Galatasaray

Gheorghe Hagi: Zwischen Genie und Wahnsinn

Eines Tages saß ein Weltstar auf dem Trainingsgelände der „Löwen“ vor dem Eingang der Umkleidekabine und putzte mit großer Sorgfalt ein Paar Stollenschuhe. Als ihn Angehörige des Trainerteams fragten, wieso er wie besessen an seinen Tretern schrubbt, obwohl es zahlreiche Zeugwarte gibt, bekamen sie die Antwort: „Die gehören nicht mir, sondern dem jungen Emre.“ Der Schuhputzer dieser Geschichte ist kein Geringerer als Gheorghe Hagi. Beim jungen Emre handelt es sich um Emre Belözoglu (37), der zu dem Zeitpunkt noch nicht einmal die weiterführende Schule abgeschlossen hatte. Der anerkannte Sportjournalist Bülent Timurlenk sagte einst: „Über seinen linken Fuß könnte man einen fünfhundertseitigen Roman schreiben. Im letzten Satz würde ich betonen, dass er auch einen rechten hatte.“

Der größte Fußballer der rumänischen Fußballgeschichte

Dieses Schriftstück widmen wir einem Mann, der der Schlüsselspieler einer Mannschaft war, die dem türkischen Fußball mit dem UEFA Cup-Triumph im Jahr 2000 den größten Erfolg überhaupt bescherte. Ein Mann, der beim legendären Starensemble des FC Barcelona unter der Ägide von Cruyff, Stoichkov, Koeman und Romario in 51 Spielen elf Tore erzielte und ganze zehn Treffer vorbereitete. Davor lief er für FC Constanta, Sportul Studentesc, Steaua Bukarest, Real Madrid und Brescia Calcio auf. Der „Maradona der Karpaten“ ist unumstritten der größte Spieler der rumänischen Fußballgeschichte. Selbst Pele setzte ihn 2004 in die FIFA 100-Liste. Deshalb schwärmen die Galatasaray-Fans am Bosporus heute noch über den erfolgreichsten Ausländer ihrer langen Vereinsgeschichte und liegen ihm zu Füßen. Und das, obwohl er in zwei Amtszeiten als Trainer der Gelb-Roten erfolglos blieb. Sogar ein Wesley Sneijder konnte trotz seiner sehr gelungenen Zeit beim Rekordmeister diese Tatsache nicht ändern.

UEFA Cup 2000: Hagi gegen Tony Adams

„Gica“ – Ein Filigrantechniker mit Ausrastern

Hagi war der typische Spielmacher und ein Ballkünstler aus dem Lehrbuch. Jemand, der mit der Kugel alles machen konnte, was er machen wollte. Da zwischen Genie und Wahnsinn wie zu oft ein schmaler Grat liegt, machte sich „Gica“ auch mit einigen Ausrastern einen Namen. Im UEFA Cup-Finale 2000 gegen den FC Arsenal wurde der jetzige Trainer von FC Viitorul Constanta in der regulären Nachspielzeit des Platzes verwiesen, nachdem er Heißsporn Tony Adams niederschlug. „Ich bin auf dem Land mit Tieren aufgewachsen, da gibt es ganz andere Umgangsformen“, erklärte er einmal. Sein damaliger Coach Fatih Terim beschrieb den Vorfall mit folgenden Worten: „Hagi war ein sehr gutmütiger Mensch. Nach der Roten Karte stand er während der gesamten Verlängerung beschämt vor der Ersatzbank neben dem damaligen Vorstandsmitglied Murat Beyazit. Er fragte ihn, was der Mister (Terim) mit ihm machen werde. Beyazit sagte ihm lachend, er solle beten, dass wir das Spiel nicht verlieren.“ 

Bei Galatasaray erzielte Hagi in 132 Spielen 57 Tore, wurde vier Mal türkischer Meister, zwei Mal türkischer Pokalsieger, gewann 2000 den UEFA-Pokal und den Supercup. Wir wünschen dir alles Gute zum 54. Geburtstag, Hagi!



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Hüseyin Yilmaz

Hüseyin Yilmaz

Wirtschaftswissenschaftler, Freier Sportjournalist, Kosmopolit, Hürriyet Gücer-Fan und Spor Toto Süper Lig-Liebhaber

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