTV Spor“.


Servet Yardimci: „Wir haben die UEFA lediglich über den Sachverhalt informiert. Wir berichteten, dass es eine neue Strukturierungs- und Verjüngungsmaßnahme gibt. Die UEFA fragt nur nach dem Grund. Wenn es keinen kriminellen Hintergrund gibt, und den gibt es nicht, reichen die Auskünfte und Informationen, die wir ihnen übermitteln. Ich bin aus Rize, aber Rizespor beschuldigt mich. Ich bin Vereinsmitglied bei Fenerbahce, aber auch dort werde ich beschuldigt“, sagte Yardimci zur „Hürriyet.“


Ferhat Gündogdu: „Weder TFF-Präsident Nihat Özdemir noch irgendein Verein haben etwas mit dieser Entscheidung zu tun. Diese Liste wurde ausschließlich von mir und meinem Vorstand zusammengestellt. Dies ist der erste Schritt für die Zukunft der türkischen Schiedsrichter. Wir haben einen Plan und ein festes Programm. Eigentlich habe ich jedem vier Monate Zeit gegeben. Diese vier Monate haben wir bewertet und am 8. März haben wir gehandelt. In den vergangenen 48 Stunden habe ich gesehen, wie richtig diese Entscheidung war. Es gibt folgende MHK-Klassifizierungskriterien und einen entsprechenden Algorithmus dazu: Der Spielbeobachterbericht, die Anzahl der geleiteten Spiele und der Schweregrad der Partien. Danach wird ein Ranking erstellt. Wer hier abrutscht und zu den unteren 20-Prozent gehört, wird eine Spielklasse abgestuft. Bei den gelisteten Schiedsrichtern sind einige dabei, die nicht dazu gehören. Das ist ein Fragezeichen. Doch es sind Referees, die sich altersbedingt am Ende ihrer Tätigkeit befinden und deren Namen über die Jahre einen Vertrauensverlust erlitten haben. Dazu gehören außerdem das Verhalten auf dem Feld sowie die VAR-Aufzeichnungen. Diesbezüglich haben wir in den letzten 2,5 Monaten einen detaillierten Bericht erstellt. Ich möchte betonen, dass keiner dieser Namen etwas mit einer kriminellen Vereinigung zu tun hat. Diese Meldungen stören uns sehr.“

Gündogdu im Gespräch mit „beIN SPORTS“ weiter: „Wir verlangen von unseren Schiedsrichtern nur, dass sie ruhig und besonnen ihre Entscheidungen treffen. Wenn wir feststellen sollten, dass sie den Klubs mit ihren Entscheidungen geschadet haben, so haben weder wir und schon gar nicht der türkische Fußball zehn Wochen die Geduld zu warten. Dass Trabzonspor allein an der Spitze steht, hat keinen direkten Einfluss darauf gehabt, dass wir die Entscheidung zu diesem Zeitpunkt getroffen haben, aber es war indirekt einer der Gründe. Es finden ständig VAR-Schulungen statt. Wer bei den Prüfungen nicht 75 von 100 Punkten erreicht, darf nicht ins VAR-Zimmer. Cüneyt Cakir und Firat Aydinus sind meine Freunde. Noch hatten wir nicht die Gelegenheit zu sprechen. Es gab aber andere, die mich angerufen haben. Ich sagte ihnen, dass ich eine generelle Stellungnahme abgeben werde. Ich bat sie keine öffentlichen Aussagen zu tätigen und sie hörten auf mich. Dafür danke ich ihnen. Andere meiner Freunde haben mich noch nicht kontaktiert. Sie sind immer noch überrascht und stehen unter dem Einfluss der unerwarteten Situation. Wir haben 6.719 Schiedsrichter, darunter sehr junge und talentierte Personen, die in den unteren B-C-Klassen auf ihre Chance warten. Sie werden beobachtet und ich erhalte jede Woche einen Bericht. Bei diesen zehn Schiedsrichtern beträgt das Durchschnittsalter 28,5 Jahre. Ich möchte, dass die Ausbilder der UEFA, die uns regelmäßig besuchen, als Mentoren bei diesen jungen Schiedsrichtern fungieren.“




Diese Schiedsrichter werden bis zum Saisonende die Süper Lig-Begegnungen leiten
  • Yasar Kemal Ugurlu
  • Halil Umut Meler
  • Atilla Karaoglan
  • Arda Kardesler
  • Erkan Özdamar
  • Ümit Öztürk
  • Mete Kalkavan
  • Ali Sansalan
  • Sarper Baris Saka
  • Zorbay Kücük
  • Yasin Kol
  • Volkan Bayarslan
  • Kadir Saglam
  • Mustafa Kürsad Filiz
  • Cagdas Altay
VAR-Referees
  • Özgüc Türkalp
  • Özgür Yankaya
  • Emre Malok
  • Erkan Engin

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6 Kommentare

  1. 11. März 2022 um 10:08

    Jeder der die Liga beobachtet weiß, daß sie korrupt ist. Als Galatasaray Fan war es dieses Jahr nicht einfach. Man dominiert in Europa, wird in der Süper Lig kaputt gepfiffen. Und wenn sich der Trainer wehrt, gibt es 8 Spiel Sperre für ihn. Wiederholungstäter. Also müssen wir jedes Jahr zuschauen und akzeptieren, wer die TFF wieder Meister machen wird? Nur um unsere Dominanz zu stoppen?

  2. 10. März 2022 um 20:07

    „Dass Trabzonspor allein an der Spitze steht, hat keinen direkten Einfluss darauf gehabt, dass wir die Entscheidung zu diesem Zeitpunkt getroffen haben, aber es war indirekt einer der Gründe. “

    Kann mir das jemand erklären was das heissen soll?

    • 11. März 2022 um 9:03

      Nunja, umso früher der Meisterschaftskampf entschieden ist, umso unattraktiver werden die Spiele gegen Saisonende.

      Da haben wohl einige Schiris nicht geholfen, Trabzon aufzuhalten bzw. Teams zu zu bevorzugen, damit die an Trabzon ran kommen.

    • 11. März 2022 um 9:52

      Das heißt auf gut Deutsch, dass diesen 13 Schiedsrichtern nicht zu trauen ist, dann muss sich die TFF aber die Frage gefallen lassen, was mit den letzten Jahren waren, als diese 13 Schiedsrichter auch Spiele geleitet haben?

      Ich meine diese 13 Schiedsrichter leiten doch nicht erst dieser Saison Süperlig Spiele, sondern schon seit vielen Jahren, dann muss man doch diese Spiele auch mal unter die Lupe nehmen oder?

      Das ganze stinkt m.M.n. zum Himmel, für mich ist das ein spätes Eingeständnis des TFF, dass in der Süperlig seit vielen Jahren Spiele durch viele türkische Schiedsrichter manipuliert wurden etwas anderes kann man aus dieser Entscheidung nicht ableiten oder?

      Das Ali Maccalan hier nicht auch in der Liste der Aussortierten steht ist m.M.n. ein weiterer Skandal, der Typ ist der Prototyp eines absolut linken türkischen Schiedsrichters.

  3. sahinhovic
    10. März 2022 um 19:23
  4. sahinhovic
    10. März 2022 um 19:23

    Finde ich gut so. Ali Sansalan und Yasar Kemal gleich mit. Da sind einige dabei, wo ich wirklich froh war, dass ich sie nicht mehr sehen muss.

    Ich nehme mal an, dass Referee Collina, sich nicht mal die Spiele angeschaut hat, er sollte es eigentlich wissen, dass ganz Türkei unzufrieden ist mit TFF.