Verbandsführung vor dem Kollaps: TFF plant außerordentlichen Wahlkongress am Freitag
Die Krise im Türkischen Fußballverband (TFF) erreicht ihren vorläufigen Höhepunkt. Bei einer Dringlichkeitssitzung des Vorstandes im Hauptquartier in Riva, in den Hasan Dogan Trainings- und Ausbildungseinrichtungen der Nationalmannschaften, wurden die Weichen für eine fundamentale Neuausrichtung gestellt. Der Vorstand beriet intensiv über die verheerenden Entwicklungen rund um die juristischen Ermittlungen in der sogenannten „Schiedsrichter-Akte“ sowie die ungewisse Zukunft des Zentralen Schiedsrichterausschusses (MHK). Verbandsnahen Berichten zufolge fasste das Führungsgremium dabei den wegweisenden Beschluss, am kommenden Freitag mit dem offiziellen Tagesordnungspunkt einer außerordentlichen Wahl erneut zusammenzukommen.
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Schiedsrichter-Skandal und sportliche Talfahrt belasten Verbandsspitze
Auslöser der schweren administrativen Verwerfungen sind die jüngsten Vorkommnisse im Justizskandal um das türkische Schiedsrichterwesen. Im Zuge der behördlichen Ermittlungen wurde der MHK-Vorsitzende Ferhat Gündogdu in Untersuchungshaft genommen, während der regionale MHK-Verantwortliche Sebahattin Sahin unter strengen justiziellen Auflagen auf freien Fuß gesetzt wurde. Die Verhaftungen lösten ein organisatorisches Beben im Verband aus.
Zu den juristischen Problemen gesellt sich eine sportliche Misere. Inmitten des administrativen Chaos verlor die türkische A-Nationalmannschaft ihr viertes Gruppenspiel in der UEFA Nations League A auswärts gegen Italien mit 1:3. Damit kassierten die Rot-Weißen in der Nations League vier Niederlagen in vier Spielen. Zusammen mit dem verpassten Erfolg bei der vergangenen Weltmeisterschaft nahmen die öffentlichen Rücktrittsforderungen an die Verbandsführung in den vergangenen Monaten rapide zu.

Scharfe Abrechnung: Vorstandsmitglied Mevlüt Aktan tritt zurück
Innerhalb der Verbandsführung zeigen sich deutliche Auflösungserscheinungen. Das für strategische Planung und Entwicklung zuständige Vorstandsmitglied Mevlüt Aktan reichte am 6. Oktober 2026 seinen offiziellen Rücktritt ein und rechnete in einer ausführlichen Erklärung scharf mit den Führungsstrukturen ab. Mevlüt Aktan begründete seinen Schritt mit deutlichen Worten: „Ich trete von meinem Amt als Vorstandsmitglied des Türkischen Fußballverbandes zurück. Ich bin der Auffassung, dass die derzeitige Führung nicht in der Lage war, das für diese Aufgabe erforderliche Wissen, die notwendige Erfahrung, Vision und organisatorische Kompetenz unter Beweis zu stellen. Sämtliche Abteilungen und Strukturen des Verbandes müssen auf der Grundlage von Kompetenz, Transparenz und Rechenschaftspflicht neu organisiert werden. Wir konnten keines der Versprechen einlösen, die wir unseren Delegierten bei der Generalversammlung gegeben haben.“
Der Ex-Funktionär kritisierte zudem den autoritären Führungsstil des Präsidiums und verglich die Verbandsarbeit mit einem Privatunternehmen: „Wir konnten die von unseren Vereinen erwarteten Regelungen, die den Markenwert des türkischen Fußballs steigern, seine wirtschaftliche Struktur stärken und seine Nachhaltigkeit gewährleisten sollten, nicht umsetzen. Unsere Bemühungen in diese Richtung fanden innerhalb der Führung keine Unterstützung; der Wille, die notwendigen grundlegenden Veränderungen einzuleiten, wurde nicht gezeigt. Eine Struktur, in der Entscheidungen in einem engen Kreis getroffen werden, abweichenden Meinungen kein Raum gegeben wird und die Haltung ‚Ich weiß es besser, es wird so gemacht, wie ich es sage‘ vorherrscht, kann den türkischen Fußball nicht voranbringen. Der Türkische Fußballverband kann nicht wie ein Familienunternehmen geführt werden.“

Kritik an Vorverurteilungen und Aufruf zum geschlossenen Rücktritt
In seinem Statement warnte Mevlüt Aktan zudem vor den Folgen der öffentlichen Stimmungsmache rund um die Ermittlungen: „Äußerungen, die Spannungen erzeugen, Diskussionen über Wetten und Vorwürfe von Unregelmäßigkeiten beschädigen das Vertrauen und entfremden die Fans vom Fußball. Selbstverständlich müssen Unregelmäßigkeiten verhindert werden. Ich bin jedoch der Auffassung, dass die öffentliche Bloßstellung von Personen durch Presseerklärungen, bevor juristische Verfahren abgeschlossen sind, unseren Vereinen und den Menschen schadet, die dem türkischen Fußball jahrelang gedient haben, und zudem die laufenden juristischen Verfahren negativ beeinflusst.“
Eindringlich forderte er den geschlossenen Rückzug des gesamten Gremiums, um den Weg für einen Neustart freizumachen: „Der Grund dafür, dass ich im Amt geblieben bin, war mein Glaube daran, diesen Kampf innerhalb der Institution fortsetzen zu können. Da es keine Möglichkeit mehr gibt, diesen Kampf innerhalb der Institution weiterzuführen, lege ich mein Amt nieder. Ich bin der Auffassung, dass die derzeitige Führung handlungsunfähig geworden ist, und fordere sie zum Rücktritt auf. An diesem Punkt sollten alle Vorstandsmitglieder zurücktreten, die sich um die Zukunft des türkischen Fußballs sorgen und mit ihrem Amt keine persönlichen Erwartungen verbinden. Die vernünftigste und verantwortungsvollste Entscheidung besteht in dieser Phase darin, den Weg für eine neue Führung freizumachen. Das sind wir dem türkischen Fußball schuldig.“

Haciosmanoglu lehnt Rücktritt ab – Delegierte gefordert
Abschließend richtete Mevlüt Aktan einen Appell an die Delegierten der Generalversammlung, umgehend Neuwahlen zu erzwingen, da die Verbandsführung ihren Kurs ändern müsse: „Ich fordere alle Mitglieder der Generalversammlung dazu auf, im Rahmen der entsprechenden Verfahren den notwendigen Prozess einzuleiten, damit so schnell wie möglich eine außerordentliche Generalversammlung mit Wahlen einberufen wird. Gleichzeitig fordere ich die Führung dazu auf, diesem Aufruf Folge zu leisten.“
TFF-Präsident Ibrahim Ethem Haciosmanoglu gab sich trotz des immensen Drucks und der Vorwürfe unbeeindruckt. Er betonte demonstrativ, dass er seinen Kampf für einen sauberen Fußball fortsetzen werde, und stellte klar, dass ein persönlicher Rücktritt für ihn definitiv nicht infrage komme. Die geplante Freitagssitzung dürfte somit über die Zukunft des türkischen Fußballs entscheiden.




1 Kommentar
Haciosmanoglu war nicht bei der Meisterfeier des Rekordmeisters, um den Pokal zu überreichen. Deswegen muss er sein Amt niederlegen.
Hamit Altintop oder ein anderer mit internationaler Reputation bitte übernehmen.